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Ein durchweg positiver Bericht (zum Mut machen)

Ein durchweg positiver Bericht (zum Mut machen)

| Beitrags-ID: 258866

Hallo zusammen,

nachdem ich mich nach der Diagnose pap. SD-Karzinom im Juli 2018 (der Knoten war ca 1,1 cm groß und gut abgekapselt) im Internet herumgetrieben habe und nur Horrorstorys lesen musste, welche mich vor meiner zweiten OP und der anschließenden Radiojotherapie fast an den Rand des Nervenzusammenbruchs gebracht haben,
dachte ich mir ich schreibe jetzt einmal einen positiven Erfahrungsbericht, damit Leute die es, wie ich, nicht lassen können und googeln müssen auch einmal etwas positives lesen.

Also:
Im Juli 18 hatte ich die erste OP des damals noch vermutet gutartigen Knotens im Diakonieklinikum Stuttgart. Ein TOP KH mit super Ärzten! Dr.Smaxville ist ein absoluter Engel.
Er brachte mir dann auch das Ergebnis mit und obwohl es Glück im Unglück war, dass das Teil so früh erkannt und entfernt wurde, war ich natürlich erst einmal geschockt.

Für die komplett OP entschied ich mich etwas zu warten und lies diese im Oktober 2018 ebenfalls von Dr.Smaxville machen. Wieder ohne Probleme, ich hatte nicht mal wirklich eine kratzige Stimme, nur etwas Halsweh. Es lief alles ganz super, habe genau eine Schmerztablette gebraucht, OP dienstags, donnerstag vormittag war ich schon wieder daheim.

Ich wurde mit L-Thyroxin 100 entlassen bis nach der Radiojodtherapie da dann die Dosis noch etwas verändert werden sollte.

Und dann ging der Horror los. Ich hatte so panische Angst vor der Radiojodtherapie!
Keine Ahnung warum. Vielleicht dieser unspezifischer Zeitraum (3-10 Tage), Angst vor Langeweile, keine Ahnung, aber ich habe mich total verrückt gemacht.
Jetzt gerade schreibe ich aus dem Robert-Bosch Krankenhaus in Stuttgart diese Zeilen.
Hier mache ich die Radiojodtherapie und ich sage nur: HABT KEINE ANGST!
Oh man es ist alles halb so wild. Sehr nettes Personal, ich habe eine sehr liebe ältere Bettnachbarin und es ist alles absolut nicht schlimm hier (und das Essen is Klasse)

Kurz etwas zum Ablauf der RJT:

Vorab: Montag und Dienstag bekam ich jeweils eine Thyrogenspritze welche ich ohne Probleme vertragen habe.

Mittwoch-Tag 1
9 Uhr antreten, Blut abnehmen, Zimmer zeigen und alles erklärt bekommen, dann gegen 13 Uhr kam die Tablette (ist klein und leicht zu schlucken, wie z.b. eine Grippostadkapsel)
danach 2h nüchtern bleiben und dann gab es Essen.

Donnerstag- Tag 2
Frühstück, Mittag, Abendessen. Ich hatte viel Beschäftigung dabei (habe Weihnachtsgeschenke und Karten gebastelt, Geschenke online bestellt, unseren nächsten Urlaub geplant, gemalt …)
Hier gibt es an jedem Bett einen echt großen Bildschirm mit Touch zum fernsehen, einfach herrlich, es fehlt an nichts!

Freitag-Tag 3
Der Messwert zu gestern ist ordentlich gefallen, allerdings sagte mir niemand was das jetzt genau heißt, ich wusste aber bereits mittwochs, dass der Arzt mich Samstags messen würde

Samstag- Tag 4
Der Arzt war da. Morgen geht’s nach Hause! Ich kann es kaum glauben, aber ja, es waren am Ende nur 4 Nächte (in einem sehr bequemen Bett!)
Als Tipp: Trinkt viel! Wirklich viel, Ich kam sicher auf 3 Liter am Tag und das hat sicher nicht geschadet.

Ich kann euch nur sagen. Diese Zeit während der RJT nutzt sie! Macht Dinge die ihr sonst daheim nicht macht weil ihr immer abgelenkt seid. Nehmt euch einfach mal raus und Zeit für euch. Ich bin ein wahnsinnig aktiver und hibbeliger Mensch der immer Action braucht und diese Auszeit hier, gerade weg von den eigenen 4 Wänden tat so gut! Man hat kaum das Gefühl in einem KH zu sein, man kann sich mal wieder Zeit nehmen in Ruhe Dinge zu machen oder einfach mal ganz ungeniert nen faulen Tag vor dem TV verbringen ohne das der Haushalt oder die Arbeit einem im Nacken sitzt. Ich hatte selten so tolle Weihnachtsgeschenke wie dieses Jahr, weil ich einfach einmal die Zeit hatte mir Gedanken zu machen und zu recherchieren :-)

Gestern (Montag) ging es nochmal ins RBK zur Ganzkörperszintigraphie. Nach 30 min unter dem Scanner (so fühlt man sich ^^) war alles erledigt.
Die Gewebereste (zum Glück nur sehr wenig) haben das Jod super aufgenommen, die Tumormarker sind alle unauffällig. D.h. Im April werde ich noch einmal für 3 Tage zur RJD auf Station gehen (diesmal ohne Angst) und dann hoffe ich, das Kapitel endgültig ablegen zu können.

Also nochmal für alle die das alles noch vor sich haben:

1. Hört auf zu googeln! Jeder Mensch ist individuell und nur wenige Menschen schreiben im Internet wenn etwas gut gelaufen ist. Im Normalfall macht man sich nur bemerkbar, wenn etwas schlecht lief.
2. Begebt euch in gute ärztliche Obhut. Ich habe mich die ganze Zeit so getragen und ja fast schon überversorgt gefühlt, es war ganz toll. Ich kann Euch das Diakonieklinikum und das Robert-Bosch Krankenhaus in Stuttgart nur empfehlen.

Und zum Thyroxin: Die Tabletten vertrage ich super. Die ersten zwei Wochen waren natürlich etwas holprig, aber ich habe null Probleme. Anstatt Depressionen, Haarausfall und 20kg mehr, habe ich mittlerweile kaum noch Stimmungsschwankungen, einen regelmäßigen Zyklus und sogar 2kg abgenommen (bin generell schlank)
Hätte ich vorher gewusst (und weniger gegoogelt) das ein Leben ohne Schilddrüse so sein kann, hätte ich mir das Ding vermutlich schon 2014, als der Knoten entdeckt wurde entfernen lassen.

So viel zu meiner Story. Das wollte ich einfach mal loswerden und hoffe jemandem die Angst nehmen zu können.

Haltet die Ohren steif :-)

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Antwort auf: Ein durchweg positiver Bericht (zum Mut machen)

| Beitrags-ID: 384388

Ein toller, positiver Bericht. Danke hierfür und alles Gute für Dich! 🍀

PS: Ich habe bisher ähnlich gute Erfahrungen gemacht. Also, das Leben geht weiter! 😊

1 Nutzer*in hat sich für diesen Beitrag bedankt.
Mag
Nutzer*In

Antwort auf: Ein durchweg positiver Bericht (zum Mut machen)

| Beitrags-ID: 384389

Vielen lieben Dank für den positiven Bericht.
Ich werde die RJT am Freitag antreten und fühle mich schon gelassener.

Ich mag positive Menschen.
LG Mag

Antwort auf: Ein durchweg positiver Bericht (zum Mut machen)

| Beitrags-ID: 384390

Hallo zusammen!

Es sind jetzt einige Monate seit meinem ersten Beitrag vergangen und ich möchte Euch jetzt ein kurzes Update zu meiner „Lage“ geben.

Nach der RJT wurde ich mit L-Thyroxin 150 eingestellt, was sich allerdings im Jaunar dann als deutlich zu viel herausstellte.
Nachdem es mir zunächst super gut ging, war ich plötzlich wie zweigeteilt.
Motiviert – aber der Schwung hat gefehlt
AUfgedreht – zu Tode erschlagen
Schwitzen, das generelle Gefühl von ständigem Stress, alles war irgendwie zu viel.
Das ging so weit, dass ich mir ein paar Tage Auszeit nehmen musste.

Die Tabletten wurden dann auf 137-er reduziert, was nach einigen Wochen auch besser anschlug.
Da ich aber gemerkt habe, dass ich einfach mein „Energiekonto“ besser im Blick haben muss, habe ich mich jetzt für die Zeit der Überfunktion (also bis Ende 2019) entschieden, beruflich etwas kürzer zu treten und am 2020 dann wieder normal weiter zu machen (bei uns ist das zum Glück möcglich)

Vergangenes Wochenene war nun meine Radiojoddiagnostik.
VOn Fr-Mo früh war ich wieder im Robert-Bosch KH in Stuttgart und habe mit einer sehr netten Nachbarin das Wochenende verbracht :-)

SO und jetzt die Ergebnisverkündung:
ALLES IST WEG! Kein Gewebe mehr da, keine auffälligen Tumormarker, KEINE Schilddrüse und KEIN KREBS!
Es ist soooo unfassbar befreiend das hier zu schreiben und im Kopf ist es auch noch gar nicht angekommen, dass jetzt alles vorbei sein soll.

Ab jetzt darf ich auch auf 125er runter, da der TSH immernoch bei 0,05 ist und ein Wert um die 0,5 genügt.

Ich blicke durchweg positiv in die Zukunft und auch in die Vergangenheit und sage, dass es natürlich ansrengend war, aber der Richtige Weg.
Noch immer gibt es, bis auf diese „Problemchen“ mit der Einstellung NICHTS negatives zu berichten.

Wenn ihr diesen Weg jetzt vor Euch habt. Geht ihn, habt keine Angst! Alles wird gut und behaltet immer diesen Moment im Auge wenn euch gesagt wird „Sie sind gesund“ :D

Alles Liebe Euch und ich hoffe, der Beitrag konnte etwas Mut machen (sonst berichten alle ja immer nur schlechtes)
Havanana

6 Nutzer*innen haben sich für diesen Beitrag bedankt.

Antwort auf: Ein durchweg positiver Bericht (zum Mut machen)

| Beitrags-ID: 384391

Falls das noch jemanden interessiert :-)

Kleines Update nach knapp 2,5 Jahren ohne SD. Mir gehts immernoch sehr gut, bis auf gelegentlich anstrengende Tage die aber vermutlich auch jeder Mensch hat, ich arbeite wieder Vollzeit und bisher auch hier sehr erfolgreich.

Bedingt durch das vermehrte HomeOffice bin ich auch (noch) mehr in Bewegung gekommen, weshalb im Dez 2020 meine Thyroxindosis auf 137 erhöht wurde. Aktuell ist meine Überfunktion dadurch relativ stark (TSH 0,15) jedoch aushaltbar.
Was mir bewusst aufgefallen ist. Seit ich keine Schilddrüse mehr habe fühle ich mich wieder wie „ich selbst“ ich hatte oft Stimmungsschwankungen und war auch öfters in Selbstzweifeln und am Grübeln was eigentlich gar nicht meiner Natur entspricht. Seit ich ein konstantes Level an Hormonen habe ist das wie weggeblasen.
WItzig: Die zu niedrige Hormondosierung habe ich bemerkt, als ich plötzlich wieder vermehrt unter Stimmungsschwankungen und Grübeleien litt (der Wert war dann bei 1,52)

Mein größtes „Problem“ ist die Konzentration. Ja die geht gerne Flöten und ich lass mich gerne ablenken wie ein kleiner Hundewelpe, aber hier ist einfach Training gefragt denn auch das kann an in den Griff bekommen.

Was mir sehr sehr hilft und ich hier jedem empfehlen würde ist der Schwerbehindertenausweis. Durch eine 50% Schwerbehinderung stehen einem 5 Tage mehr Urlaub zur Verfügung welche mir persönlich spürbar gut tun. So kann ich, wenn es mal wieder zu viel wird, mit einer kleinen Auszeit eingreifen, bevor es zur totalen Erschöpfung kommt.

Also ihr seht, das Leben geht weiter auch ohne Schilddrüse und es ist immernoch (oder plötzlich :-)) wunderschön :-)

Alles Gute!

4 Nutzer*innen haben sich für diesen Beitrag bedankt.

Antwort auf: Ein durchweg positiver Bericht (zum Mut machen)

| Beitrags-ID: 384392

Hallo,

habe die Frage von Meeara abgetrennt zu einem eigenen Thema: Zufallsbefund: Schilddrüsenknoten 2 cm, Blutwerte?.

Viele Grüße
Harald

Anonym
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