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Studie: Bleibende Veränderungen im Stoffwechsel des Gehirns

| Beitrags-ID: 243392

Studie: Bleibende Veränderungen im Stoffwechsel des Gehirns nach einer Schilddrüsenunterfunktion?

Auf dem nuklearmedizinischen Kongress 2008 in Leipzig hat Frau Dr. Waltraud Eichhorn von der Klinik und Poliklinik für Nuklearmedizin der Johannes Gutenberg-Universität Mainz eine Studie zum Glukosestoffwechsel des Gehirns vorgestellt.

Ausgangslage:
Die Symptome der Schilddrüsenunterfunktion sind weitestgehend bekannt: Leistungsminderung, depressive Verstimmung.
Nicht bekannt ist jedoch welche neuronalen Prozesse im Gehirn hier zu Grunde liegen.

Der Glukosestoffwechsel des Gehirns kann mittels der FDG-PET untersucht werden.

Eichhorn und ihre Kollegen untersuchten nun mittels der PET 10 Patienten, die in einer deutlichen Schilddrüsenunterfunktion waren (Hashimoto-Patienten).
Sieben von diesen Patienten wurden erneut mit der PET untersucht, nachdem sie mittels Schilddrüsenhormone einen normale TSH-Spiegel und normale Schilddrüsenwerte hatten (Euthyreot).
Diese PET-Bilder wurden zusätzlich dann noch verglichen mit PET-Bildern von gesunden Menschen, die keinerlei Störungen des Schilddrüsenstoffwechsel hatten (die Kontrollgruppe hatte auch entsprechend das gleich Alter).

Ergebnis:
Patienten in einer Schilddrüsenunterfunktion zeigen einen deutlich niedrigeren Stoffwechsel in bestimmten Gehirnregionen gegenüber gesunden Menschen (p<0,0001).

Folgende Gehirnregionen zeigen einen niedrigeren Stoffwechsel:

  1. beidseitige Thalamus (Der Thalamus ist eine Region im Gehirn, in der Informationen aus den Sinnesorganen in die Großhirnrinde weitergeleitet werden. Der Thalamus hat hierbei nach derzeitigen Kenntnisstand eine Art Filterfunktion, in dem er nur das an die Großhirnrinde weiterleitet, was für den Organismus augenblicklich wichtig ist.)
  2. beidseitiger Gyrus temporalis superior einschließlich des Brodmann-Areal 41
    (Diese Region ist wichtig für das Sprachverständnis. Es gibt allerdings eine Reihe weitere Regionen im Gehirn, die für das Verständnis und die Verarbeitung der Sprache zuständig sind.)

Dies Veränderungen im Stoffwechsel des mesialen Temporallappen (hierzu gehört der Gyrus temporalis superior ) zeigen sich um so deutlicher bei einem hohen TSH-Spiegel (=positive Korrelation) und bei einem niedrigen fT3-Wert (=negative Korrelation).
Außerdem zeigte sich, dass eine Veränderung im posterioren linken Inselkortex (ein eingesenkter Teil der Großhirnrinde) dies auch mit einem niedrigen fT3-Wert einhergeht (=negative Korrelation).

Ob dies direkte Zusammenhänge sind, wie die genauen Vorgänge sind, so wie welche genauen Beschwerden daraus resultieren, weiß man jedoch noch nicht.

Nachdem die Patienten einen normalen Schilddrüsenstoffwechsel erreicht haben, findet sich weiterhin eine Deaktivierung des Thalamus, während sich der Stoffwechsel im beidseitigen Gyrus temporalis superior einschließlich des Brodmann-Areal 41 wieder normalisiert hat.

Es findet sich nun jedoch gegenüber dem Zustand in der Schilddrüsenunterfunktion ein höherer Stoffwechsel im primären visuellen Kortex als auch in Teilen des somatosensorischen Kortex (p<0,005).
(Der primären visuellen Kortex gehört zu dem Teil des Großhirnrinde, welches die visuelle Wahrnehmung ermöglicht. Der somatosensorische Kortex ermöglicht die Verarbeitung von mechanischen Reizen, Temperatur und der Lokalisation von Schmerz).

Warum es zu dieser Aktivierung kommt, kann vorerst nur spekuliert werden. Möglich ist etwa, dass das Gehirn durch die fortbestehende Deaktivierung des Thalamus, nun durch Aktivierung anderer Gehirnregionen dieses Defizit auszugleichen versucht. Auch wie lange diese Veränderungen im Stoffwechsel des Gehirns anhalten ist noch nichts bekannt.

Bemerkt wurde auch, dass Teile des limbisches Systems mit dem fT3-Wert korrelieren. (Das limbische System hat Anteil an der Verarbeitung von Emotionen und Entstehung von Triebverhalten, spielt aber auch bei intellektuellen Leistungen eine Rolle. Diese Funktionen darf man nicht auf eine einzelne Gehirnregion beschränken, sondern muss man immer als ein Zusammenspiel verschiedener Gehirnregionen betrachten.)

Nach Eichhorn stellen sich nach ihren Studien-Ergebnissen die Frage, ob die Schilddrüsenwerte nach einer Schilddrüsenunterfunktion wirklich ausreichende Surrogatparameter für das Befinden dieser Patienten sind.

Oder anders ausgedrückt: Die Ergebnisse dieser Studie deuten darauf hin, dass die Beschwerden und Probleme von Schilddrüsenpatienten nach einer Schilddrüsenunterfunktion trotz inzwischen normalisierter Schilddrüsenwerte als eine bleibende Folge der Schilddrüsenunterfunktion in bestimmten Gehirnregionen zu betrachten sind. Das Erreichen von normalen Schilddrüsenwerte sagt nichts über das Befinden und die Beschwerden von Patienten aus, die zuvor in einer Schilddrüsenunterfunktion waren.

Quelle: Eichhorn, W. , et.al.: Hypothyreose-assoziierte Änderungen der cerebralen Aktivität: bleiben persistierende Veränderungen auch nach Erreichen einer Euthyreose?
In: Nuklearmedzin 2008; 47, V178 (PDF)

(Quelle für die Funktionen der Gehirnregionen wikipedia)

Viele Grüße
Harald


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