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Studie: Erfolgreiche Ablation macht high-risk zu low-risk

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Harald(Bundesgeschäftsführer
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BeitragStudie: Erfolgreiche Ablation macht high-risk zu low-risk

 
Verfasst am: 31. Mai 2011, 23:04
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Studie: Erfolgreiche Ablation macht high-risk zu low-risk

Bericht vom Vortrag von Dr. Frederik Verburg (Würzburg) auf
unserem 11. Großen Herbsttreffen 2010 in Nürnberg


Alle Patienten mit der Diagnose Krebs stellen sich Fragen wie: Wie ist meine
Lebenserwartung? Werde ich an diesem Krebs sterben? Und wann?

Die Lebenserwartung von Patienten mit dem differenzierten Schilddrüsenkrebs (papillär und follikulär) gilt im Allgemeinen als überaus gut. Allerdings kann der Schilddrüsenkrebs auch nach mehreren Jahren, gar Jahrzehnten erneut auftreten (Rezidiv). Auch gibt es Betroffene unter uns, die an Schilddrüsenkrebs starben bzw. sterben werden.

Ärzte stehen daher vor der schwierigen Aufgabe, Schilddrüsenkrebspatienten mit einem erhöhten Rezidiv-Risiko zu identifizieren und möglichst gut zu therapieren. Auf der anderen Seite sollen Patienten mit geringerem Risiko nicht unnötig verängstigt und übertherapiert werden.

Im Ratgeber Schilddrüsenkrebs (2011) der Deutschen Krebshilfe wird z.B. für das papilläre Schilddrüsenkarzinom eine „Zehn-Jahres-Überlebensrate“ von 85-95 Prozent angegeben.

In der europäischen Leitlinie wird zwischen low-risk- und high-risk-Patienten anhand der Tumorgröße und dem Vorhandensein von Lymphknoten- bzw. Fernmetastasen unterschieden (siehe Link innerhalb des ForumsFAQ: Europäische Leitlinie zur Behandlung von SD-Krebs.).


Foto: (privat): Dr. F. Verburg

Schon im Jahr 2005 konnte Dr. Frederik Verburg durch eine Analyse des Utrechter Studienregisters zeigen, dass eine erfolgreich durchgeführte Ablation (kein Nachweis von Schilddrüsenrestgewebe und Metastasen sowie unauffälliger TG-Wert) sowohl für das Überleben, als auch für das Auftreten eines Rezidivs ein entscheidender Faktor ist.
In der Gruppe mit erfolgreicher Ablation trat nach 10 Jahren lediglich bei 13% ein Rezidiv auf, in der Gruppe ohne erfolgreiche Ablation trat hingegen bei 51% ein Rezidiv auf. Auch beim Überleben zeigte sich, dass nach 10 Jahren in der ersten Gruppe noch 93% lebten, gegenüber lediglich 73% in der zweiten Gruppe. Diese Daten wurden mit der so genannten Kaplan-Meier-Methode errechnet. Bei dieser statistischen Methode wird jedoch z.B. nicht berücksichtigt, dass ältere Menschen eine kürzere Lebenserwartung haben. Aggressivere und fortgeschrittene Schilddrüsenkarzinome treten jedoch häufiger in höherem Alter auf.
(siehe dazu auch: Link innerhalb des Forums Studie Nach Ablation kein Unterschied zw. low-&high-risk
-Beitrag von Sönnchen scheine! aus 2009)

Verburg hat sich daher die Daten des Würzburger Studienregisters auch in Hinblick auf Alter und Geschlecht angeschaut und sie mit der Lebenserwartung der Allgemeinbevölkerung verglichen.
Verburg kommt nach der Analyse zu dem Schluss, dass nach einer erfolgreichen Ablation sehr selten Rezidive auftreten, und dass bei einer stadiengerechten Behandlung auch die Lebenserwartung der meisten Schilddrüsenkrebspatienten normal ist.
Lediglich bei Patienten mit Fernmetastasen, die zum Zeitpunkt der Erstdiagnose schon älter als 45 Jahre waren, ist die Lebenserwartung deutlich eingeschränkt. Bei allen anderen ist die durchschnittliche Lebenserwartung selbst wenn Lympknoten- oder Fernmetastasen zum Zeitpunkt der Erstdiagnose vorliegen, nahezu bzw. nur geringfügig eingeschränkt.

In einer weiteren Analyse aus dem Jahr 2010 konnte Verburg zusammen mit anderen Kollegen zu dem aufzeigen, dass Patienten, die mit der Erstdiagnose als high-risk eingestuft wurden, nach erfolgreicher Ablation das gleiche Risiko hatten an einem Rezidiv zu erkranken wie low-risk-Patienten (insgesamt 509 Patienten). Im Beobachtungszeitraum von bis zu 21 Jahren trat bei 96,6% der Patienten kein Rezidiv auf; alle Rezidive traten innerhalb 5 Jahren nach der Erstbehandlung auf. Lediglich 3 Patienten sind am Schilddrüsenkrebs verstorben. Mit diesen Zahlen ließen sich jedoch keine Unterschiede beim Überleben der beiden Gruppen feststellen. Die Forscher stellen aufgrund des geringen Risikos eines Rezidivs nach erfolgreicher Ablation daher die ursprüngliche Risikoeinteilung (Staging) in Frage.

Diese Ergebnisse sind vor allem für die Patienten beruhigend, die anfänglich als high-risk eingestuft wurden. Der Erfolg einer Ablation ist allerdings abhängig vom TG-Wert zum Zeitpunkt der Ablation und vom Vorhandensein von Lymphknoten- oder Fernmetastasen.

Links zu den englisch sprachigen Abstracts:

Dieser Beitrag ist auch in unserem gedruckten Newsletter: Link innerhalb des Forumswww.sd-krebs.de - Offline (Nr. 6; Juni 2011)

Viele Grüße
Harald

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Zuletzt bearbeitet von Harald am 19. Nov 2012, 12:58, insgesamt einmal bearbeitet
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urumchiOffline
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OP Juli 2009, pap. S...
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 (p102564)
Verfasst am: 07. Jun 2011, 16:05
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Eine Sache würde mich noch interessieren: was genau heißt eigentlich „erfolgreiche Ablation“? In dem Beitrag auf „Nature.com“ ist ja die Rede von „negative thyroglobulin levels after stimulation by TSH.“ Vermutlich heißt das, auch in Unterfunktion bzw. nach Thyrogenspritzen darf gar kein TG nachweisbar sein, oder? Und wenn ja: da stand nicht dabei (oder ich habe nicht gesehen), was für eine Nachweisgrenze deren TG-Tests hatten?

Oder sind da diese Grenzwerte gemeint, die bei den TG-Tests (jedenfalls bei meinen) als pathologisch gelten, nämlich 0,5 bei Tabletteneinnahme und 2,0 in UF oder nach Thyrogenspritzen?
Grüße - Urumchi

Nachtrag: bei Springer-Link heißt es "509 were identified as successfully ablated based on both undetectable stimulated serum thyroglobulin in the absence of antithyroglobulin antibodies and (...)" Das habe ich ja leider nicht. Unter TSH-Suppression schon "undetectable", aber nach Thyrogenspritzen einmal 0,3 und einmal (anderes Labor) 0,46.
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Harald(Bundesgeschäftsführer
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 (p102568)
Verfasst am: 07. Jun 2011, 18:10
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Hallo,

also bei dem Zitat aus dem Artikel von Verburg in "nature.com" bezieht dieses sich ja selbst auf den Artikel von Tuttle, R. M. et al. Estimating risk of recurrence in differentiated thyroid cancer after total thyroidectomy and radioactive iodine remnant ablation: using response to therapy variables to modify the initial risk estimates predicted by the new american thyroid association staging system. Thyroid 20, 1341–1349 (2010).
(siehe Risikoanpassung nach Erfolgreicher Abaltion (Tuttle 2010))

Und dort wird die erfolgreiche Ablation definiert:
  • Stimulierter TG kleiner 1ng/mlL (Stimuliert mit Unterfunktion oder rhTSH; Sind Antikörper gegen TG = TAK vorhanden lässt sich keine Aussage zum TG machen, d.h. aber nicht dass man dann high-risk ist, sondern man kann eben keine Aussage machen; siehe dazu Link innerhalb des Forums FAQ: Thyroglobulin-Antikörper und SD-Krebs-Nachsorge)
    und

  • kein sichtbaren Anzeichen der Krankheit (im Ganzköprerszintirgramm, Ultraschall, ... ; "without structural evidence of disease").


Als nicht erfolgreich gilt die Ablation, wenn innerhalb der ersten zwei Jahre in der Nachsorge
  • der TG unter Schilddrüsenhormonen größer 1ng/mL ist
    oder
  • der stimulierte TG größer 10 ng/mL ist
    oder
  • der TG-Wert steigend ist.
    oder
  • im Ultraschall, Szintigramm, ... die Krankheit sichtbar ist.


Viele Grüße
Harald

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urumchiOffline
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 (p102585)
Verfasst am: 08. Jun 2011, 11:11
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oh, danke, das erleichtert mich jetzt doch. Very Happy
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jockel(Fördermitglied)Offline
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pap. SD-CA T2N0M1pulmo
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 (p102591)
Verfasst am: 08. Jun 2011, 15:44
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Hallo,
sehr interessante Studie. Vielen Dank für die Auswertung! Ich finde es toll, dass wir hier im Forum wirklich super über den aktuellen Erkenntnisstand informiert werden!

Für diejenigen, die sich genau zwischen per Definition erfolgreicher und nicht erfolgreicher Ablation befinden, lässt sich aus der Studie wohl nichts entnehmen, oder? Wenn der TG unter Stimulation zwischen 1 und 10, aber unter Suppression unter 1 ist, ist die Ablation dann als erfolgreich oder als nicht erfolgreich zu bezeichnen? weder noch?
Naja, wäre ja auch zu schön gewesen, so einfach ins "low risk" zu schlüpfen...
Grüße,
Jockel
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