Achtung

Ratschläge auf der Website können keinen Arztbesuch ersetzen
Okay

Studie – Häufigkeit und Sterblichkeit beim Schilddrüsenkrebs in den USA (Megwalu 2022)

Die Studie ist eine retrospektive Auswertung eines US-amerikanischen Krebsregisters. Es soll untersucht werden wie sich die amerikanische Leitlinien der ATA 2009 und 2015 zum differenzierten Schilddrüsenkrebs auf die Häufigkeit (Inzidenz) und Sterblichkeit (Mortalität) ausgewirkt hat.

Dr. Uchechukwu Megwalu and Mr. Peter K Moon
Thyroid Cancer Incidence and Mortality Trends in the United States: 2000 – 2018
in: Thyroid, 2022 Feb 8. doi: 10.1089/thy.2021.0662 . Online ahead of print.

Hier erst mal nur die Schlussfolgerung der Studie.

Achtung dies ist nur eine Studie. Um evidenzbasierte Aussagen machen zu können, ist es notwendig die Literatur-Datenbanken systematisch zu durchsuchen und in Evidenz-Tabellen auszuwerten. In hochwertigen Leitlinien wird dies gemacht, darum verweisen wir in erster Linie auf Leitlinien und nicht auf einzelne Studien.

Für wen von Interesse?

Bei dieser Studie geht es um Empfehlungen der amerikanischen ATA-Leitlinie: Differenzierter Schilddrüsenkrebs (2015), die weniger totale Entfernungen der Schilddrüse empfiehlt und weniger Radioiodtherapien. Diese Empfehlungen werden nicht von allen Fachgruppen geteilt. Die europäische Fachgesellschaft der Nuklearmedizin (EANM) hat so früh, die Empfehlungen kritisiert, siehe EANM kritisiert ATA-Leitlinie 2015 zum dif. SD-Krebs

Fragestellung

Hintergrund der Studie ist, dass in den USA in den letzten Jahrzehnten die Inzidenz von Schilddrüsenkrebs zugenommen hat, und es ab 2013 vermutlich eine Umkehr gab. Diese wollte man genauer untersuchen.

Methode

Um die Inzidenz und die Steblichkeit pro Inzidenz beim Schilddrüsenkrebs zu ermitteln, wurden die Daten aus dem Krebsregister (im Abstract nicht genannt; vermutlich das US-amerikansiche Krebsregister SEER) ausgewertet. Es wurden die Daten von Schilddüsenkrebserkrankten und Todesfällen im Zeitraum 2010 bis 2018 erfasst. Und es wurden die jährlichen Veränderungen nach einer statistischen Methode in Prozent-Werten erfasst.

Ergebnisse

Es wurden insgesamt 197.070 Patient*innen mit Schilddrüsenkrebs erfasst:

  • 75,6 % waren Frauen
  • 81,0% waren Weiße
  • 89,1% hatten das papilläre Schilddrüsenkarzinom (PTC)

Die Inzidenzrate stieg vom Jahr 2000 bis 2009 pro Jahr um 6,80 % (Annual percent change = APC).

Von 2009 bis 2014 stieg die Inzidenz nur um 2,58%.

Und von 2014 bis 2018 (Ende des Untersuchungszeitraums) ist die Inzidenz um 2,33 % pro Jahr gefallen.

Dieser allgemeine Trend entspricht auch dem Trend beim papillären Schilddrüsenkrebs (PTC) ingesamt, dem PTC, welches auf die Schilddrüse begrenzt ist, und den pappillären Mikrokarzinomen (≤ 1,0 cm; PMTC). Die Inzidenz von Fernmetastase ist im Zeitraum 2015 bis 2018 gefallen (-17,86 % APC)

In den letzten 4 bis 6 Jahre (2012/14- 2018) zeigte sich bei der Tumorgröße:

  • ≤ 1,0 cm: Inzidenz ist stark gefallen um 5,83 % pro Jahr
  • 1,1 bis 2,0 cm: Inzidenz ist leicht gefallen um 0,10 %
  • 2,1-4,0 cm: Inzidenz ist leicht gestiegen 1,12%
  • >4, 0 cm: Inzidenz ist leicht gefallen um 1,13%

Die Sterblichkeit bezogen auf die Inzidenz ist den Jahren 2000-2018 im Durchschnitt um 1.35% pro Jahr gestiegen.

Schlussfolgerung

Die Autoren dieser Studie kommen zum Schluss, dass die Empfehlungen der amerikanischen ATA-Leitlinie: Differenzierter Schilddrüsenkrebs (2015) (Wiki), auf der einen Seite dazu geführt hat, dass weniger kleinst Tumore entdeckt werden, und damit Betroffene weniger unnötigen Therapien zugeführt wurden. Auf der anderen Seite werden aber auch weniger fortgeschrittene Tumore >2 cm erkannt, und es wird vermutet, dass dies zu einer inzidenz-bezogenen Steigerung der Sterblichkeit (Mortalität) beim Schilddrüsenkrebs in den USA geführt hat.


Autor: Harald | Arbeitsgruppe: Arbeitsgruppe Differenzierter Schilddrüsenkrebs | Letzte Aktualisierung: 23.08.2022 von Harald | W-Nummer: 414533

Knoten der Schilddrüse

Knoten in der Schilddrüse kommen relativ häufig vor.

Schilddrüsenkrebs ist hingegen eine seltene Erkrankung.

Um gute von bösartigen Schilddrüsenknoten zu unterscheiden braucht es ein gute Diagnostik.

Eine einfache Erklärung findet sich hier: Schilddrüsenknoten – Diagnostik

Welcher Schilddrüsenkrebs, welche Therapie?

Falls bei Ihnen Schilddrüsenkrebs festgestellt wurde, richten sich die weitere Behandlung sowie die Heilungschancen danach, um welche Form von Schilddrüsenkrebs es sich handelt.

Eine einfache Erklärung findet sich hier: Schilddrüsenkrebs

Relative und absolute Risiken von Schilddrüsenerkrankungen

Was ist eine Leitlinie, was ist eine Richtlinie?

In Leitlinien ….


Autor: Harald | Arbeitsgruppe: Arbeitsgruppe Differenzierter Schilddrüsenkrebs | Letzte Aktualisierung: 23.08.2022 von Harald | W-Nummer: 414533

ATA-Leitlinie 2015 – Kontroversen

Insbesondere die US-amerikanische Leitlinie der ATA 2015, die die Risikoklassifizierung weiter dahin veränderte, dass weniger Tumore eine vollständige Entfernung der Schilddüse (Total Thyreoidektomie) erhielten und weniger eine Radioiodtherapie (RIT), hat bei den europäischen Nuklearmediziner*innen Widerspruch hervorgerufen:

Risiko-Gruppen für ein Rezidiv

Der differenzierte Schilddrüsenkrebs hat eine sehr gute Prognose. Ein Nutzen der Therapien über die Sterblichkeit ist auch wegen der langen Zeiträume, wie sich auch fortgeschrittene Schilddrüsenkrebserkrankungen beobachten lassen, schwer feststellen. Aus diesem Grund wird für den Nutzen der Therapie die Wahrscheinlichkeit für ein Rezidiv herangezogen:

Studien zur Inzidenz, Sterblichkeit, …..


Autor: Harald | Arbeitsgruppe: Arbeitsgruppe Differenzierter Schilddrüsenkrebs | Letzte Aktualisierung: 23.08.2022 von Harald | W-Nummer: 414533

Sie möchten uns finanziell unterstützen?
Bundesverband Schilddrüsenkrebs – Ohne Schilddrüse leben e.V.
GLS Gemeinschaftsbank eG|IBAN: DE52 4306 0967 4007 2148 00|BIC: GENODEM1GLS

Spenden mit einem Klick