Achtung

Ratschläge auf der Website können keinen Arztbesuch ersetzen
Okay

Schilddrüsenknoten – Diagnostik

Diagnostik des Knoten der Schilddrüse

Es gibt verschiedene Gründe, warum sich in der Schilddrüse Knoten bilden. Eine häufige Ursache kann Jodmangel sein. Nur wenn das Spurenelement Jod in ausreichender Menge vorhanden ist, kann die Schilddrüse ihre Hormone erzeugen.

Bei normal großer Schilddrüse und guter Jodversorgung ist die notwendige Hormonsynthese kein Problem. Bei schlechter Jodversorgung dagegen kommt die Schilddrüse in eine Notsituation: Der Körper fordert die notwendigen Schilddrüsenhormone an, die Schilddrüse leidet jedoch an einem Rohstoffmangel und fängt an zu wachsen. Durch eine solche Vergrößerung des Organs kann es über lange Zeit gelingen, den Jodmangel funktionell auszugleichen. Dies aber führt zu einer Vergrößerung der Schilddrüse, zur Ausbildung einer Struma, umgangssprachlich als Kropf bezeichnet.

Bei Vorliegen einer Struma wird Ihr Arzt zunächst den Halsbereich durch Abtasten untersuchen (Tastuntersuchung = Palpation) und anschließend eine Ultraschalluntersuchung (Sonografie) durchführen. Falls Knoten in der Schilddrüse vorhanden sind, lassen sich damit deren Merkmale und Größe erkennen.

Bild eines Ultraschalls
Sonografie der Schilddrüse

Knoten, die durch ihre Größe und Lage Luft- oder Speiseröhre einengen und dadurch beim Atmen oder Schlucken behindern, können operativ (siehe Kap. 5) oder nuklearmedizinisch mit einer Radiojodtherapie (siehe Kap. 6) behandelt werden.

Schilddrüsenwerte im Blut

Die Bestimmung der Schilddrüsenwerte im Blut (siehe auch Kap.2) liefert weitere Anhaltspunkte für die Diagnostik.

Im Allgemeinen wird zunächst der TSH – Wert bestimmt, und bei einer Abweichung danach die freien Schilddrüsenwerte fT3 und fT4, um die Schilddrüsenstoffwechsellage zu bestimmen.

Findet man Knoten (≥1 cm) in der Schilddrüse und ist der TSH-Wert erniedrigt (Schilddrüsenüberfunktion) oder im Referenzbereich kann die Funktion vorhandener Knoten mit einer Szintigrafie abgeklärt werden (siehe unten).

Blutwerte und Autoimmunerkrankungen:

Bei Verdacht auf eine Autoimmunerkrankung werden die Antikörper bestimmt:

TRAK = Thyreoidea Rezeptor Antikörper. TRAK sind Antikörper, die bei der Autoimmunerkrankung Morbus Basedow gebildet werden. Es gibt zwei verschiedene Typen: die einen wirken wie TSH, die anderen haben die entgegengesetzte Wirkung.

TPOAK = die Thyrodieale Peroxidase Antikörper. Eine Erhöhung der TPOAntikörper kann auf eine Hashimoto-Thyreoiditis hindeuten. Ein erhöhter TPOAK Wert kann jedoch auch andere Ursachen haben (Addison-Krankheit, Typ-1-Diabetes mellitus, chronische Hepatites B und C). Zu dem kommt eine leichte Erhöhung auch bei gesunden Menschen vor.

Szintigrafie

Die über aktiven Bereiche werden auch als heiße Knoten bezeichnet. Sie sind behandlungsbedürftig, wenn sie eine Überfunktion der Schilddrüse auslösen, die mit Medikamenten, so genannten Thyreostatika nicht in den Griff zu bekommen ist. Thyreostatika stoppen die Hormonproduktion der Schilddrüse. Heiße Knoten sind fast immer gutartig und brauchen nicht mit der Feinnadelpunktion untersucht werden.

Bei den wenig oder gar nicht aktiven Bereichen spricht man von kalten Knoten.

Auch wenn fast alle Schilddrüsenkarzinome sich als kalte Knoten zeigen, ist die Diagnose eines kalten Knotens für sich allein keine Indikation für eine Schilddrüsenoperation, da es sonst zu viele falsch positive Ergebnisse (=unnötige Operationen) gibt (siehe 1.3. Risiken verstehen).

Bei indifferenten Knoten (weder heiß noch kalt) kann die Suppressionsszintigraphie eingesetzt werden, wenn eine Schilddrüsenoperation vermieden werden kann/soll.

Technetium – Schilddrüsenszintigrafie:

Untersuchung der Schilddrüse, um Knoten als heiß oder kalt zu identifizieren. Dabei wird schwach radioaktives Technetium in die Vene gespritzt, das von den Schilddrüsenzellen wie Jod aufgenommen wird.
Mittels einer speziellen Kamera lässt sich sodann erkennen, wo sich das Technetium angereichert hat.

Heiße Knoten der Schilddrüse nehmen besonders viel Technetium auf und sind im Szintigramm „merhspeichernd“.

Kalte Knoten nehmen weniger Material auf als normales Schilddrüsengewebe, sie stellen sich minderspeichernd im Vergleich zur Umgebung dar.

Szintigrafie einer gesunden Schilddrüse
Szintigrafie einer gesunden Schilddrüse
Szintigrafie einer Schilddrüse mit einem heißen Knoten
Szintigrafie einer Schilddrüse mit einem heißen Knoten
 Szintigrafie einer Schilddrüse mit einem kalten Knoten
Szintigrafie einer Schilddrüse mit einem kalten Knoten

Knoten und Krebsverdacht

nächste Kapitel: Wiki: Schilddrüsenknoten und Krebsverdacht


Autor: Harald | Arbeitsgruppe: Arbeitsgruppe Knoten der Schilddrüse und benigne Schilddrüsenerkrankungen | Letzte Aktualisierung: 15.07.2022 von Harald W-Nummer: 740

nächste Kapitel: Wiki: Schilddrüsenknoten und Krebsverdacht

vorangehenndes Kapitel: Wiki: Funktion der Schilddrüse

Zurück zum Inhaltsverzeichnis


Autor: Harald | Arbeitsgruppe: Arbeitsgruppe Knoten der Schilddrüse und benigne Schilddrüsenerkrankungen | Letzte Aktualisierung: 15.07.2022 von Harald W-Nummer: 740

Thyroid Imaging, Reporting and Data System (TI-RADS oder TIRADS)

Die Anwendung eines TIRADS bei einer Ultraschalluntersuchung eines Knotens in der Schilddrüse kann als ein Qualitätskriterium betrachtet werden, da es besser zwischen gutartigen und krebsverdächtigen Knoten der Schilddrüse unterscheidet als eine grobe Einschätzung durch Expert*innen.

TIRADS ist ein Kalkulationssystem, in dem verschiedene Merkmale eines Knoten in der Schilddrüse (=Thyroid), die im Ultraschall (=Imaging) zu sehen sind, dokumentiert und bezüglich des Krebsrisikos gewichtet werden.
Es gibt verschieden Versionen des Thyroid Imaging, Reporting and Data System (TIRADS), die nach Autor*innen bzw. nach Fachgesellschaften unterschieden werden.
Allen TIRADS ist gemeinsam, dass in der Regel um die 5 Gruppen unterschieden werden und es entsprechend eine Empfehlung gibt, ob der Knoten und ab welcher Größe dieser punktiert werden soll, oder ob eine Feinnadelpunktion unnötig ist, da gutartig bzw. nur ein sehr geringes Krebsrisiko besteht:

Es gibt verschiedene TIRADS, die sich in Puncto Komplexität für die Untersucher*innen, Sensitivität, Spezifität und damit Akkuratheit der diagnostischen Urteile unterscheiden:

Links zu TIRADS:


Autor: Harald | Arbeitsgruppe: Arbeitsgruppe Knoten der Schilddrüse und benigne Schilddrüsenerkrankungen | Letzte Aktualisierung: 15.07.2022 von Harald W-Nummer: 740

Sie möchten uns finanziell unterstützen?
Bundesverband Schilddrüsenkrebs – Ohne Schilddrüse leben e.V.
GLS Gemeinschaftsbank eG|IBAN: DE52 4306 0967 4007 2148 00|BIC: GENODEM1GLS

Spenden mit einem Klick