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kleines papilläres Schilddrüsenkarzinom mit geringem Rezidivrisiko (früher: papilläres Mikrokarzinom)

Bei diesem Überblicksartikel geht es um kleine papilläre Schilddrüsenkarzinom mit geringem Rezidivrisiko und den Therapie-Empfehlungen in den Leitlinien.

Begriffe / Definitionen / Klassifikationen

papilläres Mikrokarzinom (alter Begriff der nicht mehr verwendet wird)

Früher bezeichnete man alle papillären Schilddrüsenkarzinome, die ≤ 1 cm waren als papilläres Mikrokarzinom (engl.: papillary thyroid microcarcinoma; Abkürzungen: PTMC, microPTC). Da es aber auch histologisch risikoreiche Subtypen kleiner papillären Schilddrüsenkarzinome gibt, wurde mit der 5. WHO-Klassifikation 2022, die Klassifikation papilläres Mikrokarzinom aufgegeben.

siehe auch Wiki: Schilddrüsenkrebs nach WHO-Klassifikation (ICD‑O)

kleine papilläre Schilddrüsenkarzinom mit geringem Rezidivrisiko

Auch wenn es die WHO-Klassifikation papilläres Mikrokarzinom nicht mehr gibt, gibt es dennoch in den Leitlinien Empfehlungen für kleine papilläre Schilddrüsenkarzinom mit geringem Rezidivrisiko.

Von einem kleinem papillären Schilddrüsenkarzinom mit geringem Rezidivrisiko spricht man, wenn:

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Prognose

Das Risiko für ein Wiederauftreten des Schilddrüsenkarzinom ist sehr gering, wenn der Tumor chirurgisch entfernt wurde. Es ist auch möglich den Tumor für ein bis zwei Jahre alle 6 Monate zu beobachten (siehe Aktive Beobachtung = Active Surveillance)

Empfehlungen der Leitlinien

Therapie-Optionen:

Aktive Beobachtung = Active Surveillance

In der deutschen Wiki: S3-Leitlinie Schilddrüsenkarzinom (2025) wird für das papilläre Mikrokarzinom (PTMC;  hier wird die alte Klassifikation noch benutzt) auch die Beobachtung als ein Kann-Option empfohlen:

Expertenkonsens (EK)
Ein isoliertes unifokales PTMC ohne aggressive zytologische Merkmale und ohne Risikofaktoren kann beobachtet werden, wenn sich der Patient > 30 Jahre im Rahmen eines „informed consent“-Aufklärungsprozesses unter Berücksichtigung insbesondere der Größen- und der Altersabhängigkeit des Rezidivrisikos dafür entscheidet.
————————–
Starker Konsens (100%)

S3-Leitlinie Schilddrüsenkarzinom 2025, Empfehlung 5.2

In der amerikanische ATA-Leitlinie 2025 (siehe auch: Forenthema: ATA-Leitlinie für den differenzierten Schilddrüsenkrebs (Ringel 2025) erschienen) wird in der Recommendation 11 A. auch die Active Surveillance als Möglichkeit empfohlen.
Eine gemeinsame Entscheidungsfindung wird auch hier als wesentlich Bedingung vorausgesetzt:

RECOMMENDATION 11 A.
Active surveillance may be offered as an appropriate management option for some patients with cT1aN0M0 PTCs. Shared clinical decision-making between the patient and clinical team regarding risks and benefits of this approach is essential. (Conditional recommendation,
Low certainty evidence
)

Ringel 2025, S. 859

Die ATA empfiehlt bei aktiver Beobachtung den Ultraschall (RECOMMENDATION 12). Für die Frage, wie lange man aktive beobachten soll, gibt es keine gute Studienlage. In den ersten ein bis zwei Jahren solle alle 6 Monate, später dann jährlich mit Ultraschall kontrolliert werden (Ringel 2025, S. 861).

Eine Schilddrüsenoperation sei dann angezeigt (Recommendation 14, Ringel 2025, S. 861), wenn:

  • Anzeichen von Lymphknotenmetastasen
  • Primärtumor mehr als 3mm gewachsen
  • Fernmetastasen
  • Anzeichen, dass es ein extrathyrodale Ausbreitung gibt (Außerhalb der Schilddrüsenkapsel)
  • der Tumor nach hinten wächst (posterior growth)
  • Patient sehr ängstlich ist
  • Nachbeobachtung nicht möglich ist
  • Patient drückt Wunsch nach einer Schilddrüsenoperation aus

Siehe auch:

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Lokalablative Verfahren

Unter lokalablative Verfahren (engl. Percutaneous ablation) versteht man:

In der deutschen Wiki: S3-Leitlinie Schilddrüsenkarzinom (2025) wird auf die lokalablative Verfahren beim PTMC in Kapitel 5.3.1.2 eingegangen. Eine direkte Empfehlung für dieses Vorgehen gibt es nicht, außer dass auch hier ein interdisziplinäres Tumorboard eine Empfehlung für den Patienten mittragen solle, und diese Therapie möglichst im Rahmen von Studien stattfinden sollen.
Wichtig ist, dass die Patienten über die fehlende Histologie sowie die eventuell eingeschränkte Nachsorge mit dem Ultraschall aufgeklärt werden.

In der amerikanische ATA-Leitlinie 2025 (siehe auch: Forenthema: ATA-Leitlinie für den differenzierten Schilddrüsenkrebs (Ringel 2025) erschienen) wird in der Recommendation 11 B., ,den Patienten denen auch die Möglichkeit eines Active Surveillance als Möglichkeit empfohlen wird, kann als Alternative auch ein lokal-ablatives Verfahren angeboten werden:

RECOMMENDATION 11 B.
Ultrasound-guided percutaneous ablation may be considered as an alternative to active surveillance or resection for cT1aN0M0 PTC in selected patients. Shared clinical decision-making between the patient and clinical team regarding risks and benefits of this approach is essential. (Conditional recommendation,
Low certainty evidence
)

Ringel 2025, S. 859

Auch hier wird die gemeinsame Entscheidungsfindung zwischen Patient und dem Behandler Team hervorgehoben.

siehe auch: Forenthema: Cochrane: Minimalinvasive Therapien von gutartigen Knoten (Elizabeth Bandeira-Echtler et.al. 2014)

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Schilddrüsenoperation

Die Hemithyreoidektomie – Entfernung der Hälfte der Schilddrüse, in der der Tumor ist – gilt als ausreichende Therapie beim kleinen papillären Schilddrüsenkarzinom mit geringem Rezidivrisiko (früher: papilläres Mikrokarzinom). In der deutschen Wiki: S3-Leitlinie Schilddrüsenkarzinom (2025) ist es die Empfehlung 5.3:

Expertenkonsens (EK)
PTMC ohne Risikofaktoren sollten im Falle einer chirurgischen Behandlung durch eine Hemithyreoidektomie therapiert werden.
————————–
Starker Konsens (100%)

S3-Leitlinie Schilddrüsenkarzinom 2025, Empfehlung 5.3

Die amerikanische Leitlinie 2025 empfiehlt hier gleichfalls nur die Entfernung des Schilddrüsenlappens (Lobectomy = anderer Ausdruck für Hemithyreoidektomie) mit dem Tumor. Im Unterschied zur deutschen Leitlinie wird auch bei größeren Tumore die Hemithyreoidektomie empfohlen. ATA-Empfehlungen zum Ausmaß der Schilddrüsenoperation finden sich in RECOMMENDATION 15 (Ringel 2025, S. 861ff).

Siehe auch: Wiki: Hemithyreoidektomie beim Schilddrüsenkrebs – Überblick

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Rezidivrisiko

In der amerikanischen ATA-Leitlinie 2015 wird das Rezidivrisiko beim papillären Mikrokarzinom nach Operation mit ungefähr 1-2% nach erst Therapie angegeben. (Figur 4; Seite 42)
sowie ATA (2015): Risikogruppen beim differenzierten Schilddrüsenkrebs

Der postoperative Tg-Wert nach einer kompletten Entfernung der Schilddrüse kann zusätzlich als Indikation für oder gegen eine Radioiodtherapie benutzt werden; siehe ATA (2015): Postoperativer Tg-Wert, ob RJT indiziert.


Autor: Harald | Arbeitsgruppe: Arbeitsgruppe Differenzierter Schilddrüsenkrebs | Letzte Aktualisierung: 07.04.2026 von Harald | W-Nummer: 484720

Für wen ist dieser Beitrag von Interesse?

Einfach erklärt:

Kap. 3.2. Schilddrüsenkrebs unserer Broschüre:
Knoten der Schilddrüse und ihre Behandlung
Beobachten oder behandeln/operieren?

Andere Übersichten:


Autor: Harald | Arbeitsgruppe: Arbeitsgruppe Differenzierter Schilddrüsenkrebs | Letzte Aktualisierung: 07.04.2026 von Harald | W-Nummer: 484720

Erfahrungsberichte

  • Hier haben wir noch keine ausgewiesenen Erfahrungsberichte für die unterschiedlichen Therapieoptionen. Magst Du einen schreiben und anderen helfen?
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Forums-Gruppen

Betroffene für den Erfahrungsaustausch kann man über die Forums-Gruppe: kleine papilläre Schilddrüsenkarzinom mit geringem Rezidivrisiko (früher: papilläres Mikrokarzinom) finden.


Autor: Harald | Arbeitsgruppe: Arbeitsgruppe Differenzierter Schilddrüsenkrebs | Letzte Aktualisierung: 07.04.2026 von Harald | W-Nummer: 484720

Statement

Die aktive Beobachtung von papillären Mikrokarzinomen beruht vor allem auf Studie von japanischen Chirurgen, die hier Pionierarbeit leisteten.

Statement der japanischen, ärztlichen Fachgesellschaft für Schilddrüsenchirurgie: Indikation und Strategie für eine aktive Beobachtung beim PMTC (Sugitani 2021; DOI: 10.1089/thy.2020.0330 ) =>multidisziplinäres Team ist notwendig

Review:

  • Giuseppina Orlando, et al., 2022: Papillary Thyroid Microcarcinoma: Active Surveillance Against Surgery. Considerations of an Italian Working Group From a Systematic Review. in Front Oncol. 2022; 12: 859461.
    Published online 2022 Mar 23. doi: 10.3389/fonc.2022.859461

Studien

Achtung dies ist nur eine Auswahl von Studien. Um evidenzbasierte Aussagen machen zu können, ist es notwendig die Literatur-Datenbanken systematisch zu durchsuchen und in Evidenz-Tabellen auszuwerten. In hochwertigen Leitlinien wird dies gemacht, darum verweisen wir in erster Linie auf Leitlinien und nicht auf einzelne Studien.

Aktive Beobachtung (=Active Surveillance)

Häufigkeit von papillären Mikrokarzinomen

Langzeitfolgen der RJT

Genveränderungen

Forschungsprojekt:
Papillärer Schilddrüsenkrebs – Krebsgene
(Pressemitteilung 12.08.2008)


Autor: Harald | Arbeitsgruppe: Arbeitsgruppe Differenzierter Schilddrüsenkrebs | Letzte Aktualisierung: 07.04.2026 von Harald | W-Nummer: 484720

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