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Studie: Wachstum/Stabilität von Lymphknotenmetastasen (2016)

Studie: Wachstum/Stabilität von Lymphknotenmetastasen (2016)

| Beitrags-ID: 256881

Studie: Wachstum/Stabilität von Lymphknotenmetastasen (Rezidiv) im Hals nach einer Schilddrüsenoperation (Tomoda 2016)

    Original Titel:Cervical Lymph Node Metastases After Thyroidectomy for Papillary Thyroid Carcinoma Usually Remain Stable for Years.

    Autoren:Chisato Tomoda, Kiminori Sugino, Kenichi Matsuzu, Takashi Uruno, Keiko Ohkuwa, Wataru Kitagawa, Mitsuji Nagahama, und Koichi Ito

    alle am Ito Hospital, Tokio, Japan .

    In: Thyroid. 2016 Dec;26(12):1706-1711. Epub 2016 Oct 12.
    Abstract auf PubMed

    Zum Hintergrund:
    In Japan werden Patienten mit dem differenzierten Schilddrüsenkarzinom vor allem durch die Entfernung der Schilddrüse therapiert. Die Radioiotherapie kommt weniger häufig zum Einsatz als in den USA oder Europa.

Hallo,

allgemein ist bekannt, dass Lymphknotenmetastasen im Hals (cervical) relativ häufig beim papillären Schilddrüsenkarzinom – nach einer Schilddrüsenoperation – durch den Ultraschall entdeckt werden. Die meisten Patienten mit Lymphknotenmetastasen haben dennoch eine sehr gute Prognose. Es wird daher neuerdings in Betracht gezogen, diese Lymphknotenmetastasen bei ausgewählten Patienten zu beobachten (watchful waiting).
Auf der anderen Seite gibt es auch Patienten, deren Lymphknotenmetastasen weiter wachsen, zum Problem werden, und auch zum Tode führen können.

Die Ärzte am Ito Hospital in Tokio haben daher versucht, in einer retrospektiven Studie Merkmale zu finden, wann Lymphknotenmetastasen behandelt werden müssen, und wann man sie einfach weiter beobachten kann.

In dieser Studie gingen die Daten von 83 Patienten ein, die diesem watchful waiting entsprechen. Sie hatten nach einer Schilddrüsenoperation (40 Total, 38 Lobectomy, 5 nicht bekannt) ohne und mit Neck Dissection (63 lateral, 15 nur central, 5 nicht bekannt) ein Rezidiv in Form von Lymphknotenmetastasen hatten (Bestätigt durch die Bestimmung des Thyreoglobulin (Tg) im washout einer Feinnadelpunktion).

Nicht in die Studie aufgenommen wurden:

  • Patienten mit Lymphknoten, die kleiner als 5mm waren, und keine Feinnadelpunktion bekamen.
  • Patienten mit dem wenig bzw. gering differenzierten Schilddrüsenkarzinom
  • Patienten mit PET-Positiven Lymphknoten
  • Patienten mit Lymphknotenmetastasen von >3cm.
  • Gleichfalls ausgeschlossen wurden Patienten, die innerhalb des ersten Jahres nach Diagnose bereits ein Rezidiv hatten.

Ergebnisse:
Die 15 Männer und 68 Frauen waren zum Zeitpunkt der ersten Operation im Mittel 50,6 Jahre alt (18-80):

  • Die Lymphknotenmetastasen waren zu Beginn der Beobachtung im Mittel 1,3 cm groß (0,5-2,4cm).
  • Die Nachtbeobachtungszeit betrug im Mittel 7,2 Jahre
  • Das mittlere Wachstum der Lymphknoten betrug pro Jahr 1,4 mm (0-12,0 mm pro Jahr)
  • Bei 17 (20,5%) Patienten wuchsen die Lymphknotenmetastasen mehr als 3mm pro Jahr
  • Bei 7 (8,4%) Patienten wuchsen die Lymphknotenmetastasen gar mehr als 5mm pro Jahr.
  • Bei 33 (39,7%) Patienten waren die Lymphknotenmetastasen verschwunden („resolved“).
  • Bei 11 Patienten wurden Fernmetastasen festgestellt.
  • Das krankheitsspezifische Überleben war bei diesen Patienten zehn Jahre nach Diagnose der Lymphknotenmetastasen 84,7% und nach 15 Jahren 72,6% (nach erst Diagnose waren die Zahlen 96,1% und 90,1%)
  • Alter und ein Wachstum der Lymphknotenmetastasen von mehr als 3mm pro Jahr waren unabhängige Faktoren/Prädiktoren für ein kürzeres Überleben.

Die Autoren der Studie schlagen aufgrund dieser Ergebnisse vor, dass
neben statischen Prognosefaktoren (Alter, Tumorgröße, Wachstum außerhalb der Schilddrüse, Lymphknoten- und Fernmetastasen) für eine weitere Therapieentscheidung (weitere Operationen, Radioiodtherapie, …) auch dynamische Prognosefaktoren in Betracht gezogen werden sollen.

Bei durch den Ultraschall entdeckten Lymphknotenmetastasen schlagen sie vor, dass das für und wider einzelner Therapien mit dem Patienten besprochen werden muss.
Lymphknoten, die größer als 10 mm und ein Wachstum von mehr als 3mm haben sollten zunächst mit einem Tg-Washout der Feinnadelpunktion als Lymphknotenmetastasen bestätigt werden.

Auch wenn die chirurgische Entfernung der Lymphknotenmetastasen einen theoretischen Vorteil habe, so könne eine Operation Auswirkungen auf die Lebensqualität haben, auch müsse man die Patienten darauf hinweisen, dass die chirurgische Entfernung von Lymphknotenmetastasen in Studien bislang nicht nachweisen konnte, dass dadurch das Gesamtüberleben verlängert werde.

    Zitierte Studien zum Gesamtüberleben:
  • (12) Ponnos YD, Smith D 2005 The implication of lymph node metastasis on survival in patients with well-differentated thyroid cancer. Am Surg 71:731–734.
  • (13) Zaydfudim V, Feurer ID 2008 The impact of lymph node involvement on survival in patients with papillaty and follicular thyroid carcinoma. Surgery 144: 1070–1077.
  • (14) Jeon MJ, Kim WG, Choi YM, Kwon H, Song DE, Lee YM,
    Sung TY, Yoon JH, Hong SJ, Baek JH, Lee JH, Ryu JS,
    Kim TY, Shong YK, Chung KW, Kim WB 2015 Recent Changes in the Clinical Outcome of Papillary Thyroid Carcinoma With Cervical Lymph Node Metastasis. J ClinEndocrinol Metab 100:3470–3477.

[Zu einem ähnlichen Ergebnis, gleich falls retrospektiv kommt auch diese neuere Auswertung des US-amerikanischen Krebsregisters:: Studie: Bildgebung nach Primärtherapie – Nutzen?(Benrjee 2016)]

Viele Patienten mit kleine Lymphknotenmetastasen, die im Ultraschall entdeckt werden, hätten eine sehr gute Prognose, und die Lymphknotenmetastasen würden stabil bleiben.
Wachsen die Lymphknotenmetastasen mehr als 3mm pro Jahr seien weitere therapeutische Schritte notwendig, weil das Wachstum zum Tode führen könne.

Kommentar Harald:
Die Ergebnisse dieser und andere retrospektiven Studien sind immer mit Vorsicht zu genießen, da man nicht weiß, ob diese Patienten unbewusst nach bestimmten Kriterien für das watchful waiting ausgewählt wurden.
Auch zeigen die Daten, dass in Japan nicht nur die Radioiodtherapie weniger zum Einsatz kommt, auch scheint das chirurgische Vorgehen anders zu sein. Obgleich nur 40 Patienten eine totale Schilddrüsenoperation hatten, wurde bei 63 Patienten lateral die Lymphknoten entfernt.

Als einzige Therapie im wathful waiting wurde außerdem eine aggressive TSH-Unterdükung angewendet:

  • TSH <0.01 mlU/L (bei Wachstum 3mm bei 9 Patienten 41%)
  • TSH <0.05 mlU/L (in beiden Wachstumsgruppen 53%)
  • [Rest % nicht bekannt]

[Ein statistische Auswertung zum TSH-Wert findet sich nicht in der Studie]

siehe dazu die retrospektiven US-amerikanischen Studien, die zeigten: aggressive TSH-Unterdrückung nicht notwendig(Carhill 2015)

Viele Grüße
Harald


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