Surrogatparameter(Synonym: Surrogatmarker)
sind Blutwerte oder auch andere diagnostische Werte, mit denen Mediziner versuchen, den Ausbruch einer Krankheit vorherzusagen, den Verlauf und die Schwere einer Krankheit zu beschreiben oder auch den Erfolg einer Behandlung zu kontrollieren. Dieses Ansinnen ist sehr vernünftig, wenn es sich um langsam fortschreitende Krankheiten handelt und wenn durch die Kontrolle der Surrogatparameter weniger invasive und körperlich belastende diagnostische und therapeutische Behandlungen vermieden werden.
Die Tumormarker Thyreoglobulin und Calcitonin sind solche Surrogatparameter.
Surrogatparameter werden durch die moderne Evidenzbasierte Medizin (EBM) heftigst kritisiert, weil die Surrogatparameter oftmals nicht mit dem wirklichen Krankheitsverlauf übereinstimmen. Die EBM fordert daher, dass über Fragebögen, die Lebensqualität und Zufriedenheit der Patient*innen erfragt und gemessen weriden; siehe dazu PROMs und PREMs;
siehe auch Evidenzbasierte Medizin (EBM) - Was sind patientenrelevante Endpunkte?
sowie FAQ: Lebensqualität und Schilddrüsenwerte im Blut.
accelerated approval
= beschleunigte Zulassung; die accelerated approval durch die us-amerikanische Zulassungsbehörde FDA geschieht, wenn ein beträchtlicher Zusatznutzen vermutet wird. Die Zulassung basiert dabei einzig auf Daten von Surrogatparametern (z.B. Verringerung der Tumorgröße) und nicht auf Patienten relevanten Endpunkten (z.B. Lebensverlängerung oder Reduzierung von Schmerzen).
Die beschleunigte Zulassung bedarf jedoch noch weiterer Phase-IV-Bestätigungsstudien.
Die beschleunigte Zulassung sowie das europäische Pendant das Conditional Marketing Authorisation sind in der Evidenzbasierten Medizin (EbM) umstritten, weil nur Surrogatparameter für die Zulassung herangezogen werden und doppelt-verblindete, randomisierte Studie (RCT) mit der höchsten Evidenz erschwert bzw. unmöglich gemacht werden.
Siehe auch:
- Zulassung von Arzneimitteln (Übergeordneter Beitrag)
- FDA erlaubt Pembrolizumab bei allen soliden Tumoren
- FAQ-Hilfe: EBM - Was sind patientenrelevante Endpunkte?
- Phasen klinischer Studien
biochemisch unvollständiges Ansprechen der Therapie(BIR)(Synonyme: biochemisch inkomplettes Ansprechen, biochemical incomplete response)
Mit diesem Ausdruck wird eine Risikogruppe nach einer Krebstherapie beschrieben, bei der in der Bildgebung kein Tumor mehr zu finden ist, jedoch der Tumormarker (Thyreoglobulin beim DTC bzw. Calcitonin beim MTC) immer noch nachweisbar ist. Beim differenzierten Schilddrüsenkrebs siehe Wiki: Risikogruppen nach Operation und Radioiodtherapie und beim medullären Schilddrüsenkrebs Wiki: Calcitonin (Ctn) und CEA in der Nachsorge des medullären Schilddrüsenkrebs
- differenzierter Schilddrüsenkrebs: nach Schilddrüsenoperation und Radioiodtherapie ist in der Bildgebung (Ganzkörperszintigramm) kein Tumorgewebe mehr nachweisbar, der Thyreoglobulin-Wert ist jedoch:
- >=1ng/ml unter TSH-Unterdrückung,
oder - unter TSH-stimulation >= 10ng/ml
oder - steigende TAK-Werte; siehe Forenthema: ATA (2015): Risikogruppen beim differenzierten Schilddrüsenkrebs
- >=1ng/ml unter TSH-Unterdrückung,
- medullärer Schilddrüsenkrebs: nach einer Schilddrüsenoperation ist der basale Calcitonin (Ctn) größer als der Referenzbereich und <= 150 pg/ml, so geht man von einem biochemisch inkompletten Ansprechen der Therapie aus. Beim Ctn Werten unter 150 pg/ml ist die Tumormasse so gering, dass sie in der Regel in der Bildgebung nicht sichtbar ist.
Früher wurde auch der Begriff biochemical disease (biochemische Krankheit) benutzt, dieser Begriff führt jedoch oft zur Übertherapie, weil es sich nur um Laborwerte (= Surrogatparameter) handelt mit einem bestimmten Risiko für eine Erkrankung bzw. Rezidiv.
Blutwerte
Fast alle Blutwerte, die man in einem Labor bestimmt, sind Surrogatparameter für das Befinden der Patient*innen, da die meisten Substanzen, z.B. Hormone nicht im Blut wirken, sondern in den verschiedenen Körperzellen. Die Bestimmung in diesen Körperzellen würde jedoch vielfach invasivere Methoden erfordern bzw.dürften gar unmöglich am Lebendenobjekt zu bestimmen sein;
siehe dazu
- Wiki: Wirkung der Schilddrüsenhormone in den Zellen
- Wiki: Schilddrüsenwerte im Blut von gesunden Menschen
- Wiki: Schilddrüsenhormoneinstellung und Blutwerte
- Forenthema: Lebensqualität und Schilddrüsenwerte im Blut Warum ein einzelner Blutwert wenig Aussagekraft hat (Offline Nr. 10, 6.2013)
- Forenthema: Nachsorge – differenzierter Schilddrüsenkrebs (Übersicht)
- Wiki: Nachsorge medullärer Schilddrüsenkrebs – Übersicht
- Wiki: Hypoparathyreoidismus – Übersicht
Conditional Marketing Authorisation(CMA)
Wenn eine Therapie bei einer schwerwiegenden Krankheit, wo es keine anderen therapeutischen Optionen gibt, einen beträchtlicher Zusatznutzen vermuten lässt, kann die EMA bereits auf Grund der Basis von Phase I und II -Studien eine bedingte Marktzulassung erteilen.
Durch die us-amerikanische Zulassungsbehörde FDA gibt es die beschleunigte Zulassung (=accelerated approval).
Diese beiden Zulassungsverfahren sind in der Evidenzbasierten Medizin (EbM) umstritten, weil nur Surrogatparameter für die Zulassung herangezogen werden und doppelt-verblindete, randomisierte Studie (RCT) mit der höchsten Evidenz erschwert bzw. unmöglich gemacht werden.
siehe auch Zulassung von Arzneimitteln (übergeordneter Beitrag)
humoral(Synonym: humores)
= Körpersäfte; ein humoraler (lat.: humores) Tumormarker ist einer der über das Blut oder andere Körperflüssigkeiten bestimmbarer Marker, um Verlauf und Schwere einer Krebserkrankung zu bestimmen. siehe auch Surrogatparameter
Lebensqualität(QOL, QoL)(Synonym: quality of life)
wird im englischen Studien mit QOL (quality of life) abgekürzt. Gute Medikamenten- und Therapiestudien sollten immer auch die Lebensqualität der Patient*innen erheben (siehe PROMs), oftmals werden jedoch nur Surrogatparameter erhoben. Es gibt dann noch Studien, die sich ganz speziell um die Lebensqualität einer Therapie / Krankheit kümmern:
- Studien zur Lebensqualität, ob die ganze oder nur ein Lappen der Schilddrüse entfernt wurde (siehe Wiki: Hemithyreoidektomie beim Schilddrüsenkrebs – Überblick)
- Studien zur Lebensqualität unter Schilddrüsenhormonsubstitution
- Studien zu Lebensqualität bei Hypoparathyreoidismus : Online-Befragung (2020-2021) zur Versorgung und Lebensqualität von Hypoparas – Ergebnisse
- Wiki: Studien zur Lebensqualität von Schilddrüsenkrebspatient*innen – eine Auswahl
Objective Response Rate(ORR)
deutsch: objektive Ansprechrate ist ein Surrogatparameter der von den Zulassungsbehörden (FDA bzw. EMA) definiert wird, als ein Anteil der Patient*innen mit objektiviertem Ansprechen (nach zuvor definierter Vorgaben, z.B. RECIST-Kriterien, mit denen das Wachstum und das Ansprechen von Tumoren auf Therapien dokumentiert wird.)
(Quelle: FDA: Clinical Trial Endpoints for the Approval of Cancer Drugs and Biologics Guidance for Industry; Dezember 2018)
Patient Reported Outcome Measures(PROM, PROMs)
sind Rückmeldungen der Patient*innnen zu ihrem Gesundheitszustand, zu ihrer Lebensqualität. Dies geschieht meist über allgemeine und krankheitsspezifische Fragebögen. Ergänzt werden können diese durch Patient-Reported Experience Measures (PREMs). Von der evidenzbasierten Medizin werden PROMs für die Nutzenbewertung von Therapien eingefordert, da Blutwerte oder z.B. Tumorwachstum (PFS) lediglich Surrogatparameter für die Lebensqualität sein können.
progression-free survival(PFS)
ist die Zeit vom Beginn einer Studie bis zu dem Zeitpunkt, wenn der Tumor weiter wächst. PFS ist ein Surrogatparameter wie ein Tumormarker im Blut. Ob eine Tumor gewachsen ist, wird nach den RECIST-Kriterien beurteilt.
siehe dazu FAQ-Hilfe: EBM - Was sind patientenrelevante Endpunkte?. Andere Endpunkte sind kranheitsfreies Überbleben (DFS) oder Event-free survival (EFS)
Response Evaluation Criteria in Solid Tumors(RECIST)
Mit den RECIST-Kriterien soll das Wachstum und das Ansprechen von Tumoren auf Therapien in Studien dokumentiert werden.
Im Jahr 2009 wurde die neue RECIST-Leitlinie (Version 1.1.) veröffentlicht:
New response evaluation criteria in solid tumours:
Revised RECIST guideline (version 1.1);
Das Bundesamt für Strahlenschutz hat eine RECIST-Leitlinie herausgegeben zur "Genehmigungsbedürftigkeit radiologischer Untersuchungen zu Therapie-Monitoring und Follow-Up bei palliativen medikamentösen Therapien in der Onkologie".
Eine Veränderung des Tumorwachstum nach RECIST ist auch nur ein Surrogatparameter und kann patientenrelevante Endpunkte in Studien nur sehr eingeschränkt ersetzen (siehe: FAQ-Hilfe: EBM - Was sind patientenrelevante Endpunkte?).
Schulmedizin
dieser Begriff wird oft abfällig von Anhänger*innen der alternativen Medizin benutzt, im Sinne die Schulmedizin sei eine nicht-ganzheitliche Medizin, welche die Bedürfnisse der Patient*innen nicht berücksichtige. Kritiker der alternativ Medizin benutzen daher lieber den Begriff evidenzbasierte Medizin (EbM), um darauf zu Verweisen, dass ein Nutzen über Studien nachgewiesen ist, und jederzeit über qualitativ bessere Studien in Frage gestellt werden kann, in dem der Nutzen über patientenrelevante Endpunkte und nicht über Surrogatparameter nachgewiesen ist; siehe auch Forenthema: FAQ-Hilfe: EBM – Was sind patientenrelevante Endpunkte?
Tumormarker
sind Stoffe, die Rückschlüsse auf das Vorhandensein bzw. den Verlauf von (bösartigen) Tumoren ermöglichen: siehe Thyreoglobulin für den differenzierten Schilddrüsenkrebs (DTC) und Calcitonin für das medulläre Schilddrüsenkarzinom (MTC).
Tumormarker sind Surrogatparameter und stehen in der Kritik der Evidenzbasierten Medizin (EBM)
Volume reduction rate(VRR)
(deutsch: Tumor bzw. Metastasen Volumen Reduktions Rate) ist ein Surrogatparameter, um den Behandlungserfolg einer Therapie zu beschreiben. Ob einen VRR mit einer besseren Lebensqualität und einem längeren Gesamtüberleben (OS) einhergeht, muss durch Studien jeweils überprüft werden.