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Studie: Redifferenzierung mit Selumetinib (Ho 2013)

Studie: Redifferenzierung mit Selumetinib (Ho 2013)

| Beitrags-ID: 251711

Hallo,

im angeshenen New England Journal (14.02.2013) wurde diese Studie von Alan l. Ho, James A. Fagin und anderen im Memorial Sloan-Kettering Cancer Center in New York veröffentlicht.
( auf clinicaltrials.gov unter NCT00970359 registriert)

In dieser Studie zur Redifferenzierung von entdifferenziertem papillären und follikulären Schilddrüsenkrebsmetastasen wurden 20 Patienten mit dem MEK2-­Inhibitor Selumetinib behandelt (siehe auch FAQ: Was sind Tyrosinkinase-Inhibitoren?).

Bei 8 Patienten (40% der mit Selumetinib behandelten Patienten) wurde ein partielles Ansprechen über die Jod-124-PET-Dosimetrie festgestellt.
Bei diesen 8 Patienten wurde daher eine erneute Radiojodtherapie (RJT) durchgeführt, hier zeigte sich bei 5 Patienten (25% der mit Selumetinib behandelten Patienten) ein Rückgang der Metastasengrößen und bei 3 Patienten wurde das weitere Tumorwachstum gestoppt.
Bei 7 dieser 8 Patienten konnte in einem Beobachtungszeitraum von 6 Monaten dieser Zustand stabil gehalten werden.

Die Nebenwirkungen/ Toxität von Selumetinib sollen gering sein, zu mal Selumetinib nach der RJT abgesetzt werden kann.
Allerdings erkrankte ein Patient 51 Wochen nach der RJT an einem myelodysplastischen Syndrom (Erkrankung des Knochenmarks), aus dem sich eine Leukämie entwickelte.

Es ist nun geplant eine internationale, multizentrische Phase-III-Studie durchzuführen (Finanziert durch AstraZeneca dem Hersteller von Selumetinib) .

Im Detail aus dem Abstrakt:
Wenn der Signalweg MAPK (Mitogen-Activated Protein Kinase) in Schilddrüsenkrebszellen erhöht ist, so ist auch die Jodaufnahme durch die Zellen behindert.
Mit dem MEPK1- und MEPK2-Inhibitor Selumetinib konnte bei Mäusen gezeigt werden, dass damit die Jod-Aufnahme verbessert ist.
( Im The Lancet Oncology, Volume 14, Issue 4, Page e138, April 2013: doi:10.1016/S1470-2045(13)70062-7
MAP kinase inhibitor for radioiodine-resistant thyroid cancer )

In der Studie am Memorial Sloan-Kettering Cancer Center wurden nun Patienten mit Selumetinib behandelt.

Von 24 Patienten wurden mit einer Iod-124-PET-Dosimetrie, die mit einer rhTSH-Stimulation durchgeführt wurde, 20 Patienten ausgewählt
[Anmerkung Harald: Jede Stimulation beschleunigt allerdings auch das Wachstum der Krebszellen]

Die Patienten waren im Durchschnitt 66 Jahre alt (44-77 Jahre), 11 davon waren Männer.
9 Patienten hatten eine BRAF-Mutation [Anmerkung Harald: BRAF-Mutation kommt beim papillären Schilddrüsenkrebs vor; die Ärzte-Zeitung schreibt in ihrem Artikel fälschlicherweise nur vom follikulärem Schilddrüsenkrebs]
5 Paienten hatten eine NRAS-Mutation. Die RAS-Mutation liegt im MAPK-Signalweg.

Alle 20 Patienten wurden 4 Wochen mit Selumetinib (75 mg zweimal täglich) behandelt.

Danach wurde erneut eine Iod-124-PET-Dosimetrie (erneut mit einer Stimulation mit rhTSH) durchgeführt.

Bei 12 Patienten konnte eine höhere Jod-Aufnahme festgestellt werden: Bei 4 der 9 Patienten mit einer BRAF-Mutation und bei allen mit einer NRAS-Mutation.

Nur bei 8 Patienten war die Jod-Aufnahme soweit verbessert, dass eine RJT durchgeführt wurde.

Bei allen diesen 8 Patienten verringerte sich der Thyreoglobulin (TG) -Wert (im Durchschnitt um 89%).
[Anmerkung Harald: Welcher Ausgangswert genommen wurde, ist leider aus dem Abstract nicht ersichtlich. Wie sich der TG-Wert bei den anderen nicht mit RJT behandelten, aber mit rhTSH stimulierten Patienten entwickelt hat, ist ebenfalls nicht aus dem Abstract ersichtlich.]

In der Schlussfolgerung kommen die Autoren der Studie zum Ergebnis, dass Selumetinib die Jod-Aufnahme deutlich erhöht, insbesondere dann wenn eine RAS-Mutation vorliegt.

Anmerkung: Ich finde die Ergebnisse gut, allerdings nicht überwältigend, auch bei den anderen Redifferenzerierungs-Therapien war bei ca. 30% der Patienten ein Ansprechen zu beobachten. Die Auswahl der jeweiligen Patienten muss hier allerdings genauer betrachtet werden, um hier überhaupt grobe Vergleiche ziehen zu können. Sehr kritisch finde ich die vielen Stimulationen bei allen Patienten, die unbedingt bei einer Nutzenbewertung mit einbezogen werden müssen.

Werde meine Fragen zu dieser Studie an Prof. Bockisch vor dem Wuppertaler Patientenkongress richten, so dass er uns sicherlich mehr dazu auf dem Patientenkongress sagen kann:
Patientenkongress Wuppertal 23. Februar 2013.

Quellen: Neben obigen Abstract aus den New England Journal, Deutsches Ärzteblatt 14.2.2013, Pressemitteilung Memorial Sloan-Kettering Cancer Center 13.2.2013

Viele Grüße
Harald


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#peterVerstorben SD-CA

Antwort auf: Studie: Redifferenzierung mit Selumetinib (Ho 2013)

| Beitrags-ID: 352956

Hallo Harald,

hast Du etwas herausgefunden bezüglich einer möglichen Anwendung
oder einer Folgestudie?
oder gibt es in diesem Thema sonstige Neuerungen?

Das mit der Stimulation ist natürlich schon richtig, aber bei deutlich fortgeschrittenen Stadien ist die Chance auf eine gewinnbringende RJT natürlich schon ein sehr überlegenswerter Grund.

Mein Arzt hat versucht herauszufinden ob eine Behandlung möglich ist, aber seit der Studie scheint sich nichts mehr getan zu haben – zumindest noch nicht veröffentlicht.

Schönen Gruß
Peter

Antwort auf: Studie: Redifferenzierung mit Selumetinib (Ho 2013)

| Beitrags-ID: 352955

Hallo Peter,

da die folge Studie eine internationale Phase II Studie ist, wird es noch eine weile Dauern, bis Patienten rekrutiert werden können.

Au clinicaltrials.gov ist die Studie schon gelistet, es werden aber noch keine Patienten rekrutiert, mehr unter Phase-II-Studie: Redifferenzierung mit Selumetinib.

In Toronto auf dem 2nd World Congress on Thyroid Cancer, 10-14.7.2013 habe ich hierzu nichts neues erfahren.

Die Behandlungsoptionen mit Tyrosinkinase-Inhibitoren (TKI) wurden da auch in Vorträgen auf dem Kongress vorgestellt (Selumetinib ist ein TKI, spielt jedoch eine Sonderrolle, weil es um Redifferenzierung geht)
Diskutiert wurde das allgemeines Problem, wann man mit einer solchen Therapie beginnt, da selbst bei einem einmal vorhandenen Progress es auch wieder zum Stillstand kommt , wenn man nichts macht; siehe Antwort auf: Sorafenib – Phase-III-Studie bei wenig-diff. SD-Krebs" class="bbcode_url">Sorafenib – Phase-III-Studienergebnisse vorgestellt (Brose, M, ASCO 2013) (Beitrag vom 3.6.2013)

Bei nicht-operablen Lungenmetastasen, die lange keinen Beschwerden bereiten, wurde als ein möglicher bester Beginn einer TKI-Therapie, das Husten genannt (Expertenmeinung).

Viele Grüße
Harald

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