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Antwort auf: Großes Herbsttreffen 24.-26.09.2021 in Würzburg und Online

| Beitrags-ID: 404801

Hallo,

hier nun ein kleiner Bericht zu unserem Herbsttreffen.

Trotz unserer 2G+negativer Covid-Test-Regel haben einige bereits angemeldete Teilnehmer*innen noch mal abgesagt, da ihnen insbesondere das Risiko einer Ansteckung bei einer längeren Anreise zu groß war. Die Impfungen schützen ja nicht immer vor einer Ansteckung, allerdings ist  für Gesunde das Risiko auf einer Intensivstation zu landen sehr gering. Betroffene, insbesondere mit Lungenmetastasen haben abgesagt, da sie keinesfalls das Risiko einer Ansteckung eingehen wollten.

Es fanden sich  so noch 24 Teilnehmer*innen in Himmelspforten zusammen. Die Vorstellung der Arbeiten der Arbeitsgruppe Reha sowie Arbeitsgruppe Website-Überarbeitung sowie der anschließende Vortrag wurden live online via sd-krebs.zoom.us  übertragen, ebenso die offene Gesprächsrunde mit Vorstand und Mitglieder-Beirat.

Die Doktoranden und angehende Endorkinologin cand. med. Eleonore Roggemann hat Ergebnisse ihrer Dissertation an der Nuklearmedizin Mainz vorgestellt:

Risikofaktoren und Verlauf bei differenziertem Schilddrüsenkarzinom (DTC) nach Radiojodtherapie (RJT)

Sie hat für ihre Arbeit dazu retrospektiv die Daten aus 15 Jahren des Mainzer Patientenregister ausgewertet. Da manche Ereignisse extrem selten sind, betonte sie wie wichtig es ist gute Qualitätskriterien für das bundesweite Krebsregister zu haben (siehe auch: Vereins-Forenthema: Zusammenführung Daten d Klinischen Krebsregister der Länder)

Es wurden 889 Datensätze ausgewertet, die im Arztbrief der Nuklearmedizin (2005 bis 2007)  die Diagnose C73 Schilddrüsenkrebs hatten. Von den Betroffenen konnte bei 30,6% nicht weiter nachverfolgt werden, was mit ihnen passierte, z.B. wegen Umzug etc.; 49 Betroffene sind mittlerweile verstorben (an Krebs, an einer anderer Krankheit, an einem Unfall, etc.).

Zu dem wurde das Krebs- und Mortalitätsregister 2018, 2019, 2020 abgefragt.

Von den 889 Betroffenen hatten 757 (85,2%) das papillären Schilddrüsenkrebs (PTC) und 125 (14,1%) das follikuläre Schilddrüsenkrebs (FTC). In der Nachsorge sind am Schilddrüsenkrebs  14  (1,6%)  und an einem anderen Krebs 8 (0,9%) Betroffene verstorben.

Ein erhöhter Tumormarker wurde als > 0,2 ng/ml definiert und trat sehr selten auf. Bei Betroffene mit nur einer Radioiodtherapie bei 29 (in einem Nachsorgezeitraum von 2 Jahren). Und in einem Nachsorgezeitraum bis zu 4 Jahren bei 57.

Um das Risiko einer Radioiodtherapie für einen Zweitkrebs (Zweitmailgnom) einzuschätzen, hat Frau Roggemann sich angeschaut, wie viel Betroffene nachdem Schilddrüsenkrebs einen anderen Krebs hatten:  dies waren 68. Vor dem Schilddrüsenkrebs hatten bereits 70 Betroffenen einen anderen Krebs. Auch hat sie sich angeschaut, in welchem Alter, in wie vielen Jahren nach Erst-Diagnose und nach wie vielen Radioiodtherapien der Zweitkrebs (Zweitmailgnom) auftrat.  Aus den erhobenen Daten lässt sich keine Muster erkennen. Es bestätigt sich vielmehr, die Einschätzung in den Leitlinien, dass das Risiko für Zweitmailgnome zufällig ist und nicht von der Radioiodtherapie abhängig ist, sprich verursacht ist (Zur Problematik von höheren Gesamtaktivitäten bei mehreren Radioiodtherapien konnte keine Aussage getroffen werden, da die Daten zu klein sind; siehe auch Wiki: Zweitkrebs nach Schilddrüsenkrebs)

Lymphknotenmetastasen hatten 633 (75%) bei Erstdiagnose, was für eine ablative Radioiodtherapie (Ablation) spreche. Nicht erfasst in den Arztbriefen wurden allerdings die Größe der Lymphknotenmetastasen

Anmerkung Harald: Die amerikanische Leitlinie  – Wiki: ATA-Leitlinie: Differenzierter Schilddrüsenkrebs (2015) – ordnet Patient*innen u.a. als low-risk für ein Rezidiv ein, wenn:

 Allerdings wird als Intermediate-Risk durch die ATA eingestuft, wenn

Und als high-risk, wenn:

    • 5.) Lymphknotenmetasen gefunden durch den Pathologen, wenn eine größer gleich 3 cm ist

Frau Roggemann betonte in Ihrem Fazit, dass insbesondere für die seltenen, gravierenden Fälle beim Schilddrüsenkrebs es ein qualitativ gutes bundesweites klinisches Krebsregister brauche, damit milde Verläufe nicht über-therapiert und gravierende Verläufe nicht unter-therapiert werden.

Parallel fand zu diesem Vortrag der Gesprächskreis medullärer Schilddrüsenkrebs (MTC) statt.

Nach dem Mittagessen wurde in einem zweiten Teil des Informations-Cafe den Fragen nachgegangen:

Der weitere  Nachmittag galt formal einem Spaziergang und Kulturprogramm, eine Schifffahrt auf dem Main, und diente vor allem dem ungezwungenen Erfahrungsaustausch, so dass fast jede*r mal mit jeder/m ins Gespräch kam (und nur am Rande, die Ufer des Mains wahrnahm).

Am Sonntag entschlossen sich 4 (17%) Teilnehmer*innen zum einen der 15. Ohne Schilddrüse lauf :

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Interaktiv mit Online-Teilnehmer*innen fand nach einem Brunch die  offene Diskussionsrunde mit Bundesvorstand und Mitglieder-Beirat statt, siehe (Bericht im Vereins-Forum).

Hier noch die Auswertung der 11 Feedbackbögen: Auswertung-Feedback-Herbsttreffen (erstellt von MareikeP)

Viele Grüße

Harald

weitere Berichte unter Ankündigungen und Berichte unserer Großen Herbsttreffen

  • Diese Antwort wurde geändert vor 8 Monaten, 2 Wochen von Harald.
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