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Studie: US bei niedrigem Tg-Wert nicht notwendig (Verburg)

Studie: US bei niedrigem Tg-Wert nicht notwendig (Verburg)

| Beitrags-ID: 234253

Studie: Ultraschall des Halses bei nicht-nachweisbarem und niedrigem Tg-Wert in der Nachsorge nicht notwendig (Verburg 2018)

Für wen ist dieser Beitrag von Interesse?
Betroffene mit dem differenzierten Schilddrüsenkrebs in der Nachsorge und

siehe auch: FAQ: Welcher Schilddrüsenkrebs und welche Therapie?

Überblick und Informationen für die Nachsorge des differenzierten Schilddrüsenkrebs:

Hallo,

in dieser retrospektiven Studie wurden die Daten von 773 Patient*innen des Schilddrüsenkrebsregisters der Universität Würzburg ausgewertet, die im Zeitraum 1996 bis 2012 3.176 Ultraschall-Untersuchungen erhielten.

Hintergrund der Studie ist, dass in den 90er Jahren der Tg-Wert nicht so sensitiv war, und ein nicht-stimulierter Tg-Wert von 1 µg/L oft als Grenzwert empfohlen wurde. Mit dem zusätzlichen Ultraschall konnte man damals die Sensitivität bei der Erkennung von Rezidiven verbessern.

Mittler weile hast sich jedoch die funktionelle Sensitivität des Tg-Wert verbessert.

Dies wirft die Frage auf, ist ein Ultraschall in der Nachsorge noch notwendig, bietet der Ultraschall einen zusätzlichen Nutzen?

Der Ultraschall ist dabei sehr abhängig von der Fähigkeit des untersuchenden Arztes (In der Empfehlung heißt es daher immer auch, man solle die Nachsorge bei einem mit Schilddrüsenkrebs erfahrenen Arzt machen).
Und es zeigt sich auch, dass bei Patient*innen der niedrigen und mittleren Risikogruppe für ein Rezidiv, die Rate von falsch positiven Ultraschallbefunden recht hoch ist (Die Patient*innen werden verunsichert, eventuell folgen weitere Diagnostische oder gar therapeutische Handlungen= Schaden!).

Ein alternative ist, den Ultraschall nur bei Patient*innen anzuwenden:

  • nur bei hoch-risiko Patient*innen
  • Patient*innen mit erhöhtem Tg-Wet
  • klinisch oder auf andere Weise mit suspekten Raumforderungen
  • [Patient*innen mit nachweisbaren TAK; da Tg-Wert nicht aussagefähig; Die Situation mit Nachweisbaren konstanten oder fallenden TAK wurde in dieser Studie nicht untersucht; Ergänzung durch Harald]

Ziel der Studie war es daher zu schauen, gibt es einen Nutzen des Ultraschalls bei Patient*innen, die eine OP und eine ablative RIT hatten, wenn die Nachsorge mit einem nicht-stimulierten Tg-Wert mit einem Assay gemessen wird, dessen funktionelle Sensitivität bei <1µg/L liegt.

Die TAK durften nicht nachweisbar sein. Hierzu wurde im Patientenkollektiv in den ersten Jahren die Wiederfindung benutzt. in den späteren Jahren wurde die VARELISA Methode (Thermo Fisher Scientitic Valerias System) benutzt.

Die Autoren kommen zum Ergebnis, dass nach eine Schilddrüsenoperation und folgender ablativen Radioiodtherapie ein Ultraschall des Halses in der Nachsorge nur bei TAK-negativen (TAK unauffällig) Patient*innen notwendig ist, die eine Tg-Wert von >= 1µg/L haben.

Der Ultraschall wird von den Autoren der Studie weiter für sinnvoll erachtet bei Patient*innen

  • die keine Totaloperation der Schilddrüse und keine Radioiodtherpaie erhielten
  • mit nachweisbaren TAK-Werten
  • mit einem nicht-stimulierten Tg-Wert von >=1 µg/L

siehe

    Ergebnisse im einzelnen:
    Es wurden 773 Patient*innen eingeschlossen, die insgesamt 3.176 Ultraschall-Untersuchungen (US) erhielten.

    Leider wurde in den Registerdaten nicht immer klar definiert, wann im Ultraschall ein Befund als pathologisch galt, und wann als normal. So dass hier keine genauere Analyse möglich war. Im allgemeinen gelten Lymphknoten als pathologisch,

  • wenn sie mehr kugelförmig als oval sind,
  • mit einer dichten oder unregelmäßigen Struktur im Ultraschall
  • oder mit einem kleinsten Achsendurchmesser von mehr als 1 cm

Durchblutete Knoten im Schilddrüsenbett wurden gleichfalls als pathologisch eingestuft.

Auch wurde geschaut, ob der technische Fortschritt der Ultraschallgeräte einen Einfluss hat. Hier zeigte sich, dass mit dem Fortschritt es zu weniger positiven (pathologisch; sowohl falsch auch richtig) Ergebnissen kommen, insbesondere bei einem Tg-Wert von unter <1µg/L)

Von diesen Ultraschall-Untersuchungen (US) waren:

  • 2199 US richtig negativ (Keine Auffälligkeit und kein Rezidiv)
  • 216 US erkannten richtigerweise ein Rezidiv
  • 692 US erkannten eine Auffälligkeit, die sich als falsch erwies (falsch positiv), bei 339 Patient*innen (43,9% aller Patienten!!)
  • 69 US waren falsch negativ (es war keine Auffälligkeit im US zu sehen, und ein Rezidiv lag dennoch vor

Damit ergibt sich für die Ultraschall-Untersuchung in der Nachsorge folgende statistische Werte

  • Sensitivität 75,8 % [70,1-81,5%] ein Rezidiv zu erkennen
  • Spezifität 76,1% [74,3-77,8%] (es wird angezeigt, dass kein Rezidiv vorliegt)
  • Der Positive Prädiktive Wert bei eine Auffälligkeit ist 23,8% (d.h. mit dieser Wahrscheinlichkeit liegt ein Rezidiv vor; Umgekehrt bei 76,2% ist es falscher Alarm), oder anders ausgedrückt auf 3,2 falsche Alarme kommt nur ein richtiger US-Befund.
  • Der Negative Prädiktive Wert liegt bei 97%.

Die Unterschiede bei den low-risk zu den high-risk Patient*innen sind nur marginal und statistisch nicht signifikant.

Im Verhältnis zum Tg-Wert zeigt sich, dass ein falsch negativer Tg-Wert zu einem richtig positiven Ultraschall-Befund ein sehr seltenes Ereignis ist.
Ab dem Jahr 2007 gibt es gar kein solches Ereignis mehr.

Zu ähnlichen Ergebnissen kommen auch anderen Studien (u.a. Yang 2015). Da die Risikogruppen in dieser Zeit in der ATA und der ETA sich unterscheiden, sind die Ergebnisse allerdings nicht direkt vergleichbar.
In einer italienischen Studie (Pacini 2003) an 250 Patient*innen war die Rate von im Ultraschall positiven, jedoch mit einem nicht-stimulierten Tg-Wert von <1µg/L bei 1,6%.
Aber auch hier zeigt sich, dass sich die Situation seit 2003 geändert hat.

    Original Titel:Low or Undetectable Basal Thyroglobulin Levels Obviate the Need for Neck Ultrasound in Differentiated Thyroid Cancer Patients After Total Thyroidectomy and 131I Ablation

    Autoren: Frederik A. Verburg, Uwe Mäder, Luca Giovanella, Markus Luster, and Christoph Reiners

    in: THYROID
    Volume 28, Number 6, 2018
    DOI: 10.1089/thy.2017.0352 Abstract auf PubMed

Anmerkung Harald: Ob diese Einschätzung der Autoren zum Ultraschahll in die zukünftige S3-Leitlinie Eingang findet steht noch nicht fest.
Fragen an die künftige S3-Leitlinie?.

Diese Nachsorgekonzept der Würzburger und Marburger Ärzt*innen steht im Kontrast zu dem der Essener: Studien: hsTg-Nachsorgekonzept der Uniklinik Essen (2015).

Hier in dieser Studie wurde ein Tg-Grenzwert von Siehe dort und auch dort mein Kommentar.

Viele Grüße
Harald

Weiterführende Informationen über:


zurück zu:
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3 Nutzer*innen haben sich für diesen Beitrag bedankt.

Antwort auf: Studie: US bei niedrigem Tg-Wert nicht notwendig (Verburg)

| Beitrags-ID: 261829

Hallo Harald,

Die Autoren kommen zum Ergebnis, dass nach eine Schilddrüsenoperation und folgender ablativen Radioiodtherapie ein Ultraschall des Halses in der Nachsorge nur bei TAK-negativen (TAK unauffällig) Patient*innen notwendig ist die eine Tg-Wert von >= 1µg/L haben.

Heißt das dann im Umkehrschluss, dass bei vorhandenen aber nicht steigenden TAK ein Ultraschall immer noch zweckmäßig ist?

Viele Grüße
Karl

Ich muß mit der Gewohnheit brechen, ehe sie mich gebrochen hat.
G.C.Lichtenberg

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Antwort auf: Studie: US bei niedrigem Tg-Wert nicht notwendig (Verburg)

| Beitrags-ID: 261830

Hallo Karl,

ja, wobei der Sachverhalt nachweisebare TAK nicht untersucht wurde.

Habe oben u.a. noch ergänzt:

Die TAK durften nicht nachweisbar sein. Hierzu wurde im Patientenkollektiv in den ersten Jahren die Wiederfindung benutzt. in den späteren Jahren wurde die VARELISA Methode (Thermo Fihser Scientitic Valerias System) benutzt.

Der Ultraschall wird von den Autoren der Studie weiter für sinnvoll erachtet bei Patient*innen

  • die keine Totaloperation der Schilddrüse und keine Radioiodtherpaie erhielten
  • mit nachweisbaren TAK-Werten
  • mit eine nicht-stimulierten Tg-Wert von >=1 µg/L

sowie meine
Anmerkung Harald: Ob diese Einschätzung der Autoren zum Ultraschahll in die zukünftige S3-Leitlinie Eingang findet steht noch nicht fest.
Fragen an die künftige S3-Leitlinie?.

Diese Nachsorgekonzept der Würzburger und Marburger Ärzt*innen steht im Kontrast zu dem der Essener: Studien: hsTg-Nachsorgekonzept der Uniklinik Essen (2015).

Hier in dieser Studie wurde ein Tg-Grenzwert von Siehe dort und auch dort mein Kommentar.

Viele Grüße
Harald

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