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Studie: Späte Langzeitfolgen der Radiojod-Therapie?

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Harald(Bundesgeschäftsführer
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BeitragStudie: Späte Langzeitfolgen der Radiojod-Therapie?

 
Verfasst am: 05. Nov 2007, 14:29
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Studie: Späte Langzeitfolgen der Radiojod-Therapie?

Hallo,

auf dem Link innerhalb des ForumsLeipziger Kongress der europäischen Endokrinologen
(European Thyroid Association - ETA) wurde auch eine retrospektiv Studie (Daten aus der Vergangenheit werden ausgewertet) zum Langzeit-Überleben von Schilddrüsenkrebspatienten vorgestellt.

Retrospektive Langzeitstudien sind mit sehr großer Vorsicht zu lesen, da Daten, die im Nachhinein ermittelt werden, immer ungenau sind und bruchstückhaft.

Ferner ist zu bedenken, dass sich bei der Therapie und Nachsorge des Schilddrüsenkrebs sich eine Vielzahl von Änderungen ergeben haben, die womöglich nicht erfasst wurden.

Die folgenden Ergebnisse dieser retrospektiven Langzeitstudie können daher nur in der Weise gelesen werden, dass es eventuell (!) Spätfolgen gibt, und dass weitere bessere Studien hier unbedingt gemacht werden sollten.




In der Mayo Klinik in Rochester, Minnesota, USA wurden Schilddrüsenkrebspatienten bis 1950 nur mit der chirurgischen Entfernung der Schilddrüse behandelt. Seit 1950 auch mit einer Radiojodtherapie.

Ian Hay und seine Kollegen haben nun Daten ihrer Patienten rückwirkend neu ausgewertet.

Von 1940 bis 2005 wurden in der Mayo Clinic 210 Jugendliche (Jünger wie 21 Jahre) wegen einem papillären Schilddrüsenkrebs behandelt.
Die Rückwirkend erfassten Zeiträume gehen bis zu 63 Jahre, im Mittel waren es 26,7 Jahre.

Von 1940 bis 1950 wurde vor allem eine unilaterale Lobektomie ( = Hemithyreoidektomie; Entfernung nur eines Schilddrüsenlappens) praktiziert.
Von 1950 an wurde vor allem die ganze Schilddrüse entfernt und zusätzliche eine Radiojodtherapie zur vollständigen Entfernung des Restgewebes gemacht.

Es zeigte sich, dass 20 Jahre nach einer totalen chirurgischen Entfernung der Schilddrüse bei 28% ein Rezidiv auftrat, nach 40 Jahren waren es gar 33%.
Nach 20 Jahren waren dies 5% Fernmetastasen, 7 % lokale und 22% regionale Metastasen.

Für den Zeitraum 1940 bis 1969 konnte gezeigt werden, dass bei einer nur teilweisen regionalen Entfernung der Schilddrüse die Rezidivrate signifikant höher ist, als bei einer halbseitigen Entfernung der Schilddrüse.

Nach 1950 wurde bei 31% der Patienten eine Radiojodtherapie nach einer vollständigen Entfernung der Schilddrüse gemacht. Die Rezidiv-Rate wurde in diesem Patienten-Kollektiv durch die RJT jedoch nicht verbessert.

20 Jahre nach einer chirurgischen Entfernung der Schilddrüse ist kein einziger Patient an Schilddrüsenkrebs verstorben. Lediglich zwei Patienten sind nach 25 bzw. 30 Jahren, nach 50 Jahren beträgt die Sterblichkeit an Schilddrüsenkrebs lediglich 2%.

Auch die Sterblichkeit insgesamt zeigt für den Zeitraum in den ersten 20 Jahren keinen Unterschied.

Jedoch gibt es eine deutlich erhöhte Sterblichkeit in den Jahren 30 bis 50 Jahre nach der erst Behandlung.
In der allgemein Bevölkerung wären 9,5 Todesfälle zu erwarten, im untersuchten Kollektiv starben jedoch 21. 15 starben an einer Krankheit (87 %) an einer "nicht-schilddrüsen" Krankheit.

Die spätere erhöhte Todesrate wurde von den Forschern nicht erwartet.
11 der 14 Patienten (79%), die an Krebs (nicht Schilddrüsenkrebs) gestorben sind, hatten zuvor eine Radiojodtherapie (oder eine XRT/radium), die für die spätere Krebsentwicklung womöglich relevant sein dürfte.

Quelle:
LONG-TERM OUTCOME IN 210 CASES OF PAPILLARY THYROID CARCINOMA (PTC) PRESENTING IN PATIENTS <21 YEARS OLD AND MANAGED AT ONE INSTITUTION DURING 1940–2005: A POSSIBLE PYRRHIC VICTORY?
Hay, I et.al. in Horm Res 2007;68(Suppl.3):2-20
(Abstract-Book des ETA-Kongress als PDF, Seite 1)

Update 20.5.2011: siehe auch Link innerhalb des Forums Studie: Papilläres Mikrokarzinom (Hay 2008)


Mein Kommentar / meine Einschätzung:

Ob wirklich die RJT ursächlich für den Zweit Krebs ist, lässt sich mit dieser retrospektiv Studie nicht eindeutig sagen, weil in dieser langen Zeit sich auch andere Dinge geändert haben können wie z.B. die Unterdrückung des TSH-Werts mit Schilddrüsenhormonen usw.

Die Radiojodtherapie hat sich zur Therapie des Schilddrüsenkrebs, vor allem von Metastasen bislang ja durchaus bewährt.

Hay hat in der anschließenden Diskussion auf dem ETA-Kongress in Leipzig daher auch weitere Studien gefordert, um diese eventuellen Spätfolgen der Radiojodtherapie besser zu untersuchen.
Weil es eben sein kann (!), dass mit der RJT zwar der Schilddrüsenkrebs besiegt wird, später (nach 30 Jahren) jedoch andere Krebserkrankungen dadurch jedoch womöglich verursacht werden.

Sorry, mit diesem Bericht über diese Studie werden sicherlich einige von Euch sehr verunsichert sein.
Andere retrospektiv Studien hatten ja auch schon gezeigt, dass wir ein etwas höhere Risiko wie in der Normalbevölkerung haben an einem weiteren Krebs zu erkranken (siehe auch Mitglieder-Gruppe Link innerhalb des ForumsZweit Krebs.
Ich denke, es hilft nicht den Kopf in den Sand zu stecken, sondern nur entsprechend Früh-Erkennungs-Untersuchungen für andere Krebsarten wahrzunehmen.

Für Schilddrüsenkrebspatienten mit dem Mikrokarzinom ist diese Studie vielleicht auch eine Ermutigung/Bestärkung dafür keine RJT zu machen, da ein möglicher Nutzen sehr gering ist, die eventuellen Langzeit-Risiken einer RJT eher höher sind.

Viele Grüße

Harald

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Zuletzt bearbeitet von Harald am 20. Mai 2011, 16:43, insgesamt 3-mal bearbeitet
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Gerti(aktives Vereinsmitglied)Offline
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 (p51764)
Verfasst am: 06. Nov 2007, 16:11
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Hallo, Harald, ich gehöre natürlich auch zu den Verunsicherten mit meiner hohen Strahlendosis. Aber was wäre die Alternative dazu? Also: Jeden Tag genießen!!!
LG Gerti Razz
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Pauline12
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Beitrag...ohne Worte

 (p51811)
Verfasst am: 07. Nov 2007, 15:43
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Vielleicht kann ja mal jemand bzgl. der Radiojodtherapie genauer recherchieren. Als jemand mit einem 1cm Karzinom, ist bei mir schließlich eine Radiotherapie gemacht worden. Ich weiß noch genau, wie ich vom Gefühl her dagegen war,die ärztliche Zunft aber versichert hat, wie ungefährlich eine R-therapie doch ist. Langzeitsudien würden erst nach mehreren R-therapien, das Leukämierisiko ein wenig erhöhen.

Ich kann nur hoffen, dass sich das bei anderen Studien nicht auch bewahrheitet. Die Zahlen finde ich schon erschreckend, 11 von 14, die an Krebs gestorben sind, hatten vorher eine Radiojodtherapie.
Die Studie hätte ich gerne ein paar Jahre vorher gesehen...

Gruß Pauline
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Gerti(aktives Vereinsmitglied)Offline
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 (p52193)
Verfasst am: 16. Nov 2007, 13:08
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Hallo, Harald, kann man sich nicht dafür einsetzen, dass man nach Radiojodtherapien in einem bestimmten zeitlichen Abstand vorsorglich untersucht wird- zB. mit Ultraschall. Bei mir wurde im Zusammenhang mit der RJT 2x eine ganz gründliche Ulteraschalluntersuchung aller Organe, die eine Ultraschalldiagnostik erlauben, vorgenommen(Niere, Blase, Galle, Leber). Jetzt in der Nachsorge (wahrscheinlich, denn ich bin noch nicht lange in der Nachsorge) wird nur noch der Hals untersucht.
Bei diesen Studienergebnissen sollten die Vorsorgeuntersuchungen doch umfangreicher sein.
LG Gerti
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Harald(Bundesgeschäftsführer
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 (p52198)
Verfasst am: 16. Nov 2007, 14:24
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Hallo Gerti,

ja das ist mir auch ein wichtiger Punkt, dass in den Leitlinien es entsprechende Hinweise gibt, was bezüglich Risikien, Vorsorge und Früherkennung gemacht werden soll.

siehe Link innerhalb des ForumsLeitlinien-Konferenz ; derzeit Punkt 37 bei unseren Fragen.

Viele Grüße
Harald

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 (p92578)
Verfasst am: 07. Sep 2010, 03:40
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hallo, wie lange besteht eigentlich ein erhöhtes leukämierisiko? lg silke
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