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Einnahme von Schilddrüsenhormonpräparaten

Kapitel 3. und 3.1.1. unserer Broschüre Mit Schilddrüsenhormonen leben! (Inhaltsverzeichnis)

Fehlende Schilddrüsenhormone ersetzen = Substitution

Einnahme von Schilddrüsenhormonpräparaten

Oft kann die Schilddrüse z. B. durch eine Autoimmunerkrankung oder nach einer Schilddrüsenoperation oder Radiojodtherapie nicht mehr selbst genügend Hormone herstellen. Damit der Körper trotzdem mit ausreichend Schilddrüsenhormonen versorgt wird, ist es notwendig, diese von außen zuzuführen. Die Einnahme der Schilddrüsenhormonpräparate erfolgt in den meisten Fällen dauerhaft.

Eine regelmäßige Einnahme ist wichtig. Über die Bindung derSchilddrüsenhormone an das Thyroxin-bindende-Globulin (TBG) im Blut, haben die Schilddrüsenhormone eine Depotwirkung (siehe Kapitel 2.3). Durch diese Depotwirkung bildet sich ein gleichmäßiger Schilddrüsenhormonspiegel im Blut, so dass bei kurzfristigen Änderungen der Dosis der Schilddrüsenhormontabletten, z. B. bei Vergessen einer Tablette, die Betroffenen keine Änderungen im Befinden wahrnehmen.

Anders als etwa noch vor 100 Jahren ist es heute kein Problem mehr Schilddrüsenhormone herzustellen. Der Herstellungsprozess ist jedoch überaus komplex, um sicherzustellen, dass die exakte Hormondosis auch stabil in den Tabletten vorhanden ist.

Über die Jahre kann sich der Bedarf an Schilddrüsenhormonen ändern, Schwangere benötigen mehr Schilddrüsenhormone und Ältere weniger Schilddrüsenhormone. Auch bei Gewichtszunahme werden höhere Dosen benötigt.

Sollten Sie schon länger Schilddrüsenhormone nehmen, weil Sie vor Jahren einen erhöhten TSH-Wert hatten, so empfiehlt sich die Überprüfung der Notwendigkeit der Einnahme der Schilddrüsenhormone bei Spezialist*innen, um die Vor- und Nachteile einer Schilddrüsenhormonsubstitution abzuwägen.

Welche Schilddrüsenhormonpräparate gibt es?

1. Levothyroxin-Präparate (L-T4) sind die erste Wahl

Frau, die eine kleine weiße Tablette mit einem Glaswaser einnimmt.

Levothyroxin (L-T4) ist das synthetisch hergestellte Schilddrüsenhormon T4. Aufgrund seiner Depot-Wirkung und der langen Halbwertszeit ist es für die Substitution gut geeignet. Präparate mit L-T4 haben den Vorteil, dass nur einmal am Tag eine Tablette genommen werden muss. Wenn einmal ein Gleichgewicht aufgebaut ist, dann findet nur sehr langsam ein Abbau statt. Ein einmaliges Vergessen der Tablette ist daher meist kein Problem. L-T4-Präparate sollen nüchtern, mindestens 30 Minuten vor dem Frühstück, am besten nur mit einem mineralarmen Wasser (Leitungswasser), eingenommen werden.

Aufnahme der Schilddrüsenhormone und Magensäure

Für das Schilddrüsenhormon L-T4 ist ein bestimmtes Milieu der Magensäure für die Aufnahme im Dünndarm optimal. Aus diesem
Grund ist auf folgende Punkte zu achten:

  • Schilddrüsenhormone nur mit Wasser mindestens eine halbe
    Stunde vor dem Frühstück einnehmen. Der Abstand zum Frühstück kann dabei auch größer sein. Wichtig ist, dass man auf leeren Magen die Schilddrüsenhormone einnimmt.Die Schilddrüsenhormone sollten auch nicht mit Säften, insbesondere Grapefruit-Saft, nicht mit Milch und ohne Kaffee und Tee eingenommen werden. Achtet man darauf, so ist die Uhrzeit der Einnahme nicht von Bedeutung (z. B. im Urlaub, am Wochenende).
  • Eisen- und Calcium-Präparate sollten mindestens 2, besser 4 Stunden nach den Schilddrüsenhormonen eingenommen
    werden.
  • Bei einer Gastritis (Magenschleimhautentzündung) kommt
    es zu einer Veränderung der Magensäure ebenso wie bei der Behandlung mit Protonenpumpenhemmern (Wirkstoffe sind: Omeprazol, Esomeprazol, Pantoprazol, Lansoprazol und Rabeprazol) oder mit säureneutralisierenden Antazida.
    Nach An- oder Absetzen sind immer auch die Schilddrüsenwerte zu kontrollieren und dann entsprechend die Schilddrüsenhormondosis anzupassen. Eine Infektion mit dem Helicobacter pylori macht oftmals eine Erhöhung der Schilddrüsenhormondosis notwendig, da die Schilddrüsenhormone dann schlecht durch den Dünndarm aufgenommen werden.

Für Schilddrüsenhormonpräparate, die nur das Schilddrüsenhormon Liothyronin (L-T3) enthalten, gelten die oben aufgeführten Punkte nicht. Auch zeigen neuere Studien, dass bei flüssigen Schilddrüsenhormonpräparaten, der Abstand zum Essen und zu Kaffee reduziert werden kann (Bei Kaffee auf 5 Minuten).

In der Regel erfolgt die Substitution mit einem L-T4-Präparat. Ist noch Schilddrüsengewebe vorhanden, so werden manchmal auch Kombinationspräparate von L-T4 und Jodid verschrieben.

Bis eine eingenommene Menge des Schilddrüsenhormons Levothyroxin (L-T4) zur Hälfte im Körper abgebaut ist, dauert es ca. 8 Tage. Entsprechend lange dauert es, bis der Körper einen stabilen Wert nach einer Dosisänderung aufgebaut hat. Kontrollen einer Dosisänderung mit Hilfe des TSH-Wertes sollen frühestens nach 6 Wochen erfolgen, da sich erst dann die Veränderungen auch im TSH-Wert widerspiegeln.

Umgekehrt machen sich Beschwerden auch nicht sofort bemerkbar, wenn die Hormonaufnahme verändert ist (z. B. Wechsel des Präparates etc.) und es dadurch indirekt zu einer Dosisänderung kommt.

Die meisten Menschen kommen sehr gut mit der Einnahme von Levothyroxin zurecht.

Levothyroxin gibt es in verschiedenen Dosierungen von 25 µg bis 200 µg und von mehreren Herstellern.

Wichtig ist jedoch, dass man bei einer guten Einstellung bei einem Hersteller bleibt. Grund dafür ist, dass durch die unterschiedlichen Träger- und Füllstoffe die Bioverfügbarkeit unterschiedlich sein kann, so dass auch bei gleicher Dosierung die verschiedenen Präparate nicht gleich stark im Körper wirken. Der Wechsel des Präparates kann daher wie eine Dosisänderung wirken.

Hinweisschilder Apotheken-Logo und grünes Kreuz

Apotheke darf Schilddrüsen-Hormon-Medikament nicht austauschen

Wird auf einem Rezept ein bestimmtes Schilddrüsen-Hormon-Medikament verschrieben, dann muss die Apotheke auch dieses Schilddrüsen-Hormon-Medikament abgeben. Die Apotheke darf ein Schilddrüsen-Hormon-Medikament nicht durch ein anderes Medikament ersetzen. Ein Wechsel des Medikaments kann einer Änderung der Dosis gleichkommen, da Medikamente zum Teil unterschiedlich gut aufgenommen werden.

Sollte dennoch der Hersteller gewechselt werden, empfiehlt es sich, nach ca. 4 – 8 Wochen die Blutwerte überprüfen zu lassen.
Viele Präparate enthalten neben anderen Füllstoffen Laktose (andere Schreibweise Lactose, Milchzucker). Für Menschen mit Laktose-Intoleranz gibt es auch Präparate ohne Laktose.

Anfangsdosis

Anfangsdosis:

Nach einer vollständigen Entfernung der Schilddrüse wird als Anfangsdosis 1,6 μg L-T4 pro Kilogramm Körpergewicht empfohlen.

Aufgrund der Depot-Wirkung von L-T4 ist eine Dosisanpassung nach minimal 3 Wochen möglich. Es wird jedoch meist ein Abstand von 4 bis 8 Wochen empfohlen.

Bei bestimmten Schilddrüsenkrebspatient*innen wird zu Beginn eine TSH-Unterdrückung angestrebt (TSH ≤ 0,1 mU/l; siehe Kap. 4.; S. 78)

Nahrungsmittel, aber auch Kaffee, Tee und Milch können die Aufnahme der Schilddrüsenhormone (L-T4) verhindern. Die Schilddrüsenhormone sollen daher mit reichlich Abstand vor bzw. nach den Mahlzeiten nur mit Leitungswasser eingenommen werden.

Bioverfügbarkeit

Wenn Medikamente mit der gleichen Dosis eines Wirkstoffes durch die Menschen unterschiedlich gut aufgenommen bzw. verwertet
werden, spricht man von einer unterschiedlichen Bioverfügbarkeit.

Bioäquivalenz-Grenzen

Innerhalb einer Produktionscharge und des Haltbarkeitszeitraums darf es beim zur Verfügung stehenden Wirkstoff nur eine geringe Schwankung geben. Die Bioäquivalenzgrenzen sollten bei Schilddrüsenhormonen möglichst gering sein. Von den zuständigen Behörden wird eine Schwankung von 80 % – 125 % akzeptiert, die jedoch in den nächsten Jahren verkleinert werden soll. Einige Hersteller haben diese Grenze bereits auf 90 % – 111 % verringert.

In einer Studie wurde die Schilddrüsenhormonaufnahme verglichen zwischen einer Einnahme 30 Minuten vor dem Frühstück und einer Einnahme eine Stunde vor dem Mittagessen. Hier zeigte sich,
dass die Schilddrüsenhormone vor dem Mittagessen trotz größeren Abstands schlechter aufgenommen werden.

Einige Studien zeigen, dass durch eine abendliche Einnahme eine bessere Resorption (Aufnahme) erreicht wird.

Manchen Betroffenen, die unter Herzrasen und Unruhe – vor allem in der Zeit nach der morgendlichen Einnahme des L-T4-Präparates – leiden bzw. gelitten haben, geht es wesentlich besser, wenn sie die Schilddrüsenhormone vor dem Schlafengehen (Abendeinnahme) einnehmen. Die Empfehlungen, wie lange man vor dem Schlafengehen nüchtern sein soll, liegen zwischen 2 bis 3 Stunden (siehe Erfahrungsbericht Abendeinnahme von Levothyroxin (L-T4) sowie Forums-Gruppe: Abendeinnahme von L-Thyroxin (L-T4)).

Aufbewahrung

Aufbewahrung der Schilddrüsen-Hormon-Tabletten

Medikamente sind in den meisten Fällen licht- und temperatur-empfindlich und sollten deshalb nicht der prallen Sonne ausgesetzt werden.

Die richtige Lagertemperatur ist auf der Verpackung vermerkt und sollte 25 Grad nicht überschreiten, da sonst die deklarierte Wirkstoffmenge nicht für den Haltbarkeitszeitraum gewährleistet ist.

Die Tabletten daher bei Raumtemperatur aufbewahren. In Hitzeperioden im Sommer bzw. in klimatisch sehr warmen Ländern kann die Lagerung bei Raumtemperatur zum Problem werden, wenn keine Klimaanlage vorhanden ist.

Die Lagerung der Schilddrüsen-Hormon-Tabletten im Kühlschrank wird nicht empfohlen, da hier vermutet wird, dass durch die Feuchtigkeit im Kühlschrank sich die Wirkstoffmenge bei dieser Lagerung verringert.

Ausnahme: Flüssige Schilddrüsen-Hormone müssen immer im Kühlschrank aufbewahrt werden.

Grundsätzlich Medikamente immer in der Originalpackung mit Beipackzettel aufbewahren.

2. L-T3-Präparate

3. Präparate aus getrockneten Schilddrüsen von Tieren und andere Schilddrüsenhormonpräparate

Exkurs: Schilddrüsenhormone in Lebensmitteln und Nahrungsergänzungsmitteln

Unserer Broschüre Mit Schilddrüsenhormonen leben! (Inhaltsverzeichnis)


Autor: Harald | Arbeitsgruppe: Arbeitsgruppe Schilddrüsenhormonsubstitution | Letzte Aktualisierung: 14.06.2022 von Harald W-Nummer: 407350

Einnahme von Tabletten mit Schilddrüsen-Hormonen

Wenn die Schilddrüse zu wenig Schilddrüsen-Hormone produziert, kann man diese in Tablettenform ersetzen.

Eine regelmäßige Einnahme ist wichtig.

Der Bedarf an Schilddrüsen-Hormonen kann sich über die Jahre ändern. Eine etwa einmal jährliche Kontrolle der Blutwerte ist notwendig. Bei Änderungen einer Medikation, d. h. wenn neue Medikamente hinzukommen oder die Dosis der Schilddrüsen-Hormone geändert wird, sind auch häufigere Kontrollen erforderlich.

Einnahme der Schilddrüsen-Hormone (Levothyroxin-Präparate)

Levothyroxin-(L-T4)-Präparate sollen nüchtern, mindestens 30 Minuten vor dem Frühstück, am besten nur mit einem mineralarmen Wasser (Leitungswasser), eingenommen werden.

Einnahme von Calcium- und Eisen-Präparaten in einem Abstand von 2 bis 4 Stunden (siehe auch Kap. 3.4 Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten und Nahrungsmitteln)

Alternativ können L-T4 Präparate auch vor dem Schlafengehen genommen werden, zuvor sollte man jedoch 2 bis 3 Stunden nichts gegessen haben (siehe Erfahrungsbericht: Abendeinnahme, das Leben hat mich wieder


Autor: Harald | Arbeitsgruppe: Arbeitsgruppe Schilddrüsenhormonsubstitution | Letzte Aktualisierung: 14.06.2022 von Harald W-Nummer: 407350

Der Erfahrungsaustauch zur Substitution mit Schilddrüsenhormonpräparaten findet in folgenden Foren statt:


Autor: Harald | Arbeitsgruppe: Arbeitsgruppe Schilddrüsenhormonsubstitution | Letzte Aktualisierung: 14.06.2022 von Harald W-Nummer: 407350

Hier nur eine willkürliche Sammlung von Verweisen auf andere Wiki-Artikel und Studien:

Anfangsdosis

Nahrungsmittel

  • Kaffee
    • Altered intestinal absorption of L-thyroxine caused by coffee.
      Salvatore Benvenga, et al.
      in: Thyroid. 2008 Mar;18(3):293-301. doi: 10.1089/thy.2007.0222. auf PubMed<<<<
      im Forum: FAQ: Kaffee behindert die Aufnahme der Schilddrüsenhormone
    • Bei flüssigen Schilddrüsenhormonpräparaten scheint es nach folgender Studie keine Probleme mit der Aufnahme zu geben, wenn man den Kaffee 5 Minuten nach der Einnahme zu sich nimmt:
      Kongressbericht Endocrine Society’s annual meeting 2022: Coffee consumption does not affect the absorption of liquid formulation of levothyroxine, study shows; news-medical.net 13.06.2022

LT4 fördert Krebswachstum?

Leicht erhöhtes Risiko für Krebs in Assoziation mit L-Thyroxin  Einnahme.

  • Levothyroxine treatment is associated with an increased relative risk of overall and organ specific incident cancers – a cohort study of the Swedish population
    Autor*innen: Per Wändell et. al.
    In: Cancer Epidemiology, Volume 66, June 2020, 101707 https://doi.org/10.1016/j.canep.2020.101707
    Diskussion in unserem Selbsthilfe-Forum: Leicht erhöhtes Risiko von Krebs durch L-Thyroxin?
  • Auf dem Treffen der Gruppenleiter*innen 2020 hat Prof. Dr. Joachim Feldkamp einen umfassenden Vortrag zum Thema LThyroxin und Krebswachstum? gehaltent, und die Stärken und vor allem Schwächen der in der Öffentlichkeit diskutierten Studien hervorgehoben. Fazit: Es braucht bessere Studien und Schilddrüsenhormone sollten (und müssen) nur bei eindeutiger Indikation verordnet werden; z. B. nach einer Schilddrüsenoperation.

LT3 fördert Krebswachstum?

  • Leese GP, Soto-Pedre E, Donnelly LA. Liothyronine use in a 17 year observational population-based study – the tears study. Clin Endocrinol (Oxf). 2016;85(6):918–925. https://doi.org/10.1111/cen.13052 („The TEARS data (38) raised the possibility of increased breast cancer risk.“ Johnklaas 2021, S.177)
  • Eine schwedische Studie konnte bei LT3 keine Assoziation zu Krebserkrankungen sehen:
    Tereza Planck, et al., 2021. Liothyronine Use in Hypothyroidism and its Effects on Cancer and Mortality. Thyroid. 2021 May; 31(5): 732-739. https://doi.org/10.1089/thy.2020.0388


Autor: Harald | Arbeitsgruppe: Arbeitsgruppe Schilddrüsenhormonsubstitution | Letzte Aktualisierung: 14.06.2022 von Harald W-Nummer: 407350

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