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7. Nach Operation und/oder Radiojodtherapie (RJT)

7. Nach Operation und/oder Radiojodtherapie (RJT)

| Beitrags-ID: 253062

Broschüre:
Knoten der Schilddrüse und ihre Behandlung
Beobachten oder behandeln/operieren?

Inhaltsverzeichnis
vorangehendes Kapitel: 6. 2. RJT bei bösartigen Erkrankungen.

7. Nach OP und/oder RJT

Die Operationsnarbe sollte in den ersten Monaten nicht direkt der Sonne ausgesetzt werden, da sonst Hautverfärbungen möglich sind. Es ist deshalb empfehlenswert, die Narbe mit einem leichten Tuch vor direkter Sonneneinstrahlung zu schützen oder Sonnenblocker zu verwenden.

Einnahme von Schilddrüsenhormonen
(=Substitution)

Nach Entfernung eines Teiles der Schilddrüse ist es oft notwendig, zur Unterstützung des verbleibenden Gewebes Schilddrüsenhormone (normalerweise Thyroxin=L-T4) einzunehmen. Die Hormonmenge richtet sich dabei nach dem Ausmaß der Schilddrüsenentfernung.
Auch wenn der endgültige pathologische Befund noch nicht vorliegt, sollte insbesondere nach Entfernung eines Großteils oder der kompletten Schilddrüse unmittelbar nach der Operation mit der Hormoneinnahme begonnen werden, um eine Schilddrüsenunterfunktion zu vermeiden.

Soll man mit der Schilddrüsenhormon-Einnahme warten, bis der endgültige pathologische Befund da ist?

Früher musste man, um eine Radiojodtherapie zur Entfernung des Restgewebes (Ablation) bei Schilddrüsenkrebs durchführen zu können, erst eine Schilddrüsenunterfunktion herstellen, indem man nach der chirurgischen Entfernung der Schilddrüse mehrere Wochen keine Schilddrüsenhormone einnahm.

Heute lässt sich dies vermeiden, indem man zwei Tage vor der Ablation zwei Spritzen mit gentechnisch hergestelltem rhTSH bekommt. Beide Möglichkeiten zur Vorbereitung der Ablation werden von den Leitlinien mit hoher Evidenz als gleichwertig betrachtet. Bei bekannten Fernmetastasen ist rhTSH jedoch nicht zugelassen.

Die Einnahme der Schilddrüsenhormone muss dauerhaft erfolgen. Eine regelmäßige Einnahme ist wichtig, aber die Hormone bilden durch ihre Depotwirkung einen gleichmäßigen Spiegel im Blut, so dass kurzfristige Schwankungen im Befinden z.B. bei Vergessen einer Tablette nicht zu erwarten sind.

Depot-Schilddrüsenhormon T4

In der Regel erfolgt die Substitution mit einem T4-Präparat (Thyroxin). T4 ist ein reines Depot-Hormon. Es sind keine Stoffwechselvorgänge bekannt, bei denen T4 aktiv beteiligt ist. Der Körper bildet sich dann nach Bedarf vor allem in Leber und den Muskelzellen das aktive Schilddrüsenhormon T3 (siehe Kap. 2)

Bis eine eingenommene Menge des Schilddrüsenhormons zur Hälfte im Körper abgebaut ist, dauert es ca. 8 Tage. Entsprechend lange braucht es, bis der Körper einen stabilen Wert nach einer Dosisänderung aufgebaut hat.

Umgekehrt machen sich Beschwerden auch nicht sofort bemerkbar, wenn die Hormonaufnahme verändert ist (z. B. Wechsel des Präparates, etc.), und es dadurch indirekt zu einer Dosisänderung kommt.

Was ist bei der Einnahme von Schilddrüsenhormonen zu beachten?

Damit die Schilddrüsenhormone vom Körper optimal verwertet werden können, ist vor allem Folgendes bei der Tabletteneinnahme zu beachten:

  • Einnahme nur mit Wasser (kein Saft, Kaffee, Milch o. ä.) nüchtern mindestens 30 Minuten vor dem Frühstück
  • Alternativ können die Schilddrüsenhormone auch abends vor dem Schlafen eingenommen werden. Man muss jedoch zuvor 4 Stunden nüchtern sein (Forum-Gruppe: Abendeinnahme von L-Thyroxin (L-T4)).
  • Abstand zu Eisen- und Calcium-Präparaten mindestens zwei, besser vier Stunden;
  • Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten beachten (Beipackzettel-Online und ).
  • Magenprobleme können zu schlechterer Aufnahme der Schilddrüsenhormone führen.
  • bei Lactose-Intoleranz kein Präparat mit Lactose einnehmen.

Nach sechs bis acht Wochen wird die Hormondosis anhand der Schilddrüsenwerte im Blut überprüft und ggf. nach oben oder unten angepasst, bis die Werte im gewünschten Bereich liegen.
Der Hormonbedarf kann sich im Laufe der Jahre durch verschiedene Faktoren ändern (z.B. Schwangerschaft, Gewicht, Alter), daher ist es wichtig, mindestens einmal jährlich vom Arzt überprüfen zu lassen, ob eine Anpassung der Hormonmenge erfolgen muss.

Wo soll der TSH-Wert liegen?

Um zu vermeiden, dass sich erneut (gutartige) Knoten bilden, und um eine ausreichende Menge von Schilddrüsenhormonen dem Körper zur Verfügung zu stellen, sollte der
TSH-Wert möglichst innerhalb eines altersabhängigen Referenzbereichs (siehe Kasten unten: Referenzwerte von Blutwerten) liegen.

In der Nachsorge von Schilddrüsenkrebs wird meist ein niedrigerer TSH-Wert angestrebt, abhängig von Größe und Ausbreitung des Tumors. Der Arzt wird mit dem Patienten immer eine individuelle Risikoabwägung vornehmen. Ziel ist oftmals ein TSH-Wert von höchstens 0,1 mU/l. Eine weitere Unterdrückung unter 0,05 bringt dagegen keine weiteren Vorteile und ist daher nicht notwendig.

Gewichtszunahme durch Schilddrüsenhormone?

Gewichtszunahme ist normalerweise ein (mögliches) Symptom einer Schilddrüsenunterfunktion, während bei nicht behandelter Schilddrüsenüberfunktion oftmals Gewichtsverlust zu beobachten ist. Eine (leichte) Schilddrüsenüberfunktion durch die Einnahme von Schilddrüsenhormonen führt jedoch nicht automatisch zu einer Gewichtsabnahme. Ein Grund dafür liegt vermutlich darin, dass eine höhere Dosis an Schilddrüsenhormonen für einen gesteigerten Appetit sorgt. Durch die vermehrte Kalorienaufnahme wird trotz einer Schilddrüsenüberfunktion dann verhindert, dass man an Gewicht verliert, und man sogar zunimmt.

Patienten, die zuvor an einer Schilddrüsenüberfunktion gelitten haben, haben sich oftmals an diese Überfunktion angepasst, indem sie verstärkt Nahrung aufgenommen haben. Nach einer Therapie muss bei nun nicht mehr gesteigertem, sondern normalem Schilddrüsenstoffwechsel zur Vermeidung von Gewichts­zunahme die Ernährung wieder angepasst werden.

Probleme bei der Schilddrüsenhormoneinstellung?

Bei den meisten Menschen (ca. 85-95 %) treten nach dem Finden der passenden Dosis an Schilddrüsenhormonen keine Probleme mehr auf, sie fühlen sich ebenso gut oder gar besser als vor der Operation oder der Radiojodtherapie. Manchmal kommt es aber, obwohl die Schilddrüsenwerte innerhalb der Referenzwerte liegen, zu Beschwerden, wie z. B. verringerte Leistungskraft und Energie, Bluthochdruck, Herzrasen, Gewichtszunahme.

Referenzwerte von Blutwerten:

Um Blutwerte beurteilen zu können, werden durch das einzelne Labor für eine bestimmte Untersuchung Referenzwerte festgelegt. Referenzwerte definieren sich im allgemeinen dadurch, dass das Blut von gesunden Menschen untersucht wird. Mit dem Referenzbereich wird dann der Bereich definiert, in dem sich die Werte von 95 von 100 gesunden Menschen befinden.
Es gibt daher auch immer einen kleinen Teil (im allgemeinen 5%) von gesunden Menschen, deren „normale“ Blutwerte außerhalb des Referenzbereichs liegen.
Ältere Menschen (> 70 Jahre) haben höhere TSH-Werte. Bei Schwangeren ist der Bedarf höher die Hormongabe muss neu eingestellt werden.

Bei Beschwerden führen manchmal schon kleinste Änderungen der Hormondosis zu einer Besserung. Es braucht allerdings sehr viel Geduld, da sich eine Änderung der Dosis erst nach 6 bis 8 Wochen in den Blutwerten zeigt, bis sich eine Änderung im Befinden auswirkt, kann es auch bis zu 3 Monate dauern. Ein zu schneller Wechsel der Schilddrüsenhormondosis ist daher unbedingt zu vermeiden.

Um zu einer Behebung der Probleme zu kommen, ist vor allem wichtig, dass die Schilddrüsenhormone regelmäßig und richtig (siehe S. 39) eingenommen werden. Teilen Sie dem Arzt mit, was sie sonst an Medikamenten und Nahrungsergänzungsmitteln eingenommen haben. Wichtig ist auch, dass sie die Schilddrüsenhormonpräparate immer vom gleichen Hersteller benutzen, da diese zum Teil erhebliche Unterschiede in der Bioverfügbarkeit haben.

T3-Präparate?

Bestehen trotz bester Anpassung der Schilddrüsenhormondosis mit einem T4-Präparat nach 6 Monaten dennoch Beschwerden fort, wie geringe geistige Leistungsfähigkeit und Abgeschlagenheit, so besteht auf experimenteller Ebene die Möglichkeit, zusätzlich mit einer kleinen Dosis eines T3-Präparats zu substituieren.

Da T3 das aktive Schilddrüsenhormon ist und nur eine Halbwertszeit von 20 Stunden hat, kommt es so zu Spitzen in den Blutwerten, die Herzrasen und Nervosität verursachen können. Schwangeren sowie Patienten mit Herz-Rhythmus-Störungen wird daher in der Leitlinie diese Therapie nicht empfohlen ( Thema: Europäische Leitlinie zur L-T4 und L-T3-Substitution (2012) ).

nächstes Kapitel: Quellen.

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