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Studie: Nach SD-Krebs erhöhtes Risiko fr Zweitkrebs (Uprety)

Studie: Nach SD-Krebs erhöhtes Risiko fr Zweitkrebs (Uprety)

| Beitrags-ID: 256328

Studie: Nach Schilddrüsenkrebs erhöhtes Risiko für Zweitkrebs (Uprety 2016)
Genauer: Das Risiko für einen Zweitkrebs bei Patienten mit Schilddrüsenkrebs in einem frühen Stadium: eine Studie bezogen auf die Bevölkerung der USA.

    Titel:
    The risk of secondary primary malignancy in early stage differentiated thyroid cancer: a US population-based study.
    Autoren:
    Uprety, Dipesh et al.
    In:
    Acta Oncologica, Published online: 31. August 2016
    http://dx.doi.org/10.1080/0284186X.2016.1196829

Hallo,

diese Studie mit Daten des US-amerikanischen Krebsregisters SEER wurde in der Zeitschrift Acta Oncologica, nach Wickipedia (9.9.2016) das offizielle Publikationsorgan der fünf Nordischen [Harald: skandinavischen] Onkologischen Gesellschaften.
Warum diese Studie nicht in Thyroid – Zeitschrift der American Thyroid Association (ATA) publiziert wurde, dem Organ wo die meisten wichtigen Studien zu Schilddrüsenkrebs publiziert werden, ist nicht bekannt, wirf jedoch Fragen u.a. nach der Qualität auf.
Die neue ATA-Leitlinie differenzierter Schilddrüsenkrebs 2015 empfiehlt ja einen sehr zurückhaltenden Einsatz der Radioiodtherapie gegenüber früheren Versionen nicht nur bei low-risk Patienten, sondern auch bei intermediate risk, was ja u.a. zur Kritik der europäischen Nuklearmediziner führte:
EANM-Position gegen ATA-Leitlinie DTC und MTZ 2105.

Die Deutsche Krebsgesellschaft berichtet online auf ihrer Nachrichtenseite am 6.9.2016 über diese Studie: Nach Schilddrüsenkrebs

Hier eine kurze Zusammenfassung aus diesen beiden Quellen über diese Studie:

Es ist eine Auswertung des us-amerikanischen Krebsregisters SEER (wobei nicht alle Bundesstaaten das (SEER)-13 Reigster nutzen).

Es wurden nur Patienten, die älter als 18 Jahre waren zum Zeitpunkt der Daignose, mit dem Stage I aufgenommen (Bei Patienten jünger wie 45 Jahre jedes T und jedes N, aber keine Fernmetastasen; bei Patienten älter wie 45 Jahre nur Schilddrüsenkarzinome die kleiner 2 cm waren, und keine Lympknoten- und Fernmetastasen). Wobei die Studie noch weiter konkretisiert und nur Patienten mit der TNM-Klassifikation T1a (=Mikrokarzinom, papilläres) meint.

Die Patienten erhielten ihre Diagnose im Zeitraum 2004 bis 2010.

Insgesamt gingen so Daten von 12.603 Patienten ein. Der erfasste Nachsorgezeitraum reichte von 9 Monaten bis 251 Monaten (= ca. 21 Jahre[Harald: Mir ist nicht klar wie das zu erst Diagnose 2004 passt]) und einer mittleren Nachbeobachtungszeit von 154 Monaten (ca. 12 Jahre).

Es wurden bei 9,8% der Patienten Zweittumore (definiert als mindestens 6 Monate nach der Diagnose Schilddrüsenkrebs) gefunden.

Diese Häufigkeit wurde mit einer standardisierten Häufigkeit in der allgemein Bevölkerung in Relation gesetzt, und daraus das Verhältnis von beobachteter zur erwarteten Häufigkeit (Observed to Expected ratio=O/E) gebildet. Dieses Maß gibt ein relatives (höheres) Risiko gegenüber der allgemein Bevölkerung wieder, an einem Zweitkrebs zu erkranken bezogen auf 10.000 Personen-Jahre.
(siehe auch: 1.3. Risiken verstehen – Broschüre Knoten)

Die beobachtete zur erwarteten Häufigkeit (Observed to Expected ratio=O/E) war 1,6 , wobei das mittlere Alter für den Zweitkrebs bei 66 Jahren lag.

Aus den genannten Quellen geht nicht hervor, ob diese Daten auch jeweils eine RIT erhielten oder nicht.

    [Anmerkung Harald: Vermute daher, dass die Therapie anders als in anderen Studien nicht berücksichtigt wurde.
    In der ATA-Leitlinie 2006 wurde bereits für Patienten mit dem papillären Mikrokarzinom nur in Ausnahmefällen eine Radioiodtherpaie empfohlen. Die Realität ist in den USA jedoch eine andere, nach einem Vortrag von Prof. Schlumberger auf dem ETA-Kongress 2016 in Kopenhagen, bekommen 40% der low-risk Patienten in den USA, die eigentlich nur in Ausnahmen eine RIT bräuchten eine RIT, während nur 70% der high-risk Patienten eine RIT bekommen.

    In der Diskussion um Ursachen für den Zweitkrebs wird nicht nur die Folge von Therapien gegenüber dem Erstkrebs diskutiert, sondern auch die Frage, ob eine genetische Disposition gibt, die sowohl den Erst- als auch den Zweitkrebs begünstigen.
    Bei Tumoren der Ausscheidungsorgane (Speicheldrüsen, Darm und Harnblase) liegt jedoch der Verdacht nahe, dass dies durch eine Radioiodtherapie verursacht ist.
    Zur Problematik des Zweitkrebs, siehe auch weitere Links auf der Seite der Forums-Gruppe: Zweitkrebs: Leukämie, Brust- und andere Krebserkrankungen]

Relativ war das Risiko für folgende Krebsarten erhöht:

  • Speicheldrüsenkrebs 2,8 (O/E)
  • Hauptkrebs 1,6 (O/E)
  • Brustkrebs 1,19 (O/E)
  • Eierstockkrebs 1,45 (O/E)
  • Krebs der männlichen Genitalien 1,26 (O/E)
  • Krebs der Harnausscheidungsorgane 1,84 (O/E)
  • Lymphom und Leukämie-Erkrankungen 1,24 (O/E)

Diese Ergebnisse waren alle statistisch signifikant.

Ein relativ höheres Risiko für Darmkrebs gab es in den ersten 24 Monaten nach Diagnose.
Jüngere (unter 60 Jahre) erkrankten häufiger an Leberkrebs, Lymphomen oder Leukämien, ältere häufiger an Knochen-, Blasen und Prostatakrebs.

Anmerkung:
Die ATA-Leitlinie differenzierter Schilddrüsenkrebs 2015 empfiehlt in ihrer Empfehlung R86 Patienten über das höhere relative Risiko an einen Zweitkrebs zu informieren, es solle jedoch kein spezielles Sreening (Früherkennung) durchgeführt werden, da das absolute Risiko nur geringfügig höher als in der allgemein Bevölkerung sei.

RECOMMENDATION 86
Although patients should be counseled on the risks of
second primary malignancy with RAI treatment for DTC,
the absolute increase in risk of developing a second primary
malignancy attributable to RAI treatment is considered
small and does not warrant specific screening to any
extent greater than age-appropriate general population
health screening.
(Weak recommendation, Low-quality evidence)

An dieser Empfehlung dürfte diese Studie auch nichts ändern.

Mir ist diese Studie eigentlich vor allem deshalb aufgefallen, weil sie das Darmkrebsrisiko schon in einem Zeitraum von 24 Monaten benennt (siehe Beates https://www.sd-krebs.de/phpBB2/viewtopic.php?p=28563#28563 vom 22.6.2016).
Ferner viel mir auf, dass in dieser Studie der Speicheldrüsenkrebs das relativ höchste Risiko aufwies, das ich so in anderen Studien noch nicht beschrieben aufgefunden habe.
Es gab dieses Frühjahr eine Anfrage, ob unser Bundesverband sich nicht dafür einsetzen solle, dass ein spezielles Screening-Programm für Speicheldrüsenkrebs nach RIT gemacht werden sollte. Aber auch hier dürfte diese Studie nicht zu einer andren Empfehlung der ATA führen, da das absolute Risiko eines Speicheldrüsenkrebs sehr gering ist, und zu den sehr seltenen Tumoren gehört.
Das Problem der Verstopfung der Speicheldrüsen ist hier wesentlich größer, siehe dazu FAQ: Kariesschutz nach Radioiodtherapie =

    Merkblatt – Kariesschutz
    Schutz der Mund- und Ohrspeicheldrüsen nach einer
    Radioiodtherapie
    (RIT)


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