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Alleinegelassen mit SD Verdacht / keine Aufklärung über die Bedeutung der Punktionsbefunde

Marcelz
Nutzer*In

Hallo zusammen,

Ich (Marcel, 30J) wende mich aus einer äußerst verzweifelten Lage an dieses Forum.

Bei mir wurde vor einem Jahr eine ca. 2 cm großer Schilddrüsenknoten auf der linken Seite festgestellt. Nach Sonographie und Szintigraphie wurde eine Feinnadelpunktion durchgeführt. Die Ergebnisse habe ich vor 1 Monat erhalten und mein Hausarzt hat mir den Inhalt der Berichte ich’s erklären können, Weil er dies zT selbst nicht versteht.

Er hat nur auf die OP Empfehlung verwiesen und ich werde unter Druck gesetzt, eine zeitnahe OP Termin zu vereinbaren. Die Zeit reicht nicht mal um einen Endokrinologen aufzusuchen, der mir ggf den Bericht erklären könnte und eine Einordnung mit mir durchführt.

Worauf muss ich mich einstellen, ist ein Krebs sehr wahrscheinlich? Ist eine negatives Krebs-Ergebnis nahezu ausgeschlossen? Warum werde ich so unter Druck gesetzt, ohne dass mir jemand verständlich erklärt, was dieser Bericht nun aussagt?

Es würde mir wahnsinnig viel bedeuten, wenn der eine oder andere, gerne auch aus seiner Erfahrung heraus erklären könnte, was diese Ergebnisse und den Verdacht auf SD Krebs bedeuten.

Vielen Dank vorab.

Schilddrüsenszintigraphie und Schilddrüsensonographie vom 26.05.2025

Schilddrüsenpunktion mit Histologie und RNA-Analyse vom 26.05.2025

Klinische Angaben/Indikation: Zuletzt unergiebige Szintigraphie auf Grund eines erniedrigten Uptakes nach Jodidexzess. Patient ist weitgehend beschwerdefrei. Derzeitige schilddrüsenwirksame Medikation: –

Befund:

Nach i.v .- Applikation von 70 MBq Tc-99m-Pertechnetat zeigt sich ein Uptake von 0,7 %. Die Aktivität wird rechts homogen aufgenommen. Im gesamten Seitenlappen links findet sich in Deckung mit dem mit kaudal gelegenen Knoten ein entsprechender Speicherdefekt. Kein Nachweis fokaler Autonomien.

Sonographisch beträgt das Schilddrüsenvolumen 32 ml. Der linke Seitenlappen ist mit 23,4 ml deutlich größer als der rechte. Er beinhaltet den vorbeschriebenen Knoten, relativ unverändert zur VU mit einem Volumen von 20 ml. Echoarmes Areal im dorsalen Anteil, ansonsten glatte Berandung, nach wie vor keine vermehrte Vaskularität oder verminderte Elastizität. Keine vergrößerten Hals-LK.

Beurteilung:

Struma nodosa links mit hypofunktionalem Knoten und auffälligen echoarmen Anteilen

Im Anschluss erfolgte eine Feinnadelpunktion des suspekten Areals links zervikal (echoarmer Anteil). Die Untersuchung erfolgte unter sonographischer Sicht. Die Punktion verlief komplikationslos.

Therapieempfehlung/Procedere:

Das weitere Procedere empfehle ich von dem Punktionsergebnis abhängig zu machen.

Pathologisch Anatomische Begutachtung 28.05.25:

Pathologisch-Anatomische Begutachtung

Klinische Angaben: Katter Knoten. SD.Punktat

Makroskopie: Zwei Ausstrichpreparate.

Histotechnik: HE

Mikroskopie:

Massenhaft Erythrozyten, wenige Makrophagen, einzelne Lymphozyten und neutrophile Granulozyten sowie mehrere kleine Thyreozyton-Verbande. z.T mn mikrofollikuläre: Lagerung. Køine signifikanten Atypien

BEURTEILUNG:

Hämorrhagisch überlagertes Schilddrüsen-Feinnadelpunktal mit winzigen Thyreozyten-Verbanden, z.T. mit mikrofollikularer Lagerung, passend zu einer follikulären Neoplasie unklarer Dignitat (EDTA-Klassifikation III).

Vorbefunde: –

Molekulargenetische Diagnostik 29.05.25:

Befundbericht Molekulargenstische Diagnostik

Klinische Informationen/Auftrag:

Feinnadelbiopsie (FNB) zur Differentialdiagnostik von Schilddrüsenknoten bei V.a. papilläres Schilddrüsenkarzinom – PTC; kalter Schilddrüsenknoten (Keine Angabe der Lokalisation)

Ergebnis: Auffälliger Befund (mit Einschränkung – siehe unten)

Variante KRAS-Gen c.182A>G; p.(Gin61Arg) (Tier 2C – pathogenic nach ACMG und QCI) Anteil der krankheitsrelevanten Sequenzvarianten in der untersuchten Probe ca. 52% Sequenzlertiefe (coverage) = 178 (mit UM?)

Beurteilung:

Die follikulären Varianten des PTC (FVPTC) weisen eine höhere Sensitivität der RAS-Sequenzvarianten auf (ca. 75%). RAS-Varianten werden aber auch bei ca. 25% der Fälle mit follikulären Adenomen nachgewiesen.

Bei der DNA-Sequenzierung wurde für alle Gene Jedoch nur eine relativ geringe Coverage erhalten (für BRAF lag diese bel ca. 172), damit wird die Aussage zum Ausschluss der krankheitsrelevanten Sequenzvarianten eingeschränkt.

In den anderen untersuchten Gemen, insbesondere in BRAF, waren keine krankheitsrelevante Sequenzvarianten nachweisbar.

Mittels RNA-Sequenzierung erfolgte der Nachweis spezifischer Marker für Schilddrüsengewebe (z.B. PAX-8). Damit wurde die spezifische isolation der DNA- und RNA-Probe aus Schilddrüsenzellen bestätigt. In der RNA-Analyse wurde die Sequenzvariante KRAS-Gen c.182A>G: p.(Gin61Arg) ebenfalls mit einer Variantenallelfrequenz von 21,9% bei einer Coverare von 169 nachgewiesen.

Wir empfehlen grundsätzilch zusätzlich einen Abgleich mit dem zytopathologischen Betund und den weiteren Untersuchungsergebnissen [z.B. Ultraschall, Verlaufsuntersuchungen).

Da eine Variantenallefrequenz (VAF) >30% grundsätzlich auf eine Keimbahnvariante hinweisen kann, empfehlen wir aufgrund der hier nachgewiesenen Variantenallelfrequenz von 52% außerdem die Untersuchung einer Blutprobe des Patienten.

Marcel

Hallo Marcel,

willkommen bei uns im Selbsthilfe-Forum!

Wichtig vorweg, Schilddrüsenkrebs wächst in der Regel langsam, so dass keine übertriebene Eile notwendig ist.

Deine Frage bzw. die molekulargenetischen Untersuchungen sind sehr speziell. Wir sind keine Fachärzte.

Für die molekulargenetischen Untersuchungen gibt es noch keine Empfehlungen in den Leitlinien, weil die Ergebnisse noch zu ungenau sind, mit ein paar wenigen Ausnahmen.

Eine Ausnahme ist die BRAF-Mutation, die wenn sie vorliegt nahezu 100 % dann ein papilläres Schilddrüsenkarzinom ist. Diese hast du nicht.

Siehe S3-Leitline Schilddrüsenkarzinom 2025: Empfehlung 4.10:

Eine grundsätzliche Empfehlung zur molekularpathologischen Analyse des Materials der Schilddrüsenfeinnadelbiopsie kann nicht ausgesprochen werden.

Für die molekularpathologische Analyse des Schilddrüsenfeinnadelpunktats – die in Deutschland bislang kein Standard-Verfahren ist – stehen derzeit folgende 3 diagnostische Marker zur Diagnose eines PTC zur Verfügung: BRAF V600E-Mutation, RET- oder NTRK-Fusion. Das Fehlen genetischer Alterationen beweist keine Benignität.

Zu den Aufgeführten KRAS und RAS-Mutation macht die Leitlinie keine Aussage.

Wichtig für Dich ist, dass in der Feinnadelpunktion einer „follikulären Neoplasie unklarer Dignität“ diagnostiziert wurde, diese kann ein gutartiges Adenom oder auch ein Schilddrüsenkrebs sein. Die Abkürzung „EDTA“ kenne ich nicht, ich vermute (!) dass es sich auf die Deutsche Klassifikation bezieht.

Dies ist in der S3-Leitlinie die Empfehlung 4.9. die Klassifikation III.  Hier wird eine diagnostische Operation empfohlen, dabei wird die Hälfte der Schilddrüse entfernt, in der der verdächtige Knoten sich befindet.

Die Wahrscheinlichkeit, dass  es Schilddrüsenkrebs ist liegt zwischen 10 und 40 Prozent; um gekehrt werden 60 bis 90 Prozent unnötig operiert.

Was ich nicht gefunden habe, ist eine Einordnung des Knoten im Ultraschall nach TIRADS.

Hier wird nur ein „echoarmer Anteil“ beschrieben, es müssen jedoch meist mehrere Kriterien im Ultraschall vorkommen, um ein Knoten als krebsverdächtig einzustufen; siehe unser Wiki: Schilddrüsenknoten und Krebsverdacht

Wenn ich es richtig sehe, wurde auch eine Elastographie gemacht, Empfehlung 3.4. Wenn der Knoten vollständig weich ist, dann ist der Knoten mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit gutartig. In deinem Befund steht: „keine vermehrte Vaskularität oder verminderte Elastizität„. Dies dürfte daher eher dafür sprechen, dass der Knoten kein Schilddrüsenkrebs ist.

Also ich denke es gibt nichts zu überstürzen. Lass dir den Befunde nochmal von einem Fachmann erklären, und entscheide dann ob du den Knoten weiter beobachten willst, oder ob eine diagnostische Operation gemacht werden soll.

Viele Güße

Harald

 

Anonym
Gast

glatte Berandung, nach wie vor keine vermehrte Vaskularität oder verminderte Elastizität. Keine vergrößerten Hals-LK.

Zytologiebefunde der Schilddrüse müssen immer im Zusammenhang mit klinischen Befunden (v.a. Sonografie) interpretiert werden. Dein Sonobefund sieht gut aus.

Neoplasien kommen in der Schilddrüse häufig vor und sind dort überwiegend gutartig. Lass Dich nicht unter Druck setzten.

Anonym
Gast

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