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FAQ: Erfahrungsberichte von Schilddrüsenoperationen

HaraldBundesgeschäftsführer
Leitungsteam SHG Berlin
follikulärer SD-Krebs 1997 (oxyphil), Zungengrundkrebs 2024

Antwort auf: FAQ: Erfahrungsberichte von Schilddrüsenoperationen

| Beitrags-ID: 271483

Hallo Saba79,

ja, die zweite OP innerhalb weniger Tage schlaucht doch recht sehr.
Ich fühlt mich damals (1997) mit 37 Jahren auch wie ein alter Mann.

Um eine zweit OP zu vermeiden, ist es daher wichtig, eine gute Diagnostik vorher zu machen, dazu gehört vor allem der Ultraschall und die Feinnadelpunktion.
Damit lassen sich zwar auch nicht alle Zweit-Operationen vermeiden, insbesondere bei der follikulären Neoplasie, aber doch eine ganze Reihe.

Die Diagnose „Kalter Knoten“ ist übrigens keine Indikation für ein Operation, da die meisten kalten Knoten gutartig sind.

siehe auch: Broschüre: Knoten der Schilddrüse – Inhaltsverzeichnis.

Auch wenn du möglichst schnell wieder ins Berufsleben möchtest, empfiehlt sich doch meist eine Reha.
siehe AHB/Reha für Schilddrüsenkrebspatienten (Überblick).

Viele Grüße und gute Besserung!
Harald

Antwort auf: FAQ: Erfahrungsberichte von Schilddrüsenoperationen

| Beitrags-ID: 460134

Hallo an alle!

Ich möchte gerne meine Erfahrung teilen und vllt. dem ein oder anderen die Angst vor der bevorstehenden OP nehmen. Meine Schilddrüse wurde am 17.6.24 im Helios Bad Saarow komplett entfernt. Die OP-Indikation war ein Struma multinodosa unter Hashimoto (was in den letzten 5 Jahren sich stark veränderte und mir ordentliche Beschwerden bereitete) und das gepaart mit einem Cowden-Syndrom (sehr selten!) und damit einem essenziell erhöhten Schilddrüsenkrebsrisiko.

Ein paar Infos vorweg, ich leide durch das Cowden-Syndrom an vielen Vorerkrankungen, was von mir und dem OP-Team eine „gründlichere Vorbereitung“ auf die OP verlangte. Meistens verläuft die Vorbereitung etwas entspannter. Zu meinen Vorerkrankungen/Besonderheiten gehören (die relevant für die OP waren): Asthma Bronchiale, von-Willebrand-Syndrom Typ 1, Migräne, Doppelniere.

Meine OP war für den 17.6. geplant. Durch die Vorerkrankungen hatte ich einen Termin zur vorstationären Untersuchung am 11.6. Zu diesem Termin musste ich ins Krankenhaus erscheinen und eine Lungenfunktion, eine Stimmbandspieglung, einen Arztbrief von meinem Gerinnungsarzt und meinen Medikationsplan mithaben (das meiste werdet ihr nicht brauchen von dieser Liste). An dem Tag wurde Blut abgenommen und fand dann auch die OP-Aufklärung statt und das Narkosegespräch. Da bei der Stimmbandspieglung ein Polyp am Stimmband entdeckt wurde, meinte man im Narkosegespräch, dass er evtl. stören könnte bei dem Intubieren, aber man darauf achte. Daraufhin fuhr ich nach Hause und wartete die OP ab.

Nun zum Verlauf. Meine OP war um 8:00 angesetzt. Das bedeutete, dass ich um 6:30 im Krankenhaus sein sollte. Mir wurde gesagt, dass üblich das Erscheinen eine Stunde vorher reicht, aber durch einen Tropf gegen Blutungen, den ich vorher noch bekommen musste, wurde ich gebeten noch früher zu kommen. Im Zimmer angekommen, habe ich direkt das OP-Hemd ausgehändigt bekommen und sollte mich umziehen. Der Slip durfte anbleiben, alles andere musste weg. Kurz darauf wurde mir auch direkt der Zugang gelegt und ich wurde abgeholt. Unten im OP-Bereich durfte ich mich sogar noch selbstständig auf den Operationstisch legen und wurde daraufhin mit einer warmen Decke zugedeckt. Auf dem OP-Tisch merkte ich direkt die Überstreckung des Halses und fragte dann noch lustig, ob ich mich bequemer hinlegen durfte. Da hat das Personal nur geschmunzelt und meinten, dass die Position schon so sein soll. Ich war halt aufgeregt. Im OP ging dann alles schnell, Narkose eingeleitet, hatte kurz das Gefühl, dass ich keine Luft kriege und war dann weg. Bin direkt im Aufwachraum aufgewacht und wurde auch sofort gefragt, ob ich Schmerzen habe. Da ich Schmerzen hatte (aber moderate), wurde auch sofort ein Tropf angeschlossen. Stimme war heiser, aber sofort da. 10–15 Minuten später, als ich wieder halbwegs bei Sinnen war, wurde mir ein Wassereis angeboten, was ich auch direkt im Sitzen verspeisen durfte. Circa gefühlt eine halbe Stunde später wurde ich auch in mein Zimmer auf der Station gebracht. Bin dann direkt mit dem Pflegepersonal auf Toilette gegangen. Alleine durfte ich erst so wirklich am nächsten Tag aufstehen.

Die OP ist, kann man sagen komplikationsfrei verlaufen. Die Stimmbänder sind heile und es ist nichts mit ihnen passiert. Aber! der Anästhesist hat beim Intubieren den Polypen, den ich neben dem Stimmband hatte, heruntergerissen, was zu einer Einblutung auf dem Stimmband geführt hat. Aus dem Grund (laut HNO) gilt es als Minderbeweglich, um das herauszufinden, mussten sie mit zwei verschiedenen Ärzten im Krankenhaus spiegeln. Alle Nebenschilddrüsen sind drin geblieben, dennoch kam es zu einem starken Kalziumabfall. Das war das schlimmste an der ganzen Sache, denn ich hatte nicht nur das „klassische“ Kribbeln, sondern auch eine der stärksten Migränen, die ich in meinem Leben je hatte (Level bestimmt 12 von 10). Ich hatte die ersten drei Tage nach der OP unheimlich starke Kopfschmerzen und konnte kaum Essen bei mir behalten. Irgendwann habe ich aufgehört zu zählen, wie viele Male ich in der Zeit erbrochen habe. Meine Migränemedikamente und die verordneten Schmerzmittel halfen in dem Moment gar nicht. Ich bekam abwechselnd Tabletten und Tropf gegen Übelkeit. Circa 48 Stunden nach der OP wurde es ganz langsam besser und je höher mein Kalziumwert wurde, desto besser ging es mir. Am Montag operiert, am Donnerstag wurde ich dann endlich mit halbwegs gutem Wohlbefinden entlassen und das noch krebsfrei.

Jetzt eine Woche nach der OP läuft alles, denke ich, wie es soll. Ich kann gut schlucken, es geht mir zunehmend besser. Lange sprechen ist leider noch nicht möglich, so wirklich belastbar bin ich auch noch nicht, habe noch mit Schwäche und Schwindel zu kämpfen. Und noch ein paar andere Sachen. Aber es lässt sich alles aushalten.

Ich bereue aber nicht die OP gemacht zu haben, da es bei mir so oder so auf die OP hinausgelaufen wäre. Ich hoffe, ich konnte vielleicht jemanden mit meinen Erfahrungen helfen. Auch wenn es sich jetzt nicht so toll anhört, es ist durchzustehen, auch mit Vorerkrankungen. Jetzt bin ich guter Dinge, dass es bergauf geht.

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