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Wiedereinstieg in den Sprechberuf

Wiedereinstieg in den Sprechberuf

| Beitrags-ID: 485285

Hallo an alle,

vor 4 Wochen wurde mir die stark gewachsene und durch Hashimoto sehr verklebte SD entfernt, wegen schnellwachsender verdächtiger Knoten (einer davon über 15 ml ).  Weil der Arzt von 50/50 bezüglich der Dignität sprach, habe ich mich zur OP entschlossen.  Auch in der Hoffnung, die starken Hormonschwankungen loszuwerden. Es war alles gutartig.

Während der 4-stündigen OP wurde der Nerv stark gezerrt und am nächsten Tag eine Minderbeweglichkeit der linken Stimmlippe festgestellt (irgendwo stand auch das Wort „Lähmung“). Die genaue Stellung hat mir niemand mitgeteilt, auch nicht der HNO, den ich 2 Wochen später aufgesucht habe.

Aktuell habe ich schwankend eine sehr heisere bis leise, raue Stimme, morgens manchmal schon mit deutlichen Schluss der Stimmlippen für 1,2 Sätze.  Atemprobleme bei Belastung sind vorhanden. Und ein Kloßgefühl im Hals, als ob eine trockene Pommes feststeckt, besser bei Dehnung nach hinten. Der Hals ist noch geschwollen.

Jetzt bin ich mir unsicher, wie es beruflich weitergeht, die Einschätzungen reichen von 3-6 Wochen Ausfall (so der HNO direkt nach der OP)  bis zu 8 Monaten oder 1,5 Jahren. Ich gebe Musikunterricht (meist Einzelschüler), singe gerne und viel dabei. Ich muß mich gegen ca.85 Dezibel durchsetzen können.

Sehe ich es richtig, dass es nicht vorhersagbar ist, wann ich wieder einsatzbereit bin? Ich schätze meine Stimmkraft auf aktuell 15 Prozent der vorher vorhandenen. Belastbarkeit sehr gering. Hab mir einen Stimmverstärker besorgt für laute Umgebungen.

Aktuelle Maßnahmen: Logopädie (war erst 2mal) , Keltican mit dem Nervenbaustoff Uridinmonophosphat, Vitamin B-Komplex, Geduld lernen und Atem-und Lockerungsübungen, die ich vom Gesangsunterricht kenne.

Ich bin unsicher, wie es mit der Arbeit weitergeht, wegen schon vorhandener 50% GdB könnte ich demnächst in Rente, will aber eigentlich noch 5 Jahre arbeiten (Teilzeit).

Ich wäre euch dankbar für realistische Rückmeldungen, wenn es dauert, dann dauert es halt.

Meine wichtigste Frage: Gibt es spontane Heilungen innerhalb der ersten Wochen?

Danke euch!

 

 

 

 

 

Antwort auf: Wiedereinstieg in den Sprechberuf

| Beitrags-ID: 485472

Hallo Nellie,

bei meiner (ersten) OP wg. eines SD-Karzinoms habe ich eine Recurrensparase link davongetragen, sodass sie vorzeitig abgebrochen wurden musste. Mein Arzt hatte den Nerv nicht berührt, aber dieser war wohl mit der Zugluft, dem Intubieren, was auch immer nicht zurecht gekommen. Anhand der Überwachungsdaten hat mir mein Arzt vorgerechnet, dass die Axone wohl 40 Tage bräuchten, um wieder richtig zu funktionieren. Ich war nur mit krächzender Stimme und Atemproblemen unterwegs und habe mich oft verschluckt, habe aber komischerweise immer fest an meine Heilung geglaubt.

Ich habe täglich Übungen für den Vagusnerv gemacht, weil dieser als 10. Hirnnerv ja mit dem  Nervus laryngeus recurrens verbunden ist und auch großen Einfluss auf das vegetative Nervensystem hat. Übungen findest du in der Literatur, im Internet etc.

Eingenommen habe ich zwei homöopathische Mittel, Larynx comp. und Anis-Pyrit, die mir ein anthroposophischer HNO-Arzt empfohlen hat.

Was ich dir auch raten würde: gehe nicht (nur) zum HNO-Arzt, sondern zu einem ausgebildeten Phoniater. Meine Phoniaterin hat weitaus genauer geguckt und diagnostiziert als die drei HNOs davor. Sie hat meinen Stimmbandnerv mit einer Kamera aufgenommen.

Was soll ich sagen: genau am 40. Tag kam meine Stimme plötzlich wieder! Zusammen mit meiner Stimmtherapeutin – auch wichtig, Logopädie ist zu unspezifisch – habe ich dann Übungen erarbeitet, um richtig zu atmen, die Stimme zu kräftigen, Tonhöhen zu üben etc., und habe täglich mehrmals trainiert.

Hätte ich keinen Krebs gehabt, hätte sie mir von Anfang zu einer Reizstromtherapie geraten. Das wäre vielleicht auch eine Möglichkeit für dich.

Drei Monate nach der ersten OP hat mir die Phoniaterin dann bescheinigt, dass das Stimmband bereit ist für die nächste OP. Es hat meines Erachtens noch eine ganze Weile gedauert, bis meine Stimme wieder so war wie vorher, manchmal empfinde ich sie auch nicht als so durchdringend und habe das Bedürfnis mich zu räuspern (was ich natürlich nicht mache 🙂 ), aber ich traue mir nun auch den Schuldienst wieder zu.

Ich drücke dir die Daumen! Verlier nicht den Mut!

Liebe Grüße

Antwort auf: Wiedereinstieg in den Sprechberuf

| Beitrags-ID: 485473

Kleine Korrektur:

Die Phoniaterin hat natürlich nicht den Stimmbandnerv, sondern die Stimmlippen mit der Kamera aufgenommen.

Antwort auf: Wiedereinstieg in den Sprechberuf

| Beitrags-ID: 485474

Vielen lieben Dank für deine lange Antwort, die mir Mut macht!

Die Übungen für den Vagusnerv werde ich mir raussuchen.

Ich hatte bei einer Praxisgemeinschaft, in der auch eine Phoniaterin arbeitet, um einen Termin bei ihr gebeten, das ging irgendwie nicht, nur normaler HNO. Vielleicht überweist er mich beim nächsten Kontrolltermin an sie, wenn nötig.

Von Stimmtherapeuten habe ich noch nichts gehört, muß ich mal suchen, das wäre sicher eine gute Ergänzung.  Kommende Woche habe ich einen Termin beim Osteopathen, der auch NIS macht, neurologische Integration, davon verspreche ich mir  viel.

Das mit den prognostizierten 40 Tagen bei dir ist ja ein Ding. Ich freue mich, dass es letztendlich für dich gut ausgegangen ist! Wenn es sogar für den Schuldienst reicht, super!

mit optimistischen Grüßen

Nellie

 

 

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