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Mikrowellenablation als Alternative zur Operation bei papillärem multifokalen Schilddrüsenkrebs (Zhao 2024)

Mikrowellenablation als Alternative zur Operation bei papillärem multifokalen Schilddrüsenkrebs (Zhao 2024)

| Beitrags-ID: 469005

Liebe Leser,

ich bin auf eine interessante wissenschaftliche Publikation gestoßen, die für Betroffene mit kleinen (mulitifokalen) Schilddrüsentumoren relevant sein könnte:

“Microwave Ablation versus Surgical Resection for Preoperative US-detected T1N0M0 Multifocal Papillary Thyroid Carcinoma“ (Radiology, 2024).

Zhao ZL, et al., Microwave Ablation versus Surgical Resection for US-detected Multifocal T1N0M0 Papillary Thyroid Carcinoma: A 10-Center Study. Radiology. 2024 Apr;311(1):e230459. doi: 10.1148/radiol.230459. PMID: 38563669.

In der Studie wurden 775 Patienten mit kleinen papillären Schilddrüsenkarzinomen untersucht – ein Teil wurde operiert, der andere Teil mit Mikrowellenablation behandelt. Die Langzeitauswertung ergab vergleichbare onkologische Ergebnisse bei beiden Verfahren, jedoch war die Mikrowellenablation mit einer signifikant geringeren Komplikationsrate verbunden.

https://www.arzt-wirtschaft.de/facharzt/onkologie/mikrowellen-ablation-bei-papillaerem-schilddruesenkrebs-vielversprechend

Viele Grüße

Arianne

  • Dieses Thema wurde geändert vor 9 Monaten, 1 Woche von Harald.
    Dieses Thema wurde 4-mal bearbeitet.
HaraldBundesgeschäftsführer
Leitungsteam SHG Berlin
follikulärer SD-Krebs 1997 (oxyphil), Zungengrundkrebs 2024

Antwort auf: Mikrowellenablation als Alternative zur Operation bei papillärem multifokalen Schilddrüsenkrebs (Zhao 2024)

| Beitrags-ID: 469024

Hallo Arianne,

danke für den Hinweis auf diese retrospektive Studie aus China.

Habe den Titel noch ergänzt um „multifokalität“; d.h. es gibt mehrere nachgewiesenen kleine papilläre Schilddrüsenkarzinome (PTC) von 10 mm oder kleiner (PTMC).

Dies ist wichtig, da sowohl in der deutsche Wiki: S3-Leitlinie Schilddrüsenkarzinom (2025) als auch die ATA-Leitlinie für den differenzierten Schilddrüsenkrebs (Ringel 2025) in der multifokalität einen Risikofaktor für Rezidive als auch für das Gesamtüberleben sehen. Wobei deutsche und amerikanische Leitlinie sich nicht auf eine Studien, sondern auf Auswertungen mehrere Studie beziehen (Reviews und Metaanalysen).

Overall, most studies show that multifocality is an independent predictor of a higher risk of persistence/recurrence as compared with unifocal tumors >1 cm. The data are not as strong for multifocality as a predictor of structural persistence/recurrence in T1a PTCs

aus: ATA-Leitlinie für den differenzierten Schilddrüsenkrebs (Ringel 2025); S. 876

Übersetzt:

Insgesamt zeigen die meisten Studien, dass Multifokalität ein unabhängiger Prädiktor für ein höheres Risiko von Persistenz oder Rezidiv im Vergleich zu unifokalen Tumoren >1 cm ist. Die Daten sind jedoch weniger stark, wenn es darum geht, Multifokalität als Prädiktor für strukturelle Persistenz oder Rezidiv bei T1a-PTCs zu betrachten.

Einfacher ausgedrückt:

Mehrere nachgewiesene papilläre Schilddrüsenknoten in der Schilddrüse sind ein Risikofaktor, dass der Schilddrüsenkrebs nach Ersttherapie fortbesteht oder der Schilddrüsenkrebs wieder auftritt, im Vergleich dazu, wenn nur ein Schilddrüsentumor des papillären Schilddrüsenkrebs in der Schilddrüse war. Sind mehrere Knoten jedoch alle kleiner gleich 1 cm ist die Datenlage nicht so sicher wie bei größeren mehreren Knoten.

 

Der Expertenkonsens (Empfehlung 5.4)  der deutschen S3 Leitlinie empfiehlt mit starkem Konsens die vollständige chirurgische Entfernung der Schilddrüse, statt nur eine Hälfte der Schilddrüse, weil dadurch eine Radiojodtherapie möglich ist, und dadurch oftmals erst Lymphknoten- und Fernmetastasen gesehen werden.

Aufgrund der geringen Studienlage gibt die ATA-Leitlinie Empfehlungen, die die gemeinsame Entscheidungsfindung (Shared clinical decision-making) in den Mittelpunkt rückt. Hier ist sowohl aktives Beobachten als auch Ablationsverfahren wie die MWA, RFA sowie mit Laser in der gemeinsamen Risikoabwägung für ausgewählte Patienten möglich.

Die Präferenz der ATA ist jedoch eher bei aktivem Beobachten, und einer später durchgeführten Operation.

Für die Operation spricht nach ATA auch, dass dann die Schilddrüsentumore auch histopathologisch genauer untersucht werden können.

Eine Operation soll dann durchgeführt werden, wenn die Knoten, um mehr als 3mm wachsen, es durch Feinnadelpunktion nachgewiesene Lymphknotenmetastasen gibt, Fernmetastasen, Ausbreitung über die Schilddrüsenkapsel (extrathyreodal), bei Wachstum in den hinteren Bereich der Schilddrüse, und wenn der Patient unter Angst leidet oder eine klare Präferenz für eine Operation hat. (Empfehlung 14, der ATA 2025, S.861)


Ein Problem von vielen Studien als auch dieser von Zhao 2024 ist für mich noch, dass der Zeitraum der Nachbeobachtung von 5 Jahren beim Schilddrüsenkrebs einfach noch sehr kurz ist. Und das retrospektive Design ist wie so oft eine Quelle von Fehlern.

Interessant ist an dieser Studie von Zhao 2024, dass durch die Operation auch kleine Lymphknotenmetastasen bei 161 von 453 Patienten gefunden wurden.  In der Gruppe mit der Mikrowellenablation (MWA) konnte man diese durch die begrenzte Entfernung nur der im Ultraschall bekannten Knoten nicht finden.

Zhao und co. weisen darauf hin, dass neuere Studien in Frage stellen, inwieweit kleine Lymphknotenmetastasen für die Patienten überhaupt relevant sind.  Wobei Studien hier die Anzahl und Größe der Lymphknotenmetastasen untersuchen, ab wann hier ein erhöhter Risikofaktor für das krankheitsfreie und und Gesamt-Überleben besteht.

Zhao und co, vermuten aus ihren Daten, dass diese okkulten kleinen Lymphknotenmetastasen für die Patienten nicht von Bedeutung sind.

Viele Grüße

Harald

 

  • Diese Antwort wurde geändert vor 9 Monaten, 1 Woche von Harald.
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