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Kleiner Bericht vom SD-Forum in Hannover

meerblau
Pap. SD-Ca, follikuläre Variante

Kleiner Bericht vom SD-Forum in Hannover

| Beitrags-ID: 235464

Hallo Ihr Lieben,

gestern war ich beim ersten Patienten-Forum Schilddrüsenkrebs der MH Hannover. Prof. Knapp, Dr. Kaade, Prof. Bornscheuer und Dr. Börner und zwei Betroffene berichteten über OP, RJT, Anästhesie und Langzeitbetreuung bei SD-Karzinomen. Es gab Infos von und zu Selbsthilfegruppen. Der große Hörsaal war mit geschätzten 300-350 Menschen gut gefüllt.

Ein bisschen verwundert war ich über die Inhalte des Forums. Zielgruppe waren ja die Betroffenen und da interessiert es mich beispielsweise nicht so sehr, was man minimal-invasiv operieren kann und wie die RJT grundsätzlich funktioniert. Optimal wären die Vorträge für Menschen gewesen, die soeben mit dem Verdacht SD-Krebs konfrontiert gewesen wären und noch wenig oder keine Ahnung haben, was da warum auf sie zu kommt. Für Patienten, die ein bisschen bei den Arztgesprächen aufpassen war das Niveau zu basislastig und „prä-operativ“:lol:.
Die Vorträge waren wirklich gut und informativ aber ich fühlte mich als eigentliche Zielgruppe nicht so richtig angesprochen! Aber vielleicht war es ja auch für die Angehörigen interessant etwas mehr zu erfahren – es waren nämlich gar nicht so viele Narben zu sehen…

Ich werde euch jetzt ein paar Details berichten, die ich persönlich interessant fand:

SD-Operationen:
Spannend ist die Geschichte der SD-OPs. Schon vor Hunderten von Jahren wurde im Orient an der SD operiert…:shock:

An der MHH hat man eine großen Erfahrungsreichtum mit SD-Patienten. Nur 1% erleiden eine bleibende Schädigung der Stimmbandnerven. Und das hängt stark vom Operateur und dessen Erfahrung ab (bis zu 5,5% im Einzelfall)! Jährlich kommen 2000 neue SD-Patienten stationär an die MHH.

Die MHH versteht sich als SD-Zentrum und strebt eine enge Zusammenarbeit mit den Hausärzten, Nuklearmedizinern, etc. an.
Die minimal-invasive OP wird in den möglichen Fällen mehr und mehr durchgeführt. Es gibt weniger Komplikationen und Schmerzen, die Narben sind schöner und nicht zuletzt die Kosten geringer.

Besonders anfällig für Übelkeit nach der OP sind übrigens Nichtraucher, Frauen, Menschen, denen als Kind beim Autofahren schlecht wurde und Leute, die Opiate nehmen. Ich kann ein Lied davon singen, immerhin treffen 50% davon auf mich zu ;-).

Knotenhäufigkeit:
Neuste Studien an 6000 Menschen zeigen, dass 25% zwischen 25 und 60 Jahren Knoten in der SD haben. 2-3% davon sind in Deutschland (!) bösartig. Die SD-Krebsrate ist in Deutschland seit Tschernobyl nicht erhöht. Es wurden Reihenuntersuchungen als Möglichkeit der Früherkennung genannt.

RJT/RJD:
Eine RJT ist ab einem TSH von 30 möglich.
Die RJD ist mit Thyrogen möglich und es wird erwartet, dass sehr bald auch die RJT unter Thyrogen möglich sein wird.
In Niedersachsen müssen die Krankenhäuser das rTSH zahlen, weshalb es kaum Patienten bekommen. Bei eingeschränkter Nierenfunktion, schwer einstellbarem Diabetes und bestimmten psychischen Beschwerden und weiteren Indikationen wird es aber verschrieben.

Langzeitbetreuung:
Die Überlebensrate bei SD-Krebs ist sehr hoch. Allerdings treten über Jahrzehnte bei ca. 40% der Patienten „Komplikationen“ auf. Aber wie ihr wisst sind ja auch Metastasen und Rezidive in den allermeisten Fällen super zu therapieren. Ganz im Gegensatz zu anderen Krebserkrankungen.

Wenn der Tumormarker in Ordnung ist und die Radiojod-Ganzkörperszintigraphie, dann ist man mit 97%iger Sicherheit tumorfrei.

Redifferentierung:
Seit 1999 wird in Hannover eine Redifferenzierung mit Vitamin A versucht. Das bedeutet, dass versucht wird nicht mehr speichernde Zellen wieder zur Speicherung von Jod zu bewegen und somit eine RJT möglich zu machen. Diese Behandlung muss meist selbst bezahlt werden, da Vit.A für diese Zwecke nicht zugelassen ist (zuwenig Patienten, zu hohe Kosten für Zulassung…). Die Erfolge sind umso besser, wenn die Zellen zumindest noch ein wenig speichern. Nach zwei Jahren ergab sich folgendes Ergebnis einer Studie in Hannover: Komplettremission: 8%, Teilremission: 34%, Stabiler Verlauf: 36%, Progression: 22%. D.h. bei vielen kann zumindest der Verlauf gestoppt werden.

Herzliche Grüße
Esther

Antwort auf: Kleiner Bericht vom SD-Forum in Hannover

| Beitrags-ID: 267364

Hallo Esther,

seit fast 9 Jahren bin ich in der MHH in Behandlung. Eigentl. wollte ich auch zu dem Forum, habe es aber leider verpaßt.
Ich habe Deinen Bericht mit Interesse gelesen. Leider bin ich aber auch wieder total verunsichert.
In 4 Wochen gehe ich in die Klinik zur vorgezogenen 10 Jahreskontrolle.
Bei mir sind innerhalb eines halben Jahres 3 große Lymphknoten aufgetaucht.
Du hast geschrieben, das bei 40 % über Jahre gesehen „Komplikationen“ auftreten. Wurde dieser Punkt noch weiter ausgeführt? Ich habe total Angst, dass der ganze Mist nach so vielen Jahren wieder von vorn los geht!!

Wurde denn die angekündigte Selbsthilfegruppe gegründet?

Viele liebe Grüße
Ulrike

meerblau
Pap. SD-Ca, follikuläre Variante

Antwort auf: Kleiner Bericht vom SD-Forum in Hannover

| Beitrags-ID: 267365

Liebe Ulrike,

soweit ich mich erinnere wurde vor allem gesagt, dass man bei SD-Krebs beste Aussichten hat, auch wenn man ein Rezidiv oder Metastasen bekommt. Bei anderen Krebsarten ist man dann wohl schnell am Ende mit Therapiemöglichkeiten und beim SD-Krebs eben nicht!

Was für einen SD-Krebs hattest du denn? Ich drücke dir alle Daumen, dass die Lymphknoten harmlos sind!!! Wohin gehst du denn zur Kontrolle zwischendurch? Auch in die MHH? Ich bin bei Frau Dr. Hasse, eine Nuklearmedizinerin und ich bin sehr zufrieden mit ihr.

Ich gehe Ende Oktober zur RJD. Da verpassen wir uns ja nur um wenige Wochen. Schade.

Die Selbsthilfegruppe wurde nicht gegründet. Irgendwie haben sich kaum Leute dafür interessiert. Ich habe mich später noch an den Menschen von der Selbsthilfegruppe aus Nürnberg gewandt. Nachdem mich dann aber drei Leute mit ihren Krankheitsgeschichten total zugetextet haben war ich – zumindest an dem Abend – sehr davon überzeugt, dass ich doch die Kommunikation übers Netz vorziehe ;-).

Ich drück dir schon mal alle Daumen für deine Kontrolluntersuchungen!

Liebe Grüße
Esther

Antwort auf: Kleiner Bericht vom SD-Forum in Hannover

| Beitrags-ID: 267366

Liebe Esther,

ich muss gestehen, wenn ich hier all die Fachausdrücke von den Betroffenen lese, bin ich nur am staunen.
Ich habe ehrlich gesagt, nie so genau „nachgefragt“, vielleicht auch deshalb, weil ich die ganze Angelegenheit so schnell wie möglich vergessen wollte, und so auch einfach besser damit umgehen kann.

Also ich hatte ein papilläres SD-Ca. beidseitig, befallene Lymphknoten sowieso u. noch einen Tumor im Jugulum. Ich hatte insgesamt 3 OP´s,wobei die 3. OP eine Thorax-Öffnung war. Da hat man radikal alle Lymphknoten aus dem Oberkörper entfernt. Erklärt haben mir die Ärzte das so, dass meine Überlebenschancen dann einfach besser sind.

Seit 1996 ist eigentlich Ruhe, bis auf die jährlichen stationären Kontrolluntersuchungen, immer in der MHH. So ganz zufrieden waren die Ärzte aber nie, es tauchten immer ganz kleine Punkte beim Ultraschall auf.

Ich habe immer zu der risikoreichsten Gruppe gehört, so jedenfalls hat es mir die Oberärztin Fr. Dr. Öttinger gesagt, die Du vielleicht ja auch schon kennengelernt hast.
Jetzt aber sind die Lymphknoten richtig groß u. diese waren bei der letzten Halbjahresuntersuchung überhaupt noch nicht da.
Ich bin immer in der MHH in Behandlung geblieben, mich kennen dort schon alle Ärzte und Krankenschwestern. Seit 1996 war ich 9 mal stationär dort u. halbjährlich dann immer noch ambulant.
Eigentlich sollte das Ganze nächstes Jahr ( dann ist es 10 Jahre von der 1. Diagnose her ) vorbei sein u. entsprechend hatte ich mich auch gefreut.

Ich habe vor allem psychisch sehr gelitten, habe seitdem extremste Platzangst u. kann nicht ohne Valium unters CT u. Kernspint ist nur unter Narkose möglich. Da musste ich am Anfang so häufig rein, weil mein ganzer Oberkörper mit einem riesigem Hämatom durchsetzt war u. es drohte Flüssigkeit in die Lunge zu gehen.

Ich habe in all den Jahren viele Mitpatienten in der MHH kennengelernt, aber nicht einen einzigen hatten sie den ganzen Oberkörper aufgeschnitten.

Wenn diese ganze Geschichte wieder von vorn losgeht, bin ich nicht mehr so einfach in der Lage, dass alles wieder mitzumachen.

Diese stationären Aufenthalte dort „unten“ sind einfach ätzend.
Die Schwestern u. Ärzte sind zwar total lieb, aber trotzdem kriege ich jedesmal Panik, wenn ich da hin muss.

Ok, das wärs erst mal für heute.
Viele liebe Grüße
Ulrike

meerblau
Pap. SD-Ca, follikuläre Variante

Antwort auf: Kleiner Bericht vom SD-Forum in Hannover

| Beitrags-ID: 267367

Hallo liebe Ulrike,

du hast ja eine heftige Krnakengeschichte! Da finde ich es sehr nachvollziehbar, dass du dich nicht so wie einige andere hier in die medizinischen Feinheiten vertieft hast. Wahrscheinlich gibt es einfach unterschiedliche (gute) Umgehensweisen mit dem Krebs. Für mich war sehr wichtig möglichst viel darüber zu erfahren. So hatte ich immer das Gefühl, die richtigen Fragen stellen zu können und beurteilen zu können, ob mir die Ärzte auch die Wahrheit erzählen. Jetzt sollte aber ein Zeitpunkt kommen, an dem ich mich nicht mehr so intensiv damit beschäftige. Ich könnte das Ganze eigentlich mal wieder los lassen…

Das mit deinen Lymphknoten klingt wirklich nicht gut. Hast du eigentlich psychologische Unterstützung? Das würde dir bestimmt gut tun und dir einigen Stress nehmen können! Es ist auch nicht so schwer, die Krankenkasse davon zu überzeugen, dass das wichtig ist.

Beim Forum habe ich nur wenige Narben gesehen. Eine jüngere Frau hatte aber auch die senkrechte Narbe, da habe ich auf Brustkorböffnung getippt und auch einer der Patienten, von denen die ihre Geschichte erzählt haben, hatte eine Brustkorböffnung.

Die Station 75 ist wirklich nicht so toll. Besonders unangenehme finde ich den Geruch der Toiletten *würg*. Aber ich durfte ja nach drei Tagen schon wieder raus und so war das irgendwie auszuhalten. Ich weiß nicht mehr wie die Oberärztin hieß. Da war jedenfalle eine ganz nette. Prof. Knapp habe ich dann auch noch kennen gelernt. Der hat mir einige Fragen richtig gut beantworten können, die ich so hatte. Zu den Kontrollterminen zwischendurch gehe ich zu Frau Dr. Hasse in der Marienstraße, die ich auch für sehr kompetent und nett halte.

Ulrike, lass den Kopf nicht hängen. Ich bin sicher, dass du die nächsten Schritte schaffen kannst und du an der MHH in sehr guten Händen bist.

Liebe Grüße
Esther

HermannVerstorben Dez. 2002: SD-OP+32HLK12/02,2xRJT,n.d.1RJT speicherlos,07.04 Rezidiv Leber u.Rippe, ...

Antwort auf: Kleiner Bericht vom SD-Forum in Hannover

| Beitrags-ID: 267368

Halo Esther,

zu deinem Bericht aus Hannover- Redifferenzierung gibt es zu sagen, dass es sich nicht um die direkte Gabe von Vitamin-A handelt, sondern es sich um den Wirkstoff Isotretinoin ( 13-cis-Retinsäure) ein natürliches Stoffwechselprodukt der Hormonvorstufe des Vitamin A handelt.
Dies wird in einigen Kliniken mit wenig Erfolg angewendet, es wird unter dem Namen Roacutan20 verabreicht und hat erhebliche Nebenwirkungen.
Die Erfolgsquote liegt bei ca. 6-8 %. Es ist also nicht so, dass der entdiff. SD-Krebs problemlos behandelt werden kann.
Bislang sind mir noch keine vielversprechende Angebote gleichgültig von welcher Klinik auch immer gemacht worden. Ich wollte nur mal klar stellen, dass beim entdiff. foll. wie pap. SD-Krebs die erfolgreiche Nachsorge nicht soooo super ist.

Viele Grüsse Hermann

meerblau
Pap. SD-Ca, follikuläre Variante

Antwort auf: Kleiner Bericht vom SD-Forum in Hannover

| Beitrags-ID: 267369

Hallo Hermann,

natürlich ist ein entdifferenziertes Karzinom besch… zu behandeln.
Ich gebe hier ja auch nur das wieder, was Prof. Knapp gesagt hat. Und er hat von „guten“ Ergebnissen bei der Redifferenzierung gesprochen. Damit meint er nicht nur die Vollremission (die ist niedrig mit 8%), sondern auch die Teilremissionen und einen stabilen Verlauf. Seine Ergebnisse habe ich ja genannt. Es scheint mir zumindest eine Möglichkeit zu sein.
Ansonsten kenne ich mich nicht weiter damit aus, ich bin davon bisher nicht betroffen.

Viele Grüße
Esther

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