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FAQ: Verhütung aus Sicht der Frau und des Mannes nach RJT

FAQ: Verhütung aus Sicht der Frau und des Mannes nach RJT

| Beitrags-ID: 242934

Update: 16.07.2020

Hallo,

die Handlungsempfehlung: Radioiodtherapie (RIT) beim differenzierten Schilddrüsenkarzinom (2015) der Deutschen Gesellschaft für Nuklearmedzin (DGN) geben bezüglich der Verhütung einer Schwangerschaft nach einer Radiojodtherapie bei Schilddrüsenkrebs folgende Empfehlung:

Ausschluss Schwangerschaft und Stillperiode. Nach ablativer RIT/RIT von Metastasen wird die Vermeidung einer Schwangerschaft durch konsequente Kontrazeption für 6 – 12 Monate bei gebärfähigen Patientinnen bzw. für 4 Monate bei Patienten empfohlen. Beschrieben sind erhöhte Abort- und Frühgeburtraten bei Patientinnen mit Schilddrüsenkarzinom, die innerhalb des ersten Jahres nach einer Radioiodtherapie schwanger wurden (Schlumberge 1996). Bei Patienten mit einem Schilddrüsenkarzinom ist der Lebenszyklus der Spermatozoen von 4 Monaten Basis dieser Empfehlung (Pacini 2006).Das Stillen ist etwa 8 Wochen vor einer I-131-Applikation zu beenden, um die Strahlenexposition der Mammae und des Kindes zu begrenzen.

Pacini F, Schlumberger M, Dralle H, Elisei R, Smit JWA, Wiersinga W and the European Thyroid Cancer Taskforce. European consensus for the management of patients with differentiated thyroid carcinoma of the follicular epithelium. Eur J Endocrinol 2006; 154: 787-803.

Schlumberger M, de Vathaire F, Ceccarelli C et al. Exposure of radioactive iodine-131 for scintigraphy or therapy does not preclude pregnancy in thyroid cancer patients. J Nucl Med 1996; 37: 606-612.

(Download 4.02.2017)

Ergänzung 30.4.2008 und 26.9.2019
Auf dem Nuklearmedizinischen Kongress hat Prof. Dietlein bezüglich der neuen Leitlinien hierzu noch weiter ausgeführt, dass wenn bei jungen Männern, wenn sie zu einer höhere Risikogruppe gehören und die Wahrscheinlichkeit besteht, dass die Gesamtdosis der noch durchzuführenden RJT > 15 GBq sein wird, diesen Männern empfohlen wird ihr Sperma konservieren zu lassen, da das Risiko einer Azoospermie (= es werden nicht mehr ausreichend Samenzellen gebildet) besteht.

siehe dazu:

Zur Konservierung von Eizellen liegen keine Daten vor.

Zur Reduzierung der Strahlenbelastung der Geschlechtsdrüsen wird geraten, reichlich zu trinken und häufig die Harnblase zu entleeren, sowie eine Verstopfung zu vermeiden.
(siehe auch FAQ: Was für Strahlen gehen vom radioaktivem Jod aus? Strahlenschutz)

Studien:

  • Impact on testicular function of a single ablative activity of 3.7 GBq radioactive iodine for differentiated thyroid carcinoma.
    Bourcigaux N, et al.
    in Hum Reprod. 2018 Jun 15. doi: 10.1093/humrep/dey222. (pubMed)

    Diese Studie untersuchte die Spermienkonzentration zu drei Zeitpunkten:

    Es wurde beobachtet, dass die Spermienkonzentration nach 3 Monaten signifikant niedrig war, sich jedoch 13 Monate später wieder bis zum Ausgangswert erholt hat, sich also wieder normalisiert hat.

    Es wird allerdings auch erwähnt, dass die Qualität der Spermien auch nach 13 Monaten schlechter war als vor der Radioiodtherapie.

    Anmerkung: Offen bleibt die Frage, ob der Effekt ein anderer ist, wenn die RIT mit rhTSH anstelle einer Schilddrüsenunterfunktion durchgeführt wird.

  • Association Between Pregnancy Outcomes and Radioactive Iodine Treatment After Thyroidectomy Among Women With Thyroid Cancer.
    Kim HO, et.al.
    in: JAMA Intern Med. 2019 Oct 21. doi: 10.1001/jamainternmed.2019.4644. (pubMed)

    Eine retrospektive Studie aus Südkorea, in der 111 459 Frauen, im Alter von 20 bis 49 Jahren, eingegangen sind.

    Wenn die Empfängnis mehr als 6 Monaten nach der letzten Therapie stattfand, konnten keine Auffälligkeiten bei Schwangschaftsabbrücken, Frühgeburten oder angeborenen Fehlbildungen festegestellt werden.

Viele Grüße
Harald


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sd-wirbel
Nutzer*In
SD-CA med.+papillär/Hypopara, OP 2007, RJT, RJD, AHB+onk.Reha: Allgäu /

Antwort auf: FAQ: Verhütung aus Sicht der Frau und des Mannes nach RJT

| Beitrags-ID: 308118

Harald, gut dass Du das gefunden hast und reinstellst.

Ich hatte vor und nach der RJT Gespräche mit Radiologen u. anderen Ärzten (die die Wirkungen der Radioaktivität ausschließlich nach den Grenzwerten der Strahlenschutzbehörden beurteilen) die Strahlungs-Obergrenze unterschritten, also: -> „raus aus dem KH“ -> „keine Vorsorge nötig!“.
Da gab es keine Diskussionsbasis!

Es ist uns selbst überlassen uns, unsere Kinder und unsere Umwelt durch Vorsichtsmaßnahmen zu schützen.
Man muss es nur immer wieder bekannt machen.

Das bedeutet nicht, dass wir eine solche radiologische Therapie / Untersuchung gar zukünftig meiden, nur sollten wir verantwortungsvoll damit umgehen.

Ich danke Dir für den Beitrag.

Gruß vom Wirbel

Golfrausch
Nutzer*In
Follikuläres SD Karzinom pT3 N0 M0 V0 R0, Rekurenzp., Thyreoplastik- OP,

Antwort auf: FAQ: Verhütung aus Sicht der Frau und des Mannes nach RJT

| Beitrags-ID: 308119

Danke Harald für diesen Auszug,

denn hatte bisher nichts aus Sicht des Mannes gefunden, ab wann man nach einer RJT mit der Familienplanung wieder anfangen kann.

Das Leben geht immer weiter ❗

Antwort auf: FAQ: Verhütung aus Sicht der Frau und des Mannes nach RJT

| Beitrags-ID: 308120

Hallo,

auf dem Nuklearmedizinischen Kongress hat Prof. Dietlein bezüglich der neuen Leitlinien hierzu noch weiter ausgeführt, dass wenn bei jungen Männern, wenn sie zu einer höhere Risikogruppe gehören und die Wahrscheinlichkeit besteht, dass die Gesamtdosis der noch durchzuführenden RJT > 15 GBq sein wird, diesen Männern empfohlen wird, ihr Sperma konservieren zu lassen, da das Risiko einer Azoospermie (= es werden nicht mehr ausreichend Samenzellen gebildet) besteht.

Viele Grüße
Harald

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Sven1982
Nutzer*In

Antwort auf: FAQ: Verhütung aus Sicht der Frau und des Mannes nach RJT

| Beitrags-ID: 308121

Harald, diese Empfehlung bezieht sich wenn ich es richtig verstehe rein auf die rein technisch vielleicht nicht mehr gegebene Fähigkeit Kinder zu zeugen, oder?

Gibt es Meinungen und Berichte zu möglichen Schädigungen des ungeborenen Kindes durch RJT/RJD und wie verhält es sich mit einem möglicherweise stark erhöhten Risiko an SD-Krebs zu erkranken für das Kind?

Gemeinsam sind wir stärker!!! :daumen:
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Sven1982
Nutzer*In

Antwort auf: FAQ: Verhütung aus Sicht der Frau und des Mannes nach RJT

| Beitrags-ID: 308122

Wenn ich es richtig verstanden habe gelten die 4 Monate nur nach der letzten Radiojodtherapie.

Eine eventuelle Radiojoddiagnostik stellt wegen der erheblich geringeren Aktivität wohl kein Problem dar.

Gemeinsam sind wir stärker!!! :daumen:
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rike 5880
Nutzer*In
fol. sd-ca pT1 pNO MX

Antwort auf: FAQ: Verhütung aus Sicht der Frau und des Mannes nach RJT

| Beitrags-ID: 308123

so, gebe hier jetzt auch mal meinen senf dazu….

ich bin im juli 08 an sd ca operiert worden und ende august zur rjt gegangen. habe dann vom pius hospital ol bzw von dem oberarzt gesagt bekommen, halbes jahr nicht schwanger werden… daraufhin habe ich mir ein schreiben von den nukis geben lassen womit das belegt wird das ich verhüten muss und habe das dann bei der krankenkasse vorgelegt und die haben dann die pille bzw die kosten übernommen… gleiches spiel im nov da war dann ne rjd angesagt und wieder ne beleg geholt und noch mal halbes jahr pille auf kosten der krankenkasse… mein gyn hatte mir ohne probleme ein kassenrezept aufgeschrieben. meine schonzeit is mittlerweile um, aber kinderkriegen is noch nicht drin… bzw nicht geplant… :8)

liebe grüße rike

x103
Nutzer*In

Antwort auf: FAQ: Verhütung aus Sicht der Frau und des Mannes nach RJT

| Beitrags-ID: 308124

Abgesehen vom Thema Verhütung. Geht bzw. wie lange geht eine Gefahr von Körperflüssigkeiten (Sperma/Vagina) nach einer RJT aus? Gibt es hier Empfehlungen? Sollte noch einige Tage mit dem Geschlechtsverkehr usw. gewartet werden?

Antwort auf: FAQ: Verhütung aus Sicht der Frau und des Mannes nach RJT

| Beitrags-ID: 308125

Abgesehen vom Thema Verhütung. Geht bzw. wie lange geht eine Gefahr von Körperflüssigkeiten (Sperma/Vagina) nach einer RJT aus? Gibt es hier Empfehlungen? Sollte noch einige Tage mit dem Geschlechtsverkehr usw. gewartet werden?

Hallo ,

gute Frage.
Ich glaube nicht, dass dieser Frage schon nachgegangen wurde.

Würde mich erstmal an den Empfehlungen orientieren, in denen es darum geht, dass man ein separates Handtuch für eine bestimmte Zeit benutzen soll.
Und am besten den behandelnden Nuklearmediziner bei der Entlassung fragen.

Viele Grüße
Harald

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Antwort auf: FAQ: Verhütung aus Sicht der Frau und des Mannes nach RJT

| Beitrags-ID: 308126

Hallo,

hier nun ein gute Nachricht:
Kryokonservierung von Ei- und Samenzellen als GKV-Leistung (16.7.2020)

Viele Grüße
Harald

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