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FAQ: Molekulare Mutationen beim Schilddrüsenkrebs

FAQ: Molekulare Mutationen beim Schilddrüsenkrebs

| Beitrags-ID: 254935

Update: 13.09.2021

Hallo,

dieser Beitrag beruht auf einem frei zugänglichen Artikel der beiden Pathologen Susan J Hsiao und Yuri E Nikiforov (2014). Er gibt einen guten Überblick über den Stand des Wissen über somatische Mutationen beim Schilddrüsenkrebs.

Der Überblicksartikel wird von mir auch durch weitere speziellere Studien ergänzt und aktualisiert.

  • Molecular approaches to thyroid cancer diagnosis. Thematic ReviewAutor*innen:
    Susan J Hsiao and Yuri E Nikiforov

    in:
    Endocr Relat Cancer. 2014 Oct;21(5):T301-13.
    doi: 10.1530/ERC-14-0166

    Artikel frei zugänglich: Überblick: Molekulare Mutationen beim SD-Krebs (Hsiao & Nikiforov 2014)

  • Thyroid cancer: ESMO Clinical Practice Guidelines for
    diagnosis, treatment and follow-up
    Autor*innen: S. Filetti1, C. Durante, D. Hartl, S. Leboulleux, L. D. Locati, K. Newbold , M. G. Papotti & A. Berruti,
    on behalf of the ESMO Guidelines Committee*

    in: Annals of Oncology 30: 1856–1883, 2019
    doi:10.1093/annonc/mdz400
    Published online 24 September 2019

Das Wissen kann/könnte (!) hilfreich sein bei der:

Hierzu braucht es jedoch noch mehr Wissen und Studien.
In allen neueren Leitlinien zu den Schilddrüsenkarzinomen wird auf diese Mutationen bereits eingegangen.
Am weitesten ist das Wissen beim familiären medullären Schilddüsenkarzinom; siehe dazu auch die Broschüre Familiäres medulläres Schilddrüsenkarzinom (MEN2).

Wichtig dafür ist auch ein Grundverständnis wie eine Zelle funktioniert und wie sie zu einer Krebszelle wird.
Hier empfiehlt sich die Buch-Lektüre: Transformation eine Zelle wird zu Krebs (Klußmeier 2016).

Dieser Beitrag hier soll ein wenig helfen Ausführungen zu Mutationen beim Schilddrüsenkrebs zu verstehen.

Diese ist im wesentlichen eine gekürzte von mir übersetzte Wiedergabe des ersten angeführten Artikels (ohne Gewähr!). Auf die verschieden Einsatzmöglichkeiten neuer molekularer Marker bei der Feinnadelpunktion und genexpressions Test mit mRNA, die ein groß Teil des Textes ausmachen, gehe ich nicht ein.

Konnte man 1990 die Pathogenese der Schilddrüsenkarzinome zu ca. 25 % verstehen (RAS und RET/PTC), so liegt dies im Jahr 2014 nach Hsiao & Nikiforov bei ca. 90%:

Somatische Mutationen beim Schilddrüsenkrebs:

  • RAS
  • RET/PTC
  • TP53
  • TRK
  • PTEN
  • β-catenin
  • PAX8/PPARγ
  • BRAF
  • PIK3CA
  • BRAF/AKAP9
  • AKT1
  • ETV6/NTRK3
  • STRN/ALK

(Hsiao & Nikiforov 2014)

Aus der Thyroid cancer: ESMO Clinical Practice Guidelines (2019) stammt folgende gekürzte Tabelle (1):

Folgende Mutationen / Genveränderungen können (!; nicht müssen)bei folgenden Schilddrüsenkarzinomen vorkommen:


(Figur 2; Vergrößerung im original Artikel auch als Powerpoint-Download für die Lehre möglich.)

Man hat vor allem zwei so genannte Signalwege identifiziert, die für das Wachstum von Schilddüsenkrebszellen verantwortlich sind:

  • MAPK – Signalweg
  • PI3K/AKT – Signalweg
    auch MET (hepatocyte growth factor receptor)-PI3K (phosphoinositide-3-kinase)-AKT (α-serine/threonine-protein kinase) Signalweg

Der MAPK-Signalweg ist meist aktiviert / hoch reguliert durch ein Punktmutationen des BRAF und RAS-Gens und Rearrangements (=Umstrukturierung) der RET/PTC und TRK.

Die Punktmutation BRAF findet man bei ca. 45% der Papillären Schilddrüsenkarzinome (die Spanne reicht je nach Land jedoch zwischen 20-80%; in Deutschland bei 40-50 %; Musholt 2104). Zu 98-99% handelt es sich um die BRAF V600E (Betrifft Codon 600), in den anderen Fällen u.a. um BRAF K601E.

RAS-Gene (HRAS,KRAS und NRAS) sind G-Proteine die beide Signalwege betreffen.
Punktmutation der RAS-Genen findet man bei 40-50% der follikulären Schilddrüsenkrarzinome und bei 10-20% der papillären Schilddrüsenkarzinome (meist die follikuläre Variante des papillären Schilddrüsenkarzinoms)
Allerdings sieht man auch in 20-40% in den gutartigen follikulären Adenomen RAS-Mutation. HRAS und KRAS Mutationen findet man auch im medullären Schilddrüsenkarzinom.

  • Update 5.6.2020: RAS-mutated sporadic medullary thyroid cancer: A single-center experience.
    (Quelle: ASCO 2020, Spandana Brown, et.al, The University of Texas MD Anderson Cancer Center; DOI:
    10.1200/JCO.2020.38.15_suppl.6584 )
    Unter 218 Patient*innen mit sporaischen Medullären Schilddrüsenkrebs (sMTC) hatten 42 (19%) eine RAS-Mutation; davon

    Die Patient*inne waren bei erst Diagnose im Mittel 50 Jahre (28-78 Jahre); 26 (63%) hatten brereits Stage IV.

    HRAS Q61R mutations were associated with a better prognosis, with 100% 10-year OS compared with 10-year OS of 39% and 51% (p = 0.02) for other HRAS and KRAS mutations respectively.

  • Update: 2.6.2016: Not All RAS Mutations Mean Thyroid Cancer, New Review Finds
    American Association of Clinical Endocrinologists 2016 Annual Meeting; May 28, 2016; Orlando, FL. Abstract 1168 (Quelle: medscape.com(2.6.2016)

Das RET-Gen ein Rezeptor Tyrosinkinase und kommt in den C-Zellen vor.

    • Die

RET-Mutation

RET-Rearrangements kommen hingegen bei 10-20% der papillären Schildrüsenkarzinome vor. Am häufigsten sind die Typen RET/PTC1 und RET/PTC3. Diese werden meist bei Kindern und Jugendlichen sowie Patienten, die in der Vergangenheit erhöhter Strahlung ausgesetzt waren, gefunden.

PAX8/PPARγ – Rearrangements werden in 30-40% der follikulären Schilddrüsenkarzinome gefunden, aber auch in geringem Maße auch bei der follikulären variante des papillären Schilddrüsenkarzinoms als auch gutartigen follikulären Adenomen/Neoplasien.

Die Bedeutung des PI3K/AKT Siganlweg wird durch Mutationen in PIK3CA und AKT1 genauso aktiviert wie druch die Inktivierung von PTEN (negative Regulierung). die PTEN-Mutationen wurden in follikulären und anaplastischen Schilddrüsenkarzinomen gefunden.
PIK3CA wurde in follikulären, wenig-differenzierten und anaplastischen Schilddrüsenkarzinomen gefunden.
AKT1 findet man in Metastasen des Schilddrüsenkarzinoms

Weitere Genmutation betreffen TP53 und CTNNB1 (β-catenin).

TP53 ist ein Tumorsuppressor-Gen, das eine wichtige Rolle in der der Regulation des Zell-Zyklus und der DNA-Reperatur spielt. Diese Gen-Mutationen betreffen vor allem mehr aggressive Tumore (anaplastische Schilddrüsentumore sowie in 22% von onkozytären follikulären Schilddrüsenkarzinomen).
TP53 Mutation kommen häufig in wenig- und undifferenzierten Schilddrüsenkarzinomonen vor, und sehr selten bei den gut differenzierten papillären (<1%) und follikulären (11%) Schilddrüsenkarzinomen (Paula Soares 2017).
Eine umfrangreiche Auswertung von Feinnadelpunktionsergebnissen zeigte, dass lediglich 0,6% eine TP53-Mutation hatten. Von allen Knoten die eine TP53 Mutation hatten waren 86% gutartige Adenome. 87% von diesen hatte zudem  weitere  Genveränderungen.  Es bleibt die offene FRage, ob guteartige Adenome mit einer TP53-Mutation Vorläufer einens anaplastischen Schilddrüsenkarzinom (ATC) sind ( Nikitski 2021)

Ferner spielen Mutationen beim TSH-Rezeptor (TSHR) eine Rolle bei der Entwicklung von gut und bösartigen Schilddrüsentumoren. Kommt zusätlich einen Mutation in GNAS vor, dann sei dies ein Marker für einen gutartigen Tumor.

Die Mutation des RET Gen wird beim medullären Schilddrüsenkrebs gefunden, sowohl beim sporadisch auftreten als auch beim familiären Schilddrüsenkrebs.
Wobei die Mutation RET M918T in 75% der medullären Schilddrüsenkarzinome gefunden wird.

Neue molekulare Marker zur Diagnose von Schilddrüsenkrebs

Zusätzlich zu den Rearrangements vvon RET/PTC und PAX8/PPARg , welche in ca. 15% der Schilddrüsentumore gefunden werden, werden neue Rearrangements gefunden welche NTRK und BRAF betreffen.
Weitere neue Rearrangements, die eher selten sind: AKAP9, NTRK1, MAPK, ETV6-NTRK3, STRN, ALK.

Von größerem Interesse ist eine Mutation des Telomerase reverse transcriptase (TERT) promoter. TERT wird nicht in gutartigen Tumoren gefunden, und scheint vor allem einer Rolle beim fortgeschrittenen Schilddrüsenkarzinom zu spielen.

    • TERT promoter Mutationen kamen in einer Studie an 469 Schilddüsenkarzinomen vor:
      • 8% (n=25) beim PTC
      • 17% (n=12) beim FTC
      • 29% (n=9) beim PDTC
      • 33% (n=12) beim ATC

Quelle:
TERT promoter mutations are a major indicator of poor outcome in differentiated thyroid carcinomas.
Autoren: Melo M, Soares, P et.al.
in: J Clin Endocrinol Metab. 2014 (Freier Artikel über pubMed


Molekulare Marker und Prognose für Schilddrüsenkrebspatienten

Molekulare Marker dürften in der Zukunft eine größere Rolle bei der Prognose sein, und besser die Patienten zu identifizieren zu können, welcher einer aggressiveren Behandlung bedürfen.
Am meisten dürfte hier BRAF V600E beim papillären Schilddüsenkrebs von Bedeutung sein, es wird jedoch betont, dass das Risiko für ein Rezidiv auch bei vorliegen einer BRAF-Mutation immer noch sehr gering ist, auch wenn es schlechter ist, wie wenn diese Mutation nicht vorliegt. Mit BRAF lässt sich sehr sicher ein pappilläres Schidldüsenkarzinom erkennen (hohe Senistiviät), die BRAF-Mutation sage jedoch wenig über die Prognose aus, ob es sich um eine aggressivere Variante des Schilddrüsenkrebs handelt (geringe Spezifität).

Aggressiver seien vor allem Tumore bei denen mehrere Mutationen vorliegen (PIK3CA, AKT1, oder TP53) zusätzlich zu BRAF oder RAS.
Ebenso spielten Mutationen des TERT Promoter ein Rolle beim aggressiven Schilddrüsenkrebs. Beim follikulären Schilddrüsenkrebs wurden die TERT-Mutationen C228T und C250T gefunden.

Viele Grüße
Harald

weitere Marker, die nicht in diesem Artikel erwähnt werden:

  • Lopez-Campistrous A 2016: PDGFRα Regulates Follicular Cell Differentiation Driving Treatment Resistance and Disease Recurrence in Papillary Thyroid Cancer.

weitere Literatur:


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  • Dieses Thema wurde geändert vor 1 Monat von Harald.
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Antwort auf: FAQ: Molekulare Mutationen beim Schilddrüsenkrebs

| Beitrags-ID: 366093

Hallo,

auch diesen Beitrag habe ich aktualisiert.

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Harald

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