Hallo Oliver,
eigentlich sollte alle Patienten nach der Operation sofort die Schilddrüsenhormone bekommen.
Dann sollte ein Tumorboard darüber entscheiden, ob eine Radiojodtherapie empfohlen wird.
Die Empfehlung zu einer Radioiodtherapie soll auf der Basis des klinischen und histopathologischen Befundes im Tumorboard interdisziplinär getroffen werden.
Im Hintergrundtext der S3-Leitlinie Schilddrüsenkarzinom Version 1.0 steht dann:
Der/die Patient/in sollte zeitnah, d.h. in den ersten Tagen nach der Operation und nach der histopathologischen Diagnosestellung eines Schilddrüsenkarzinoms in der Nuklearmedizin vorgestellt werden. Dadurch werden eine Aufklärung in Hypothyreose vermieden und alle Aspekte der Therapieplanung (keine RIT, RIT mit endogener oder exogener TSH-Stimulation, Berücksichtigung vorhandener Komorbiditäten des Patienten u.a.m.) offengehalten. Die Indikationsstellung zur RIT erfolgt durch einen Arzt mit Fachkunde im Strahlenschutz – Nuklearmedizin [536][537][538]. Der Patient soll in angemessener Form in die Therapieentscheidungen einbezogen werden [539].
Wobei dort eigentlich ein anderer Text stehen sollte, um Missverständnisse zu vermeiden (leider durch einen menschlichen Fehler nicht aufgenommen).
In einer ausstehenden leicht korrigierten Version 1.1. der S3-Leitlinie sollte dann dieser Text stehen:
Um eine Aufklärung in Hypothyreose zu vermeiden, sind Patienten bei denen eine Radioiodtherapie erfolgen kann, sollte oder soll, nach der Operation mit L-Thyroxin zu substituieren oder zeitnah nach der Operation (vor Ausbildung einer Hypothyreose) in einer nuklearmedizinischen Therapiestation zur Beratung, Aufklärung über eine Radioiodtherapie und Festlegung des Therapiekonzepts vorzustellen.
Wichtig ist ja auch das interdisziplinäre Tumorboard, welches meist nur einmal die Woche tagt.
Bei klarer histopathologischer Indikation mit einer soll Empfehlung zur RJT wird meist nicht substituiert, und da muss die Aufklärung zeitnah dann erfolgen, und nicht erst nach Wochen.
Da bei Dir ja die Indikation für eine RJT eher nicht („sollte keine“) ist, finde ich das Vorgehen um es höflich zu formulieren, nicht sehr optimal.
Viele Grüße
Harald
Als Verein sind wird stärker: Vereinsmitglied werden
Online-Vorträge am 28. Februar zu Migräne und nichtalkoholische Fettleber