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InSeNSU
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Basedow, Hypoparathyreoidismus

Antwort auf: Normales Parathormon, niedriger Kalziumspiegel nach OP

| Beitrags-ID: 278466

Hallo Michaela,

tja, das mit dem Vitamin D wird derzeit von den Allgemeinmedizinern noch ziemlich unterschätzt, finde ich. Deshalb ist Vitamin D auch (außer beim Hypopara und bei Osteoporose) nicht verschreibungsfähig. Dabei hat es außer der Funktion für den Calciumstoffwechsel noch eine Menge andere Aufgaben im Körper.

Durch Sonneneinstrahlung auf die Haut vom Körper selbst gebildet wird Vitamin D hierzulande nur etwa zwischen April und Oktober und auch nicht im Solarium, weil UVA-Strahlen dafür nötig sind. Es ist auch nur in wenigen Lebensmitteln (fette Fischsorten) und muß deshalb notfalls eben als Medikament genommen werden. Anschließend wird es in der Leber in Calcifediol umgewandelt. Das ist das 25-OH-D3, das in der Regel gemessen wird, wenn man „Vitamin D“ im Blut mißt.

Während diese Umwandlung recht unkontrolliert verläuft, geschieht die Umwandlung in die endgültige Wirkform Calcitriol in der Niere nur nach Bedarf. Deshalb wird das 1,25-OH-D3 im Blut nur gemessen, wenn eine Störung der Nierenfunktion oder der Nebenschilddrüsen vermutet wird. Dann kann Calcitriol trotz ausreichender Mengen Calcifediol zu niedrig sein, eben, weil der zweite Umwandlungsschritt nicht klappt.

Wann eingenommenes Vitamin D3 als fertiges Calcitriol, also in der Wirkform im Körper ankommt, hängt von der Resorption im Darm (Verdauung) und von der Umwandlung in Leber und Niere ab. Es kann -auch wenn alles normal läuft- Tage oder gar Wochen dauern, bis eine Wirkung zu merken ist, was wohl auch abhängig von der eingenommenen Tagesdosis ist.

Bei der Behandlung des Hypopara nur mit normalem Vitamin D3 (die ich eigentlich nicht logisch finde, die aber auch versucht wird), wirken in der Regel erst sehr hohe Dosen (ab 20 000 IE/Tag). Wenn dann doch mal eine Hypercalciämie entsteht, gibt es Probleme. Nach dem Absetzen wirkt das bereits genommene Vitamin D3 noch wochenlang weiter. Auf diese Weise sind schon schwere Vergiftungen aufgetreten. Deshalb halte ich kurz wirksame Verbindungen (Calcitriol, Alphacalcidiol) für die Hypopara-Behandlung am geeignetsten.

AT10 liegt in der Wirkdauer zwischen den beiden Extremen. Sein Vorteil ist, dass die Tropfen im Gegensatz zu allen anderen Präparaten ohne jegliche Farb- und Konservierungsstoffe auskommen. Es besteht nur aus Erdnußöl und dem Wirkstof DHT. Und wenn man es mal einen Tag vergißt, oder Durchfall hat, fällt der Calciumspiegel natürlich nicht so schnell ab, wie das bei den kurzwirksamen Medikamenten ist.

Nur das es eben trotz AT10 zu Calcitriol-Mangel kommen kann. Und wie das wirkt, ist bislang meines Wissens kaum untersucht.
Die InSeNSU ist allerdings seit längerm bemüht, bei den Fachleuten für diese Frage Interesse zu wecken. Vielleicht bewegt sich da nach der Endokrinologentagung Anfang März mal endlich etwas. Ich arbeite dran…

Jedenfalls sagen die Fachleute meistens, das individuell geeignete Mittel kann man nur durch Ausprobieren herausfinden, weil die Menschen eben verschieden sind. Da normales Vitamin D3 aber am billigsten ist, sehe ich derzeit die Gefahr, dass der Trend eher in diese Richtung geht. Ein Grund mehr, sich in der InSeNSU zusammenzuschließen, um sich dagegen zu wehren.

Viele Grüße
Frauke