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Schädigung der Nebenschilddrüsen bei der SD-OP – Behandlung?

InSeNSU
Moderator
Basedow, Hypoparathyreoidismus

Antwort auf: Schädigung der Nebenschilddrüsen bei der SD-OP – Behandlung?

| Beitrags-ID: 314708

Hallo Sandra,

das sieht ja gut aus! Nun ist die Frage, ob man Deine Zusammenfassungen nicht irgendwo anders besser findbar machen sollte, z.B. bei den FAQ als Übersicht. Oder was meint Harald dazu?

Eine Frage habe ich noch zum Fassnacht-Vortrag:
Hat er es so dargestellt, als seien Nierenverkalkungen auch beim unbehandelten Hypopara eine mögliche Folge? Ich kannte dies Risiko bislang nur als das einer unzulänglichen Therapie, also bei Überdosierung der Medikamente oder Nichtbeachtung von Hypercalciurie oder Hyperphosphatämie.

Den Absatz „Wer steuert…“ finde ich so knapp noch etwas unübersichtlich. Mein Vorschlag:

-PTH (Nebenschilddrüsen):
steuert Calcium (Freisetzung aus Knochen, Förderung der Aufnahme mittels Vitamin D) und Phosphat
-Vitamin D-Hormon (nach Umwandlung in Leber und Niere):
steuert Calcium und Phosphat (steigert Aufnahme aus Darm und Rückresorption in der Niere)
Calcitonin (C-Zellen der Schilddrüse):
steuert Calcium über Hemmung des Calciumabbaus im Knochen

Die kleinen Rs für die Medikamentennamen sind irgendwie hier nicht richtig rübergekommen. Ich leg hier zum Reinkopieren noch mal eines hin
®

Viele Grüße
Frauke

Sönnchen scheine!
Follikuläres CA onkozytär

Antwort auf: Schädigung der Nebenschilddrüsen bei der SD-OP – Behandlung?

| Beitrags-ID: 314709

Hallo Frauke,

herzlichen Dank für Deine Anmerkungen! So sind die Details wirklich noch besser verständlich, ich habe Deine Ergänzungen übernommen.
Danke auch für die hübschen ®s, das veränderte Aussehen meiner war mir nicht aufgefallen.

Bei Deiner inhaltlichen Frage bin ich leider überfragt. Ich habe es aus dem Vortrag auch eher als Folge einer nicht perfekten Behandlung in Erinnerung, in der Folie kann man es allerdings auch als mögliche Folge des Hypoparas allgemein verstehen. Ich werde hierzu Herrn Prof. Fassnacht einfach anschreiben,wenn es Dir recht ist, und das versuchen zu klären.

Liebe Grüße, Sandra

InSeNSU
Moderator
Basedow, Hypoparathyreoidismus

Antwort auf: Schädigung der Nebenschilddrüsen bei der SD-OP – Behandlung?

| Beitrags-ID: 314710

Hallo Sandra,

schreib Dr. Fassnacht (Prof. ist er wohl noch nicht) ruhig an, denn damit knüpfst Du ja einfach noch mal an den Vortrag an. Vielleicht wird er das beim nächsten Vortrag dann auch präzisieren.

viele Grüße
Frauke

Sönnchen scheine!
Follikuläres CA onkozytär

Antwort auf: Schädigung der Nebenschilddrüsen bei der SD-OP – Behandlung?

| Beitrags-ID: 314711

Hallo Frauke,

…so schnell wird aus PD also Prof…. 😉

Viele Grüße, Sandra

Sönnchen scheine!
Follikuläres CA onkozytär

Schädigung der Nebenschilddrüsen bei der SD-OP – Behandlung?

| Beitrags-ID: 244426

Vortrag PD Dr. M. Fassnacht in Ulm am 25.11.08
Schwerpunkt Endokrinologie u. Diabetologie
Medizinische Klinik I der Universitaet Wuerzburg

Schädigung der Nebenschilddrüsen bei der Schilddrüsenoperation

Wie sieht die Behandlung aus?

Fallbericht:
Süddeutsche Zeitung vom 20.11.02

1960 24-jähriger Patient wird an “Kropf” operiert anschließend entwickelt der Patient “Krämpfe im Gesicht, den Händen und im Inneren des Körpers”
Therapie: 3x/Tag Calcium-Spritzen über 40 Jahre(“Wirkung der Spritzen hätte oft nur wenige Stunden angehalten”)
Spätfolgen: “Kalkablagerungen” im Gehirn, Niere, Augenlinsen2001Vorstellung in Endokrinologie Heidelberg, seitdem nur noch wenige Tabletten am Tag notwendig

Die Nebenschilddrüse(Epithelkörperchen)

• In der Regel 4 kleine (ca. 5mm große) Drüsen, die an der Rückseite der Schilddrüse lokalisiert sind
• hat im eigentlichen Sinne “nichts mit der Schilddrüse zu tun”
• Hauptaufgabe Steuerung des Calcium-Stoffwechsels
• produziert PTH (= Parathormon)

Warum ist Calcium wichtig?
• Wichtigster Bestandteil der Knochen und Zähne (ca. 1kg Calcium sind im Knochen eingebaut)
• Calcium notwendig, um eine regelhafte Nerven-Muskel-Steuerung zu ermöglichen
• Calcium ist in viele Zellen ein entscheidendes Botensignal (=> große Schwankungen des Blut-Calcium müssen verhindert werden

Für was brauchen wir Phosphat?
• Ebenfalls wichtiger Baustein des Knochens
• Bestandteil der wichtigsten Energiemoleküle im Körper (z.B. ATP)

Wer steuert den Calcium-Phosphat-Haushalt?
PTH (Nebenschilddrüsen): steuert Calcium (Freisetzung aus Knochen,
Förderung der Aufnahme mittels Vitamin D) und Phosphat
Vitamin D-Hormon (nach Umwandlung in Leber und Niere):
steuert Calcium und Phosphat (steigert Aufnahme aus Darm
und Rückresorption in der Niere)
Calcitonin (C-Zellen der Schilddrüse):
steuert Calcium über Hemmung des Calciumabbaus im Knochen

Was passiert, wenn die Nebenschilddrüsen nicht mehr funktionieren?
• Extrem schmerzhafte Muskelkrämpfe (Tetanien)
• „Kalkablagerungen“ in der Niere und Nierensteine
• Grauer Star (Katarakt)
• Anzeichen von „Verkalkungen“ im Gehirn (M. Fahr)

Wie häufig ist ein Funktionsausfall der Nebenschilddrüse?
• Angeborener Hypoparathyreoidismus
(>extrem selten)
• Sog. Primäre Hypoparathyreoidism (meist Autoimmunerkrankung)
(>sehr selten)
• Post-operativer Hypoparathyreoidismus
(>vergleichsweise häufig: In ca. 1 % aller Schilddrüsen-Operationen)

=> Bei ca. 100.000 SD-Operation in Deutschland pro Jahr ca. 1000 neue Fälle pro Jahr
=> Das Risiko steigt mit Größe der Schilddrüse und ist bei SD-Karzinomen deutlich erhöht

Therapie des Hypoparathyroidismus
• Idealtherapie wäre: Gabe von PTH (Parathormon)
• Probleme: – Die Halbwertzeit des PTH im Blut nur ca. 20 Minuten
– Wird nicht ausreichend im Magen-Darm-Trakt aufgenommen
=> müsste täglich mehrfach gespritzt werden

Hypoparathyreoidismus-Akuttherapie der Tetanie
Gabe von Calcium über die Vene
• muss langsam gespritzt werden
• kann schmerzhaft sein und Venen zerstören
• Effekt hält oft nur wenige Stunden an
• Ziel: solche “Notfall-Therapien” überflüssig zu machen

Hypoparathyreoidismus-Dauertherapie
1. Calcium als Tabletten/Brause etc.
1000 mg – max. 3000 mg Calciumionen / Tag
und
2. Vitamin-D-Präparat (Pharmakotherapie!)
Entweder hochdosiert Vitamin D3
oder “Vitamin-D-Hormonvorläufer”
oder Vitamin-D-Hormon

Problem: macht Calcium + Phosphat im Blut hoch

Hypoparathyreoidismus-Behandlungsziele

• Niedrig-normaler Serum-Calcium-Spiegel: Einstellung auf Werte zwischen 2,0 und 2,3 mmol/l (Norm: 2,0 – 2,7)
• Vermeidung einer vermehrten Calcium-Urin-Ausscheidung (da es sonst zu “Nierenproblemen” kommt)
• Vermeidung eines zu hohen Phosphats:
Phosphatarme Ernährung; ev. weniger Vitamin D;
in Einzelfällen sind “Phosphatbinder”-Medikamente erforderlich
•Niedriges Magnesium durch Magnesiumtabletten ausgleichen

Wichtiger Hinweis: Warnung auch vor AT10®Überdosierung:

Bei laufender Vitamin-D Therapie muss auch nach Jahren immer noch regelmäßig das Calcium im Blut (mindestens alle 3 Monate) und Urin(1x / Jahr) untersucht werden!

Wie gut ist die Standardbehandlung des Hypoparathyreoidismus?

Auch bei optimaler Standardtherapie lassen sich die Veränderungen im Calcium/Phosphat-Stoffwechsel oft nicht vollständig normalisieren.
Patienten mit Hypoparathyreoidismus haben ein Befindlichkeits-Defizit
Es besteht die Notwendigkeit einer besseren Therapie.

Wie können wir unsere Patienten besser behandeln?

• Theoretisch: “schonender operieren”, das heißt Nebenschilddrüsen unverletzt lassen
• Aber: Schilddrüsen-Operation wird dann “weniger komplett”

=> Beim Schilddrüsen-Karzinom keine echte Option

Möglichkeit 1:

Nebenschilddrüsen-Transplantation
Nebenschilddrüsen werden während der Operation bewusst
entfernt und in gleicher Operation an anderer Stelle
transplantiert
• Wenn man mindestens 2 Nebenschilddrüsen transplantiert,
wachsen diese in > 80% der Fälle ausreichend gut an, dass
kein dauerhafter PTH-Mangel entsteht.
• Aktuelle Vorgehen der Würzburger Chirurgie bei
Schilddrüsen-Karzinom-Operation:
–Immer alle (mind. 2) Nebenschilddrüsen aufsuchen und dann
gezielt an den seitlichen Hals transplantieren
–Gabe von Calcium für die nächsten 4-6 Wochen

Möglichkeit 2:
Behandlung mit Parathormon
„ gekürztes“ PTH1-34 (Teriparatid) ist seit 2003 für fortgeschrittene Osteoporose zugelassen
1 x pro Tag s.c. Selbstinjektion

Lebensqualität ist nicht untersucht worden Therapie deutlich teurer (ca. 5500€/Jahr
im Vergleich zu 730€)

Zusammenfassung

• Der postoperative Hypoparathyreoidismusführt zu schweren psychischen und körperlichen Beschwerden.
• Standard-Therapie: Calcium und Vitamin-D-Präparate
• Ziel für das Calcium im Blut ist der untere Normbereich, um eine zu starke Calcium-Urinausscheidung (und Nierenschädigung) zu verhindern.
• Die Nebenschilddrüsen-Autotransplantation kann das Problem leider nicht immer lösen.
• Die PTH-Gabe könnte der Vitamin-D-Gabe überlegen sein (Daten aber noch unzureichend und teuer).

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