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FAQ: TSH-Wert – Normwert, Referenzwert und Befinden

FAQ: TSH-Wert – Normwert, Referenzwert und Befinden

| Beitrags-ID: 256361

Update: 04.06.2020

FAQ: TSH-Wert – Normwert, Referenzwert und Befinden

Überblick und einfach erklärt:

siehe folgende Kapitel in unserer Broschüre:

    Knoten der Schilddrüse und ihre Behandlung
    Beobachten oder behandeln/operieren?

Ein Überblick, was bei der Einnahme von Schilddrüsenhormonen zu beachten ist, findet man über: FAQ: Häufige Fragen zur Substitution, Medikamenten etc.

TSH-Zielwerte in der Nachsorge des differenzierten Schilddrüsenkrebs:

FAQ: TSH-Wert – Normwert, Referenzwert und Befinden

Inhalt dies Beitrags:

Referenzbereiche

TSH
= Thyroidea stimulierendes Hormon (= Thyreotropin)
Die Hypophyse (Hirnanhangdrüse) schüttet das Hormon TSH aus, welches die Schilddrüse anregt, die Schilddrüsenhormone T4 und T3 zu produzieren. Die Hypophyse selbst wird durch das Hormon TRH des Hypothalamus angeregt, TSH auszuschütten. Die Referenzwerte liegen ungefähr zwischen 0,2 und 4,0 (Abhängig vom Labor, der Altersgruppe).
Durch die Einnahme von Schilddrüsenhormonen wird bei Schilddrüsenkrebspatienten der TSH unterdrückt.

Der TSH-Wert gilt bislang als der entscheidende Wert für eine erste Beurteilung, ob eine Schilddrüsenunterfunktion oder Schilddrüsenüberfunktion vorliegt.

Die Bestimmung des TSH-Wertes hat jedoch mehrere Tücken.

Referenzwerte
Um Blutwerte beurteilen zu können, werden durch das einzelne Labor für eine bestimmte Untersuchung Referenzwerte festgelegt. Referenzwerte definieren sich im allgemeinen dadurch, dass das Blut von gesunden Menschen untersucht wird. Mit dem Referenzbereich wird dann der Bereich definiert, in dem sich die Werte von 95 von 100 gesunden Menschen befinden.
Es gibt daher auch immer einen kleinen Teil (im allgemeinen 5%) von gesunden Menschen, deren „normale“ Blutwerte außerhalb des Referenzbereichs liegen.
Es gibt bzw. kann auch unterschiedliche Referenzbereiche für Teilgruppen (Männer, Frauen, Alter, ethnische Herkunft, …) geben.
Ältere Menschen (> 70 Jahre) haben z.B. höhere TSH-Werte.

Innerhalb der Referenzwerte gibt es je nach Individuum unterschiedliche „Wohlfühlbereiche“ (Sollwerte) bei dem sich dieses wohl fühlt, eine gute Lebensqualität hat. Während Person A sich eher im unteren Bereich innerhalb des TSH-Referenzbereich wohlfühlt, fühlt sich Person B eher im oberen Bereich wohl.

    Klinisch drückt sich dies dadurch aus, dass die intraindividuelle Schwankung (innerhalb eines Individuums) von TSH und fT4 dabei geringer als die interindividuelle Schwankungen (zwischen mehreren Individuen).
    Es gibt daher z.B. von Prof. Dietrich u.a. theoretische Überlegungen diesen individuellen Sollwert (= Set Point) bzw. personalisierte Referenzbereiche für TSH und fT4 zu bestimmen.
    Es wurde hierzu gar eine App entwickelt Thyroid-SPOT – App für Android und iPhones.
    Der personalisierte Sollwert wurde allerdings noch nicht anhand einer klinischen Studie überprüft, ob dieser auch wirklich die Lebensqualität der Patient*innen verbessert.
    siehe hier auch die weiteren Probleme mit der Bestimmung des TSH-Wertes in diesem Beitrag

Die TSH-Ausschüttung durch die Hypophyse ist so sowohl abhängig vom im Blut zirkulierenden T3 als auch dem intrazellulären T3 in der Hypophyse. Es werden weitere mögliche Einflussfaktoren vermutet: Umwelteinflüsse, Jodaufnahme, Alter, systemische Krankheiten, die zu einer veränderten Deiodasen-Aktivität führen und zu einer veränderten Konversion von T4 zu T3 ( Low-T3-Syndrom) (Quelle: (Biondi und Wartofsky 2014); S. 446).

Die Bestimmung des TSH-Wertes im Blut hängt dabei von einer Vielzahl von Faktoren ab:

  • Der TSH-Wert schwankt im Laufe eines Tages (circandian). Der höchste Wert soll dabei morgens zwischen 4 und 7 Uhr erreicht werden. Die Schwankungen betragen ca. 30%.
  • Das TSH wird von der Hirnanhangsdrüse (Hypophyse) nicht gleichmäßig, sondern in Schüben wie der Puls (pulsatil) abgegeben.
  • höhere TSH-Spiegel im Alter (>70), weil die Bioaktivität des TSH durch altersabhängige Verminderung der Glykosylierung des Proteiins abnimmt
  • Fasten vermindert TSH-Ausschüttung
  • Bei Übergewicht erhöhte TSH-Ausschüttung. Bei erfolgreicher Gewichtsreduktion sinkt auch wieder der TSH-Wert.
  • körperliche Belastung kann den TSH-Wert akut erhöhen.
  • Iod zufuhr hat Einfluss auf den TSH-Wert bei Menschen, die noch eine Schilddrüse haben
  • Medikamente wie Glukokortikoide (=Glucocorticoide) und Somatostatin haben Einfluss auf den akuten TSH-Spiegel
  • Biotin führt bei bestimmten Assays zu falschen Werten;
    siehe FAQ: Biotin-Einnahme und Bestimmung von Schilddrüsenwerten
  • Laborbedingte Variation des TSH-Wertes

Lediglich bei TSH-Werten von >10 bzw. >7 bei unter 60-jährigen fand sich ein eindeutiger Anstieg der Sterblichkeit (Mortalität).

K.A. Iwen und G. Brabant kommen daher zum Schluss:

Zusammenfassend zeigen alle Daten, dass eine große Skepsis gegenüber zu eng gesteckter TSH-Referenzbereiche angebracht ist. Dies bezieht sich in erster Linie auf die fehlende Möglichkeit zur genauen laborchemischen Differenzierung von TSH-Werten, die im Bereich der oberen und unteren Referenzgrenzen liegen.

(K.A. Iwen & G. Brabant (2016): Normale und gestörte Schilddrüsenfunktion „TSH-Referenzbereich(e)“; in: Schilddrüse 2015 (Hrsg. D. Führer 2016), S. 79-87.

Blog auf der Seite der Deutsche Gesellschaft für Endokrinologie (DGE)

Prof. Schatz betreut einen Blog auf der Seite der Deutsche Gesellschaft für Endokrinologie (DGE) und führt dort auch immer wieder kritische Studien zum TSH-Wert an:

  • Revolution in der Schilddrüsendiagnostik: Soll TSH von Thyroxin „entthront“ werden?
    Prof. Helmut Schatz, Bochum, 23.05.2020

    Bezugnehmend auf den Review:

      Stephen Paul Fitzgerald et al.:
      Clinical parameters are more likely to be associated with thyroid hormone levels than with TSH levels: a systematic review and meta-analysis.
      Thyroid published online 29 April 2020.
      https://doi.org/10.1089/thy.2019.0535

    Kommentar im DGE-Blog von Dr. Johannes Dietrich, Bochum, 26.5.2020 zu dieser Studie: Revolution in der Schilddrüsendiagnostik: Ein Kommentar aus systembiologischer Sicht

  • Unter dem Titel: TSH – Alleiniger ‚Goldstandard‘ zur Schilddrüsen-Funktionsdiagnostik? (26.7.2016) setz er sich mit dem Probleme auseinander, dass es für die Bestimmung eines „Normwertes“ verschiedene statistische Methoden gibt und die TSH-Werte je nach angewandter Methode sehr unterschiedlich sind.
    Es sei daher besser von Referenzwerten zu sprechen. Auch dürfe man bei Beschwerden nicht allein auf den TSH-Wert achten, sondern müsse auch das klinische Bild und die peripheren [freien] Schilddrüsenwerte (fT3 und fT4) berücksichtigen.

    Quellen für den Blog-Eintrag von Prof. Schatz sind u.a.:

    • Strich D et al.: Normal limits for serum thyrotropin vary greatly depending on method.Clin Endocrinol. 2016. 85:110-115
    • Chaler EA et al.: Age-specific thyroid hormone and thyrotropin reference intervals for a pediatric and adolescent population.
      Clin. Chem. Lab. Med. 2012. 50:885-890

      Kommentar und Anmerkungen Harald: Diesen Hinweis auf den Blog-Eintrag von Prof. Schatz habe ich dankenswerter Weise von InSeNSU erhalten.
      Der Blog dürfte sicherlich einigen PatientInnen helfen, wenn ein Arzt bei Beschwerden nur den TSH-Wert bestimmen möchte.

weitere FAQ-Hilfe-Beiträge

Leitlinien und Meta-Analysen

siehe: Leitlinien zur Substitution mit Schilddrüsenhormonen

Meta-Analysen zum TSH-Wert:

  • Stephen Paul Fitzgerald et al.:
    Clinical parameters are more likely to be associated with thyroid hormone levels than with TSH levels: a systematic review and meta-analysis.
    Thyroid published online 29 April 2020.
    https://doi.org/10.1089/thy.2019.0535

weitere Studien


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2 Nutzer*innen haben sich für diesen Beitrag bedankt.

Antwort auf: FAQ: TSH-Wert – Normwert, Referenzwert und Befinden

| Beitrags-ID: 373234

Hallo,

habe den obigen Beitrag aktualisiert.

Viele Grüße
Harald

1 Nutzer*in hat sich für diesen Beitrag bedankt.
polly1975
SD-CA,papillär T2

Antwort auf: FAQ: TSH-Wert – Normwert, Referenzwert und Befinden

| Beitrags-ID: 373235

HAllo HArald,
liebe Foris,

ich habe versucht mich mit den neuesten Studien zur TSH-Supprimierung und den Referenzbereichen auseuinanderzusetzen.

So ganz verstehe ich jetzt nicht; wo ich für mich gucken muss, um heruaszu finden welche Referenzwerte für mich in der
Langzeitnachsorge nun die relevanten Parameter sind.

Könnte mir dazu bitte nochmal jmd behilflich sein?

Bei mir geht es um eine stärkere Reduzierung des TSH (basal)
, der aufgrund der aktuellen Behandlung mit Antidepresiva/ Neuroleptika auf über 2,3 TSH basal angestiegen ist.
Leider hat die Klinik keinen ft4, ft4 genommen.

Was würdest ihr an meiner Stelle machen und welchen Referenzbereich würdest ihr als vertretbar sehen, anzustreben?

(papp. SD-Ca, Totale Ablation, 3 RJT, kein Restgewebe, OP 2005, letzte RJD 03/2008).

Ich freue mich auf Eure Antworten und verbleibe

mit
Herzlichen Grüßen,
Polly

bewegt bewegen - in Bewegung bleiben - bewegt leben!
https://www.xing.com/profile/Sandra_PolchowMA

Antwort auf: FAQ: TSH-Wert – Normwert, Referenzwert und Befinden

| Beitrags-ID: 373236

Hallo Sandra,

der wichtige Beitrag ist dieser hier:

TSH-Zielwerte in der Nachsorge des differenzierten Schilddrüsenkrebs:

Nach so vielen Jahren Unauffälligkeit in der Nachsorge empfiehlt die Amerikanische Leitlinie einen TSH-Wert zwischen 0,3 (bzw. 0,5) und 2,0 mU/L.

Wichtig ist vor allem wie es dir damit geht.

Viele Grüße
Harald

Anonym
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