Quelle Dr.med. dent. Oelerich
6.Hypopara Bundestreffen in Münster 16. Bis 18. Mai 2025
Thema 1: Hypoparathyreoidismus und die Zähne
Referent Dr. med. dent Ole Oelerich, Klinik für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirugie, Universitätsklinikum Münster
Herr Dr. med. dent Oelerich hält einen sehr informativen Vortrag über:
1: Erklärung des Zahnaufbaus, der Anatomie, der Zahnschichten und des Zahnhalteapperates.
Die Anatomie besteht aus Krone, Wurzel und Zahnhalteapperat. Die Zahnschichten bestehen aus Schmelz, Dentin Pulpa und zement. Der Zahnhalteapperat besteht aus Wurzelelemet, Wurzelhaut, Knochen und Zahnfleisch.
Die äusserste Schicht ist der Zahnschmelz (Amelogenese) und besteht hauptsächlich aus Calcium und Phosphat.
Die Zahnbildung und Verkalkung wird bereits in der Schwangerschaft ( ab der 20. bis 36. Woche) angelegt und endet nach der Geburt im Alter von ca. 3,5 bis 4 Jahre, außer bei den Weisheitszähnen, (mehrwurzeligen Zähne entspricht 3.Molaren); da liegt die Zahnschmelzbildung ( Verkalkung, Mineralisation) ab ca.10 Jahre.
Erklärung über den Aufbau und Funktion von Dentin, Pulpa und Wurzelzement
Das Dentin wird von innen aufgebaut und hat eine geringere Härte als der Schmelz. Die Dentinbildung erfolgt während der gesamten Lebensdauer des Zahnes. Die Pulpa is weiches Gewebe im Inneren des Zahns und versorgt den Zahn von innen mit Nährstoffe und ermöglicht die Schmerzempfindung. Der Wurzelzement besteht aus knochenähnlichen Gewebe und verbindet sich über die Wurzelhaut mit den umliegenden Knochen und verankert den Zahn im Zahnhalteapparat.
2 Auswirkungen des Hypoparathyreoidismus
Es wird in der Literatur überwiegend den nicht chirurgische Hypopara oder Pseudohypopara beschrieben.
In den Studien gibt es überwiegend nur Fallberichte
a) bei nicht Chirugischen Hypopara :
Für den Zahnaufbau, -schmelzbildung ist es wichtig im welchen Lebensalter die Störung des Ca-Haushalt aufgetreten ist. Davon abhängig sind die verschiedenen Störungen (Schmelzhypoplasie,Schmelzopzitäten)
Es gibt Durchbruchsstörung oder die Verankerung des Zahnes im Knochen ist schlechter, weniger Zähne, Wurzelveränderungen.
Die Zahnschmelzbildung ( Verkalkung) ist unzureichend oder nicht vollständig ausgebildet.
Bei niedrigen PTH-Wert ist die Folge der Calcium-Wert sinkt , Phosphat-Wert steigt.
b) bei postoperativen Hypoparathyreoidismus
im Bereich von postoperativen Hypopara gibt es kaum Literatur über die Auswirkungen bzw. werden nur die Auswirkungen durch Folgetherapien bei Krebsbehandlungen, Strahlentherapie, Radiojodtherapien beschrieben.
Fazit: Keine Evidenz aktuell für erhöhtes Risiko von der Erkrankungen der Zähne bei postoperativen Hypopara.
3. Empfehlungen und -Fragen
Häusliche Zahnpflege und professionelle Präventionsmaßnahmen:
zu Hause möglich:
Professionelle Präventionsmaßnahmen in der Zahnarztpraxis:
Vorab-Fragen der Teilnehmer:
1.1 Ist die Neigung zu Zahnfleischentzündung bei Hypoparas größer?
Kein Hinweis auf Entzündungen, unter dem Referenzbereich Risiko höher für Entzündung
1.2a: Was können Hypoparas tun, um ihre Zähne möglichst lange gesund zu erhalten? Gibt es Erfahrung bezüglich Versiegelung und Verneers?
Keine Erfahrung bezüglich Vesiegelung, Verneers. Wenn erhöhtes Karierisiko besteht kann über Versiegelung gesprochen werden ( in der Regel im Kinder- Jugendalter)
1.2b: Was ist beim Zahnersatz speziell zu beachten? Gibt es Erfahrungen mit dem Einsatz und Einheilen von Implantaten
Maßgeblich ist die Primärstabilität, Hohe Knochndichte →Folge-> hohe Primärstabilität ->Folge-> weniger flexibel
PTH Gabe vor Implantat Einsetzung eventuell positiv
bei Implantaten soll der Kontaktpunkt zu anderen Zähne unter dem Kontaktpunkt der echten Zähne sein. Die echten Zähne sind im Knochen flexibler verankert und geben bei Druck nach, als die einzementierten Implantate ( Zähne sollen nicht ständig Kontakt haben)
Kieferaufbau eventuell notwendig im Individuellen
1.3: Treten vermehrt Wurzelentzündungen und gespaltene Zähne bei Hypoparas auf ?
Eher unwahrscheinlich gespaltenen Zähne oder Wurzelentzündungen aufgrund Hypopara
1.4.a: Ist eine nächtliche Knirscherschiene sinnvoll oder gar schädlich?
Nächtliche Schiene ist sinnvoll, wird aber von der Krankenkasse nicht ausreichend bezahlt
Wichtig ist zu wissen, wie die Kiefer im Kopf zu einander stehen, Vermessung der Schiene um die individuelle Einstellung zu erfahren. Zusatzkosten ca. 200,- €
Zahnschiene fördert unterbewusst den Speichelfluss ( Speichelfluss spült die Mineralien um die Zähne, versorgt diese mit Mineralien)
1.4.b: Was sind die Spätfolgen des Hypopara auf die Zähne?
Beim PTH-Mangel keine Freisetzung des Ca aus den Zähnen
1.5: – hypersensible Zähne
Sensible Zähne sind die Folgen der Fortschreitende Demineralisierung der Zähne.
Reminaliesierung durch fluoridhaltiger Zahnpasta 1000ppm
Desensibilisierung des freiliegenden Zahnbeines durch Lacke, Flüssigkeit Elmex geele
Empfehlung von einer Teilnehmerin bei Schmerzen: Sensodyne repair ( Nervenschmerz hört auf), Meridol zum Spülen und Zahnseide
Sonstige Fragen , Chatfragen:
Bei Neugeborenen: Verkalkungsprozess vor oder nach der Geburt
Ca- Haushalt einstellen, je länger der Mangel desto größer die Auswirkungen auf die Zähne, engmaschige Kontrolle durch den Zahnarzt
bei niedrigem Ca-Wert: Stücke von Zahnschmelz brechen ab
keine Erklärung dazu
Zahnarztinfo:
Tipps:
Zahnärzte/-innen sollten im Vorfeld über den Hypoparathyreoidismus aufgeklärt werden. Im Falle einer Tetanie kann so gegebenenfalls Calciumgluconat i. v. verabreicht werden.
Viele Grüße
Dolores