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Studie: TSH-Unterdrückung bei mittleren/hoch-risiko SD-Krebs

Studie: TSH-Unterdrückung bei mittleren/hoch-risiko SD-Krebs

| Beitrags-ID: 259125

Für wen ist dieser Beitrag von Interesse?

Einfach erklärt:

Was sagen die Leitlinien:

Studie: Zusammenhang der TSH-Unterdrückung mit dem Überleben von Patient*innen mit einem bei mittleren und hohen Risiko [für ein Rezidiv] Schilddrüsenkrebs (Klubo-Gwiezdzinska 2019)

    Original-Titel:Association of Thyrotropin Suppression With Survival Outcomes in Patients With Intermediate- and High-Risk Differentiated Thyroid Cancer.

    Autor*innen: Joanna Klubo-Gwiezdzinska, MD, PhD, et.al.

    in: JAMA Network Open. 2019;2(2):e187754. doi:10.1001/jamanetworkopen.2018.7754

Hallo,

früher wurde bei fast allen Schilddrüsenkrebspatient*innen eine TSH-Unterdrückung mit Schilddrüsenhormonen gemacht.

Der Nutzen dieser TSH-Unterdrückung wurde in den letzten Jahren immer mehr durch Studien in Frage gestellt, während die Risiken einer TSH-Unterdrückung in den Vordergrund traten.

In der aktuellen amerikanischen Leitlinie (2015) wird daher sehr differenziert die TSH-Unterdrückung empfohlen, siehe :

In dieser aktuell publizierten us-amerikanischen Studie von Joanna Klubo-Gwiezdzinska et. al., wurden retrospektiv (im Nachhinein) die Verläufe von Schilddrüsenkrebspatient*innen aus den Registern mehrerer Kliniken untersucht, die nach der amerikanischen Leitlinie zu den mittleren und hoch-Risiko Patient*innen für ein Rezidiv gehören.

Erste Einteilung in Risikogruppen nach der chirurgischen Entfernung des Tumors, bezüglich des Risikos für ein Rezidiv bzw. ein Fortbestehen der Krankheit:

  • Geringes Risiko (ATA low risk): Der Tumor ist auf die Schilddrüse begrenzt bzw. es wurden nicht mehr als 5 Lymphknotenmetastasen gefunden, von denen keiner größer als 2 mm war. Das Risiko für ein Rezidiv bzw. ein Fortbestehen der Krankheit reicht von 1% bis zu 8 % (siehe auch Text).
  • Mittleres Risiko (ATA intermediate risk): Der Tumor hat entweder eine aggressivere Histologie (z. B. großzellig) oder eine minimale Ausbreitung außerhalb der Schilddrüse oder einen Einbruch in die Blutgefäße beim papillären Schilddrüsenkarzinom oder mehr als 5 Lymphknotenmetastasen von denen keiner größer als 3 cm war. Das Risiko für ein Rezidiv bzw. eine Persistenz der Krankheit reicht von 8% bis zu 40% (siehe auch Text).
  • Hohes Risiko (ATA high risk): Der Tumor konnte nicht vollständig chirurgisch entfernt werden oder hatte eine deutliche Ausbreitung außerhalb der Schilddrüse oder es gibt Fernmetastasen oder Lymphknotenmetastasen von mehr als 3 cm Größe. Das Risiko für ein Rezidiv bzw. ein Fortbestehen der Krankheit reicht von 10% bis zu 55% (adaptiert aus Fig. 4 in der ATA-Leitlinie 2015, S. 42).

ausführlicher siehe: ATA 2015: Risikogruppen beim differenzierten Schilddrüsenkrebs

(aus: Resetbutton nach Operation und Radioiodtherapie (RIT))

Es wurden insgesamt die Daten von 1012 Patient*innen erfasst (wobei 145 Patient*innen von der Studie ausgeschlossen wurden, weil keine kontinuierliche Daten zum TSH vorhanden waren).

Die Daten von 867 Betroffenen wurden genauer untersucht, der Nachbeobachtungszeitraum betrug im Mittel 7,2 Jahre.
Die Patient*innen erhielten eine Radioiodtherapie im Zeitraum 1. Januar 1979 und März 2015 [Anmerkung Harald: dies ist eine sehr große Zeitspanne, in der sich in Diagnostik und Therapie sehr viel geändert hat.]

Untersucht wurde wie sich der TSH-Wert zum Überleben und zum krankheitsfreien Überleben (progression-free survival=PFS) verhält.

Von den 867 Patient*innen mit einem mittleren und hohen Risiko für ein Rezidiv, bekamen 293 (33,8%) Betroffene ein Rezidiv und 34 (3,9%) starben im Beobachtungszeitraum. Um einen statistischen Nachweis bezüglich des Überlebens führen zu können, war damit die Studie zu schwach [d.h. es hätten noch mehr Patient*innen in die Studie eingeschlossen werden müssen, um hier Fehlerquellen ausschließen zu können]

Es wurde daher nur das krankheitsfreie Überleben genauer untersucht, und hier die Zeiträume 1 1/2, 3 und 5 Jahre nach Diagnose.

Dazu wurden drei Gruppen gebildet:

  1. Patient*innen bei denen eine strenge TSH-Unterdrückung gemacht wurde (TSH<0,1)
  2. Patient*innen mit einer moderaten TSH-Unterdrückung bis hin zum unteren TSH-Referenzwert (TSH 0,1-0,5)
  3. Patient*innen, deren TSH-Wert im unteren Referenzbereich lag bis zu einem erhöhten TSH-Wert (0,5 bis 2,0)

Es wurden hier keine Unterschiede zwischen diesen Gruppen gefunden, wann ein Rezidiv auftrat.

Da verschiedene retrospektive Studien – mit dem Risiko unterschiedliche Fehlerquellen – zu unterschiedlichen Ergebnissen kamen, fordern die Autor*innen dieser Studie, dass eine große prospektive randomisierte Studie mit mittleren und hoch-risiko Schilddrüsenkrebspatient*innen durchgeführt werden sollte, um den optimalen TSH-Wert in der Nachsorge zu ermitteln.

(Lediglich in Japan gibt es eine kleine prospektive Studie mit 296 Patienten ( Sugitani I, Fujimoto Y. 2010))

Viele Grüße
Harald

1 Nutzer*in hat sich für diesen Beitrag bedankt.

Antwort auf: Studie: TSH-Unterdrückung bei mittleren/hoch-risiko SD-Krebs

| Beitrags-ID: 385019

Hallo Harald ,
kennst Du aktuelle Studien zum gering diff. SD-Ca und Stadieneinteilung und damit einhergehenden Empfehlungen /ERfahrungen für die TSH Unterdrückung?
Danke,
Gruß, Sternenfrau

Antwort auf: Studie: TSH-Unterdrückung bei mittleren/hoch-risiko SD-Krebs

| Beitrags-ID: 385020

Hallo,

die aktuelle ATA-Risikogruppen findest du hier: Resetbutton nach Operation und Radioiodtherapie (RIT) und die Empfehlungen der ATA hier FAQ: TSH-Unterdrückung nach Schilddrüsenkrebs.

Das gering differenzierte wir hier gleich dem differenzierten behandelt, außer eben, dass es zum Teil in höheren Risikogruppen ist.
Siehe die ** in der Grapfik bei FAQ: TSH-Unterdrückung nach Schilddrüsenkrebs.

Hilft dies weiter?

Studie zur TSH-Unterdrückung sind am Ende des ersten Beitrags von FAQ: TSH-Unterdrückung nach Schilddrüsenkrebs aufgelistet.

Viele Grüße
Harald

Viele Grüße
Harald

Antwort auf: Studie: TSH-Unterdrückung bei mittleren/hoch-risiko SD-Krebs

| Beitrags-ID: 385021

…. danke!
Die Einordnung war mir nicht klar! Das hilft mir jetzt weiter!
:)
Sternenfrau

Antwort auf: Studie: TSH-Unterdrückung bei mittleren/hoch-risiko SD-Krebs

| Beitrags-ID: 385022

Hallo Harald,
mich beschäftigt das Thema noch weiter: meine Recherchen haben bisher ergeben, dass es insg. über das gering diff. SD-Karzinom wenig `Konkretes´ gibt – oder?
Gruß,
Sternenfrau

Antwort auf: Studie: TSH-Unterdrückung bei mittleren/hoch-risiko SD-Krebs

| Beitrags-ID: 385023

Hallo,

ja, dies hängt damit zusammen, dass die Definition in früheren Jahren recht unheitlich war und der Tumor sehr selten ist.

Das PDTC ist in sich keine einheitliche Tumorentität. Es gibt verschiedenen Varianten: solide/insulär/trabeculär. Manche Tumore speichern noch Iod andere nicht mehr. Im Jahr 2006 gab es das Turin Proposal für eine einheitliche Diagnostik des PDTC (Volante 2007) Nach dieser Definition machen PDTC weniger als 0,5% aller Schilddrüsentumore aus (Akaishi J. 2019).

aus der Gruppenbeschreibung der Forums-Gruppe: wenig differenzierter Schilddrüsenkrebs und RR-DTC

Viele Grüße
Harald

Antwort auf: Studie: TSH-Unterdrückung bei mittleren/hoch-risiko SD-Krebs

| Beitrags-ID: 385024

…. das sind unter 50 Menschen im Jahr in Deutschland (wenn ich die Zahl vom Robert Koch Institut über die jährliche Anzahl von SD-Ca nehme!
Entschuldige, ich hoffe , ich nerve Dich nicht, mich beschäftigt das gerade sehr , und ich bin sehr dankbar hier auf ein Forum gestoßen zu sein, wo ich eben genau auf solche Menschen treffe.
Gruß
🌟

Antwort auf: Studie: TSH-Unterdrückung bei mittleren/hoch-risiko SD-Krebs

| Beitrags-ID: 385025

Hallo,

kann deine Bedürfnis gut nachvollziehen.

Das Problem mit den Prozentzahlen von allen Schilddrüsenkrebspatient*innen ist, dass dies von Land zu Land zu verschieden ist, je nach dem wie hoch die Überdiagnostik beim papillären Mikrokarzinom ist.

Das Robert-Koch-Institut – Krebs in Deutschland für 2015/2016 (Hrsg. RKI 2019) – erfasst, das wenig-differenzierte Schilddrüsenkarzinom in dieser Definition nicht.

Viele Grüße
Harald

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