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Indifferente Szintigraphie und FNP Follikuläre Neoplasie (Rorol Teil 2)

Rorol
Nutzer*In

(Dies ist Teil 2 eines dreiteiligen Berichts, Teil 1 hier).

Hallo zusammen,

Um meinen verdächtigen Knoten (eigentlich drei Knoten) im linken Schilddrüsenlappen abzuklären, machte der Nuk eine Szintigraphie. Ergebnis war, dass die Schilddrüse normal den Tracer aufnimmt und keine kalten Areale sichtbar waren. Auch keine lokale Mehranreicherung oder heiße Knoten erkennbar. Ich fand das positiv, da der Knoten mit 2 cm auch recht groß war, sollte man bei einem kalten Knoten dieser Größe doch etwas erkennen können. Eine mir bekannte Endokrinologin meinte, dass man bei Ihr in der Praxis bei diesem Befund gar nicht mehr weiter diagnostiziert (nur beobachtet) hätte. Mein Nuk war aber der Meinung, dass ein indifferenter Knoten wie ein kalter Knoten zu behandeln sei und gab mir einen Termin zur FNP (dies entspricht der Leitlinie, soweit ich weiss). Ich recherchierte etwas im Internet, wo die vorherrschende Meinung zu sein scheint, dass indifferente Knoten in der Wahrscheinlichkeit der Bösartigkeit zwischen den kalten (etwas höhere W.) und heissen Knoten (sehr geringe W.) liegen. Das beruhigte mich ein wenig.

Die Feinnadelpunktion (FNP) war recht einfach (übrigens am Tag vor Heiligabend!). Zunächst schallte der Nuk den Knoten noch einmal (keine Veränderung), diesmal auch mit den Lymphknoten (hatte man bis dahin noch nicht gemacht) – kein verdächtiger Befund in den Lymphknoten. Dann kurze Desinfektion der Einstichstelle, Punktion dauerte nur ca. 10-20 Sekunden. Ich hatte keine Schmerzen, man kann die Punktion mit einer Blutabnahme vergleichen. Dann noch etwas auf die Einstichstelle drücken und Pflaster drauf, fertig! Das Ergebnis sollte ich mir im neuen Jahr von meiner Hausärztin holen…fand ich (und meine Hausärztin) etwas komische Vorgehensweise, aber naja. Weihnachten war ich natürlich etwas gedrückter Stimmung, aber andererseits froh, das Ergebnis noch etwas schieben zu können. Und dann das Ergebnis beim Hausarzt: Follikuläre Neoplasie (Bethesda IV) (mehr stand nicht im Bericht des NUK. Empfehlung zur diagnostischen OP. Ich war natürlich geschockt, zumal Neoplasie sich immer nach Krebs anhört. Ich hatte mich aber vorher schon informiert und die Wahrscheinlichkeit eines bösartigen Befundes war nun ca. 10%-40%, eigentlich hatte sich also nicht viel geändert. Trotzdem war ich ziemlich bedrückt, OP ist immer blöd. Ich fragte die Hausärztin noch, ob eine MIBI-Szintigraphie oder ein genetischer Test in meinem Fall Sinn machen könnte, sie meinte aber, dass dies nicht eindeutig wäre und die Kasse diese Tests nicht bezahlen würde (wäre mal interessant zu wissen, ob das so ist). Letztendlich wollte ich den Knoten nun aber auch loswerden. Daher OP. Ich hatte mir durch Euer Forum schon vorher das passende Referenzzentrum in Bonn herausgesucht (Johanniter-Krankenhaus).

Falls es Fragen hierzu gibt, beantworte ich diese natürlich gerne.

Viele Grüße

Euer Rorol

Bericht der OP (Teil 3) hier.

  • Dieses Thema wurde geändert vor 7 Monaten, 3 Wochen von Rorol.
    Dieses Thema wurde 2-mal bearbeitet.
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Hallo Rorol,

ganz herzlichen Dank für Deine ausführlichen Berichte.

Zum Thema indifferent-speichernde Schilddrüsenknoten im Technetium-Szintigramm.

Ein Technetium-Szintigramm macht man um autonome, heiße Knoten zu finden, weil diese zu 99% gutartig sind.

Führt man an einem autonomen Knoten eine Feinnadelpunktion durch, dann ist das Risiko hoch, dass das Ergebnis follikuläre Neoplasie ist, und dann eine weitere diagnostische Kaskade, und hier sogar eine diagnostische Operation durchgeführt wird.

Aus diesem Grund macht man die Technetium-Szintigraphie damit man eben nicht autonome Knoten punktiert.

Bei indifferenten Schilddrüsenknoten kann man, um festzustellen ob der Knoten autonom ist, z.B. ein Suppressionsszintigraphie machen. Bei der Suppressionsszinitgraphie wird die Schilddrüse „lahmgelegt“ durch die Gabe von Schilddrüsenhormonen, in dem dadurch der TSH-Wert unterdrückt wird. Ohne TSH produziert einen gesunde Schilddrüse keine Schilddrüsenhormone mehr. Leuchtet dann der Schilddrüsenknoten im Technetium-Szintigramm, ist es ein autonomer Knoten, da er unabhängig vom TSH-Wert Schilddrüsenhormone produziert.

Insgesamt ist allerdings eben die Studienlage (Evidenz) nicht so besonders. Ob man eine Suppressionsszintigraphie macht oder nicht,  ist daher eher eine individuelle Entscheidung, wie weit man das Risiko einer Operation gegenüber dem Risiko Schilddrüsenkrebs zu übersehen abwägt.

Viele Grüße,

Harald

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  • Diese Antwort wurde geändert vor 7 Monaten, 3 Wochen von Harald.
    Diese Antwort wurde 5-mal bearbeitet.
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Rorol
Nutzer*In

Hallo Harald,

ja, war mir klar, habe auch daran gedacht, meine TSH Werte waren ja auch eher im niedrigeren Referenzbereich, eine Supression hat mir aber keiner vorgeschlagen und ich wollte auch nicht noch mehr Zeit mit ggf. weiteren Diagnoseuntersuchungen verschwenden. Mein Gefühl ist, dass eine MIBI- oder Suppressions-Szintigraphie auch immer sehr arztabhängig empfohlen wird. Kann man denn auf einer Untersuchung bestehen (die die gesetzliche Kasse zahlt?).

Viele Grüße

Rorol

  • Diese Antwort wurde geändert vor 7 Monaten, 3 Wochen von Rorol.

Hallo Rorol,

die Tc-99m-MIBI -Szintigraphie macht so viel ich weiß  nur bei kalten, hypofunktionelleln Knoten begrenzt Sinn. Je nach dem wenn man eine Feinnadelpunktion nicht durchführen kann, oder der Patient nicht will, oder wenn man unbedingt eine Operation vermeiden möchte.

Bei autonomen, heißen Knoten mach die MIBI-Szinitigrapie so viel ich weiß kein Sinn.

Insgesamt ist der Einsatz MIBI-Szinitigrapie für die Diagnsotik des Schilddrüsenknoten sehr begrenz.

Es gibt zwar Praxen, die die MIBI-Szintigraphie als „Tumor-Szintigraphie“ anpreisen, wobei ja nur der negative prädiktive Wert (NPV), dass es kein Krebs ist, gut ist, wie diese Praxen die MIBI-Szinitgrapie abrechnen weiß ich nicht. Meines Wissens gibt es keine EBM für die MIBI-Szintigraphie der Schilddrüse.

Zur Frage Molekular-genetische Diagnostik hier gibt es meines Wissens noch keine generelle Kostenerstattung, und wird in Deutschland meist nur im Rahmen von Studien regelhaft gemacht.

Ist in einer Feinnadelpunktion der Verdacht auf ein papilläres Schilddrüsenkarzinom, so kann man mit der BRAF-Mutation nachweisen, dass es wirklich ein papilläres Schilddrüsenkarzinom ist. In diesem Fall würde man statt, der Entfernung der einen Hälfte der Schilddrüse gleich die ganze Schilddrsüe entfernen.

Viele Grüße,

Harald

 

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