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Studie: erhöhtes Leukämie Risiko ab > 100mCi (Hyeon 2015)

Studie: erhöhtes Leukämie Risiko ab > 100mCi (Hyeon 2015)

| Beitrags-ID: 256294

Hallo,

in dieser koreanischen Studie von Gi Hyeon Seo (u.a.) wurde Daten der koreanische Krankenkassen retrospektiv ausgewertet.

Es wurden Daten zwischen Januar 2008 und 2013 retrospektiv ausgewertet.

Es gingen dabei Daten von 542.845 Personenjahre von Schilddrüsenkrebspatienten ein.

Die Schilddrüsenkrebspatienten wurden dabei in 4 Gruppen eingeteilt, und es wurde geschaut wie oft Leukämie auftrat.

Auf 100.000 Personenjahren traten an Leukämie unter den Schilddrüsenkrebspatienten auf:

  • bei keiner Radioiodtherapie 9,8 Fälle (95% Konfidenzintervall 6,4-14,4)
  • bei einer „low“ Dosis von ≤30 mCi 6,8 Fälle (Konfidenzintervall 1,7–15,7)
  • bei einer „moderate“ Dosis von 31–100 mCi; 8,6 (Konfidenzintervall 3,2–18,7)
  • bei einer „high“ Dosis von 101–150 mCi 29,5 (Konfidenzintervall 18,3–45,1)
  • bei einer „very high“ Dosis von >150 mCi 20.9 (Konfidenzintervall 11,7–34,4)

Ein Signifikanten Unterschied gegenüber keiner RIT
gab es bei der „high“ und „very high“ Dosis, und zwar war die Hazard Ratio (Ein statistisch Maß, was angibt um wie viel relativ (!) das Risiko höher ist) 3,1 und 2,1.

Viele Grüße
Harald


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Antwort auf: Studie: erhöhtes Leukämie Risiko ab > 100mCi (Hyeon 2015)

| Beitrags-ID: 372944

Hallo,

die Einteilung der Bereiche erscheint mir etwas komisch, weil sie eigentlich die Grenze zwischen moderate und high ziemlich genau dort ansetzt, wo in der Vergangenheit die meisten RJTs durchgeführt wurden (100mCi = 3,7 GBq. D.h. die meisten müssten sich jetzt „entscheiden“, ob sie sich eher unterhalb oder oberhalb diesr Grenze ansiedeln wollen.

Im Prinzip wäre jeder, der bereits eine RJT mit der alten Standarddosis (die auch heute noch oft verwendet wird) und nur einer zusätzlichen RJD mit ca. 5-10 MCi gerade so im Bereich der „high“ Dosis. Jeder mit 2 oder mehr RJTs wäre mit Standarddosis wäre dann schon bei „very high“

Auf der anderen Seite meine ich doch irgendwann früher gelesen zu haben, dass ein merklich erhöhtes Risiko erst ab einer kumulierten Dosis von ca. 30GBq (ca. 810 MCi) oder mehr bestünde.

Viele Grüße
Karl

Ich muß mit der Gewohnheit brechen, ehe sie mich gebrochen hat.
G.C.Lichtenberg

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Maria2
Moderator
pap. Karzinom pT3 tall-cell-Variante

Antwort auf: Studie: erhöhtes Leukämie Risiko ab > 100mCi (Hyeon 2015)

| Beitrags-ID: 372945

Im Prinzip wäre jeder, der bereits eine RJT mit der alen Standarddosis (die auch heute noch oft verwendet wird) und nur einer zusätzlichen RJD mit ca. 5-10 MCi gerade so im Bereich der „high“ Dosis.

Hallo Karl, hallo Harald,

das stimmt, ich hab 4 GBq bekommen und eine RJD mit 370 mBq, das wären ja dann schon 112 mCi und damit „high“, oder?
Kein allzu erfreulicher Gedanke…

Viele Grüße, und danke fürs Zusammenfassen an Harald!
Maria

Antwort auf: Studie: erhöhtes Leukämie Risiko ab > 100mCi (Hyeon 2015)

| Beitrags-ID: 372946

Hallo,

man muss natürlich bedenken, dass auch mit einer HR von 2,1 oder 3,1 das absolute Leukämierisiko immer noch sehr gering ist.

Das Lebenszeitrisiko für Leukämie betrug 2006 bei Männern 1.1% bei Frauen 0,8%

Viele Grüße
Karl

Ich muß mit der Gewohnheit brechen, ehe sie mich gebrochen hat.
G.C.Lichtenberg

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Idana

Antwort auf: Studie: erhöhtes Leukämie Risiko ab > 100mCi (Hyeon 2015)

| Beitrags-ID: 372947

Hallo
ich bin neu hier und genau diese Studie ist es die mich in meinen Recherchen zu euch geführt hat.

Mein Mann hatte im Mai seine OP und soll nun im Juli seine RIT bekommen. Er hat abrr ziemliche Angst davor, weil er denkt, dass er davon Leukemie bekommen könnte.

Gibt es hierzu inzwischen weitere Studien, vielleicht auch in anderen Ländern (Süd Korea hat doch eine relativ hohe SD Krebs Rate wenn ich dad richtig sehe?) oder sind Studien auf dem Weg?

Viele Grüße
Idana

Antwort auf: Studie: erhöhtes Leukämie Risiko ab > 100mCi (Hyeon 2015)

| Beitrags-ID: 372948

Hallo Idana,

herzlich Willkommen bei uns im Selbsthilfe-Forum und im Verein.

Das Problem mit der hohen Rate an Schilddrüsenkrebs in Süd-Korea ist, dass dort ein Ultraschall-Screening gemacht wurde, und eine Vielzahl von Mikrokarzinomen gefunden wurden, die für die Betroffenen gar nicht von Relevanz gewesen wären, hätte man sie nicht gefunden.

In der obigen Studie wird auf jedenfall deutlich, dass erst bei hohen und sehr hohen Aktivitäten (Dosen) von radioaktivem Jod das Leukämie Risiko steigt.
Dabei muss man sich auch die absoluten Zahlen anschauen, in der obigen Studie:

Bei keiner Radioiodtherapie erkrankten 9,8 von 100.000 Schilddüsenkrebspatient*innen an Leukämie.
Bei einer low und moderaten Aktivität bei der Radiotherapie 6,8 bzw. 8,6 von 100.000 Schilddrüsenkrebspatient*innen.

Bei einer hohen Aktivität waren dies 29,5 von 100.000 Patient*innen; das sind 0,0295%.
Dies ist zwar höher wie bei einer geringen Aktivität: 0,0068 % ; aber insgesamt ist das absolute Risiko immer noch sehr gering.

Die Schlussfolgerung, die man aus dieser Studie ziehen kann, ist lediglich, dass der Nutzen einer Radioiodtherapie diesen Anstieg des Leukämie-Risikos überwiegen sollte.
Wenn kein papilläres Mirkokarzinom vorliegt, dann geht man in der Regel davon aus dass die Radioiodtherapie mehr Nutzen als Schaden hat.

Was für ein Schilddrüsenkrebs hat dein Mann?

Viele Grüße
Harald

schlittenhund
papill-Sd-Karz.pT3, N1b,MO

Antwort auf: Studie: erhöhtes Leukämie Risiko ab > 100mCi (Hyeon 2015)

| Beitrags-ID: 372949

Hallo,

als ich bei meiner RJT den Professor gefragt habe, ob mein Leukämie-Risiko nun erhöht sei, winkte dieser ab und meinte: „Vergessen Sie es!“

Soviel dazu aus der Uniklinik Wien.

Viele Grüße,
Schlittenhund

Idana

Antwort auf: Studie: erhöhtes Leukämie Risiko ab > 100mCi (Hyeon 2015)

| Beitrags-ID: 372950

Hallo
vielen Dank für die freundliche Aufnahme. Dad Problem bei meinem Mann ist, dass er der ganzen Sache sehr ängstlich gegenüber steht was sowohl verständlich als auch ein wenig hinderlich ist.

Mein Mann hatte 3 papiläre Schilddrüsen Karzinome am Hals und 2 oder 3 die sich wohl gerade angefangen haben. Der Arzt hat also dringend Radio Jod Therapie empfohlen
mir geht es jetzt darum ihm die Angst zu nehmen.
Vielen Dank
Idana

Rainer G3
pT4b, pN0 (0/31), M1 (OTH), V1, L0, Pn0, G3, lokal R0

Antwort auf: Studie: erhöhtes Leukämie Risiko ab > 100mCi (Hyeon 2015)

| Beitrags-ID: 372951

Hallo,

ein guter Freund ist gestorben.
Er war der Meinung Aids zu haben,
also verweigerte er zum Arzt zu gehen.
Viel zu früh ist er dann an Speiseröhrenkrebs verstorben.

Ach, die Ängste und die Schmerzen.
2019 gibt es Medikamente, die sorgen für schöne Gefühle.

LG Rainer

PS. Mein Freundeskreis ist nach diversen Selbstmorden und Krebserkrankungen
doch ein wenig ausgedüngt.

schlittenhund
papill-Sd-Karz.pT3, N1b,MO

Antwort auf: Studie: erhöhtes Leukämie Risiko ab > 100mCi (Hyeon 2015)

| Beitrags-ID: 372952

Hallo Idana,

erstmal liebe Grüße an deinen Mann.

Wovor kann man noch Angst haben, wenn mal mal die Diagnose Krebs erhalten hat?

Ich sehe die ganze Sache pragmatisch und möchte betonen, dass ich sogar „dankbar“ bin, dass ich mich nicht einer Chemotherapie unterziehen musste.

Die RJT ist eine effiziente, wirksame und nachhaltige Behandlung, ohne große Nebenwirkungen. Außer ein wenig Kopfweh hatte ich absolut keine Beschwerden. Die Wirkung ist jedoch fast schon phänomenal, fast alle im Körper verbliebenen Krebszellen werden auf diese Weise „zerstört“, ohne dass, wie bei einer Chemo, der ganze Körper schwer in Mitleidenschaft gezogen wird.

Ich finde, dein Mann sollte dieses Angebot nützen, wichtiger ist es jetzt den Krebs zu besiegen, als Angst vor irgendwelchen zukünftigen Folgeerkrankungen, die mit hoher Wahrscheinlichkeit nie eintreten werden, zu haben.

Hätte ich die Wahl gehabt, ich hätte mich damals auf jeden Fall FÜR die RJT als dagegen entschieden, um den Behandlungsablauf zu komplettieren und mit dem Bewusstsein nach Hause zu gehen, dass ich alles, was die moderne Medizin anbieten kann, ausgeschöpft habe.

Keine Angst! Sucht das Gespräch mit dem Facharzt.

Alles Gute und Kopf hoch, die Chancen stehen gut!

Herzlichst Schlittenhund

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Sue1
Nutzer*In

Antwort auf: Studie: erhöhtes Leukämie Risiko ab > 100mCi (Hyeon 2015)

| Beitrags-ID: 372943

Nachdem hier erst kürzlich diskutiert wurde über die RJT und Leukämie wollte ich meine Erfahrung schildern.
Mitte 2016 erhielt ich meine 1.RJT mit 3832 MBq nach 6 Monaten erfolgte die obligatorische Nachsorge mit 387 MBq.
Danach hatte ich keinerlei RJT mehr, da ich gerne Nachwuchs wollte. Ich hab daher nur die Standart Blutkontrollen gemacht. Mein Hausarzt hat zusätzlich immer wieder ein kleines Blutbild zusätzlich gemacht.
Vor 3 Wochen waren die Leukozytenwert viel zu hoch und nach weiteren Untersuchungen habe ich vor 3 Tagen die Diagnose CML erhalten. Jetzt darf ich zusätzlich zu den L-Thyroxin und Calciumtabletten auch noch lebenslang TKIs (leichte Chemotherapie) nehmen.
Ich hoffe die Tabletten werden ein lebenslang wirken und sind gut verträglich. (Drückt mir die Daumen)

Vor der ersten RJT musste ich unterschreiben, dass es mit einer Wahrscheinlichkeit von 1% zu Leukämie führen kann. 1% ist nicht viel, aber blöd ist halt wenn man das 1% zu 100% hat!
Ich kann nur allen Patienten mit RJT raten sich mind. 1/2 jährlich die Leukozytenwert mit bestimmen zu lassen. Bei mir würde die CML dadurch im 1.Stadium erkannt und ist somit noch sehr gut behandelbar.
Da die B-Symptome der CML den der SD-Überfunktionssymptome gleichen kann man es nur dadurch feststellen.
Bei mir liegt der Verdacht nahe, dass ich bereits seit Dezember 2017 CML habe. Da die Krankheit unterschiedlich lange benötigt hatte ich wohl einfach Glück .

Maria2
Moderator
pap. Karzinom pT3 tall-cell-Variante

Antwort auf: Studie: erhöhtes Leukämie Risiko ab > 100mCi (Hyeon 2015)

| Beitrags-ID: 372942

Hallo Sue,

ach Mensch, das hätt`s nun wirklich nicht gebraucht, hm? :console:
Ja, Risiken sind relativ, und wenn man genau derjenige ist, den`s erwischt, nützen einem alle Statistiken herzlich wenig.

Auf jeden Fall drück ich dir die Daumen, dass du die Chemo gut verträgst! :magician:

Liebe Grüße :flower:
Maria

Sue1
Nutzer*In

Antwort auf: Studie: erhöhtes Leukämie Risiko ab > 100mCi (Hyeon 2015)

| Beitrags-ID: 372941

Da kann ich dir nur in allen Punkten Recht gebende und Danke sagen.

Mir liegt nur daran, dass anderen das erspart bleibt bzw es ebenso rechtzeitig erfahren wie ich.
Nach wie vor faszinierend finde ich, dass nachdem ich meine Klinik informiert habe (Uniklinik!) diese natürlich gleich sagen: das kann man nicht sagen, dass es von der RJT kommt.

Dazu fällt mir nix mehr ein, ich bin mit Mitte 30 nicht alt, bin sportlich und schlank, hab gelegentlich geraucht in meiner Jugend aber nie exzessiv, ernähre mich meistens nach dge Vorgabe und habe nichts mit Radioaktiven Strahlungen zu schaffen. Den SD Krebs kann ich noch mit Genetik begründen. Aber wenn man dann 6 Monate nach der RJT einen Abfall der Leukos hat und weitere 12 Monate einen ständigen Anstieg der Leukozytenwert hat, sollte man meinen es wäre zumindest sehr wahrscheinlich, dass es von der RJT kommt und nicht „rein zufällig“ .
Von daher vielen Dank an Harald und Co die auch immer neue Studien hier einstellen und übersetzen und sich so engagieren.
Es ist Klasse ein Forum zu haben, dass solches fundiertes Wissen liefert und gut gepflegt wird, es gibt einem nicht nur das Gefühl das man nicht alleine ist, sondern ist immer wieder sehr informativ. DANKE

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