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TNM-Klassifikation der Schilddrüsenkarzinome

Die TNM-Klassifikation steht für eine weltweit einheitliche Klassifikation der Primär-Tumore, Lympknotenmetastasen (= lymph nodes) und Fern-Metastasen.

Herausgegeben wird die Klassifikation durch die International Union Against Cancer (UICC).
Sie wurde dabei mehrmals überarbeitet und ist 2016 (deutsch 2017) in einer 8. Version erschienen.

  • 7. Version – 2009 (deutsch 2010)

Die TNM-Klassifikation wird dabei je nach Krebsart etwas unterschiedlich angewendet, auch werden zur TNM-Klassifikation weitere Kleinbuchstaben angehängt; zum Teil werden auch noch ältere Klassifikation angewandt (s.u.).

Das kleine x steht dafür, dass zum Zeitpunkt der Klassifikation dieses Stadium nicht beurteilt werden kann.

Bei den Tumoren in der Schilddrüse gilt folgende Klassifikation:

T = Primärtumor

Tx – Primärer Tumor kann nicht beurteilt werden

T0 – kein Hinweis auf Primärtumor

T1 – Tumor gleich oder kleiner als 2cm

8.Auflage 2017: auch Tumore mit minimaler extrathyrodaler Ausbreitung[Überprüfen ob richtig]

T2 – Tumor mehr als 2 cm, aber nicht mehr als 4 cm in größter Ausdehnung, begrenzt auf Schilddrüse

T3 – Tumor mehr als 4 cm in größter Ausdehnung, oder

7. Auflage (2010): Tumor mit minimaler extrathyreoidaler Ausbreitung (= extrathyroidal extension =ETE) => 8.Auflage 2017: pT1 [noch überprüfen ob richtig]
Eine retrospektive Studie von Tran (2018) konnte zeigen, dass die Zuordnung nach der 7. Auflage bessert ist.

8. Auflage (2017): nur Tumore mit makroskopischer/breiter extrathyreoidaler Ausbreitung (= extrathyroidal extension =ETE)

8. Auflage (2017): T3b – mit makroskopischer/breiter Ausbreitung nur in das Muskelgewebe des Halses [Strap muscles only]

T4a – Tumor jeder Größe mit Ausbreitung jenseits der Schilddrüse und Invasion einer oder mehrerer der folgenden Strukturen: Weichgewebe unter der Haut (subkutan), Kehlkopf (=Larynx), Trachea (Verbindung zwischen Kehlkopf und Lunge), Speiseröhre (=Ösophagus), Stimmbandnerv (Nervus recurrens)

T4b – Tumor infiltriert Bindegwebe vor der Wirbelsäule (=prävertebrale Faszie), mediastinale Gefäße (Mediastinum = Brusthöhle) oder umschließt die Aorta carotis (=Schlagader die den Kopf mit Blut versorgt)

Das anaplasitsches Schilddrüsenkarzinom ist immer eine T4-Klassifikation:

T4a -entdifferenzierte Tumor ist auf die Schilddrüse beschränkt und lässt bzw. ließ sich operativ vollständig entfernen.

T4b – entdifferenzierte Tumor hat sich über die Schilddrüse hinaus ausgebreitet und lässt sich nicht mehr vollständig chirurgisch entfernen.

Das „p“ in „pT“ bedeutet pathologischer oder postoperativer Befund, ohne T ist es der klinische (präoperative) Befund, welches manchmal mit einem vorgestellten c für clinical gekennzeichnet wird. Die Definitionen sind identisch.

Solitärer vs. multifokaler Tumor

  • neu [seit wann?]
    • s solitärer Tumor
    • m bzw. (m) multifokaler Tumor (der größte Tumor ist für die Klassifikation bestimmend)

    • T1a = kleiner gleich 1 cm = Papilläres Mikrokarzinom (= PTMC = Papillary Thyroid Micro Carcinom)
    • T1b = > 1 bis ≤ 2 cm


  • alt [seit wann?]:
    • a. solitärer Tumor
    • b. multifokaler Tumor (der größte Tumor ist für die Klassifikation bestimmend), wird mit (m) gekennzeichnet

Mit der AWMF-Leitlinie: Operative Therapie maligner Schilddrüsenerkrankungen (2012) wird beim follikulären Schilddrüsenkarzionm (FTC) zu dem unterschieden zwischen:

  • Minimal-invasives follikuläres Karzinom (MIFTC) – liegt keine histologisch nachweisbare Angioinvasion (Eindringung in die Bludgefäße) vor, so ist die chirurgische Entfernung des Tumors ausreichend, unabhängig davon wie groß der Tumor ist. Die Prognose ist sehr gut (Empfehlung E25 in AWMF-Leitlinie: Operative Therapie maligner Schilddrüsenerkrankungen (2012))

  • Breit-invasives follikuläres Schilddrüsenkarzinom (WIFTC)– liegt eine Angioinvasion vor, so ist eine totale chirurgische Entferung der Schilddrüse mit anschließener Radiojodtherapie erforderlich, da bei ca. 1/3 der Fälle Fernmetastasen vorliegen. Das WIFTC ist oftmals schon im Schnellschnitt erkennbar.

    Bei Unklarheiten, ob ein MITFC oder WIFTC vorliegt, muss unbedingt ein Referenzpahologe einbezogen werden, da die Prognose und das therapeutische Vorgehen so unterschiedlich ist.

N = Regionäre Lymphknoten

  • NX Regionäre Lymphknoten können nicht beurteilt werden
  • N0 Kein Anhalt für regionäre Lymphknotenmetastasen
  • N1 Regionäre Lymphknotenmetastasen
    (eventuell steht dahinter die Anzahl, z.B. „1/17“, das heißt dann „17 Lymphknoten entnommen und untersucht, davon war 1 befallen)
  • N1a Metastasen in ipsilateralen Halslymphknoten
  • N1b Metastasen in bilateralen, in der Mittellinie gelegenen oder kontralateralen Halslymphknoten oder in mediastinalen Lymphknoten

M = Fernmetastasen

  • MX Das Vorliegen von Fernmetastasen kann nicht beurteilt werden (meist nach einer OP, und vor einer RJT); das x wird in der aktuellen Tumorklassifikation nicht mehr verwandt.
  • M0 Keine Fernmetastasen
  • M1 Fernmetastasen
    • Lunge PUL
    • Knochenmark MAR
    • Knochen OSS
    • Pleura PLE
    • Leber HEP
    • Peritoneum PER
    • Hirn BRA
    • Haut SKI
    • Lymphknoten LYM
    • Andere Organe OTH

Das ist jetzt natürlich grauenhaft „kurz und knapp“, wenn man sich zum ersten Mal mit dem Thema beschäftigt, kann man leicht einen furchtbaren – und nicht unbedingt berechtigten – Schreck bekommen : aber man muss wissen, dass auch bei einer nicht so tollen Prognose, z.B. sehr großes, eventuell schon gestreutes Karzinom, der SD-Krebs zu einer der am besten behandelbaren Krebsarten gehört! Dank der Eigenschaft der SD-Zellen (und NUR der SD-Zellen!), Jod zu speichern, kann man sie fast immer ziemlich einfach zerstören, indem man ihnen radioaktives Jod anbietet (Radiojodtherapie).

Diese Einstufung ist wirklich nur als kleine Hilfestellung gedacht – mit allen weiteren Fragen wendet euch bitte direkt ans Forum, wo wir euch sicher nähere Auskünfte geben können!

Hier noch ein paar Zusatzinfos, aus dem Internet (z. B. bei krebs-kompass.de):

Die folgende Definition der G-Kategorien wird bei Tumoren aller Kopf-Hals-Regionen außer der Schilddrüse (von manchen Ärzten aber auch bei SD-Tumoren) angewandt. Der Grad der Differenzierung erlaubt eine gewisse Aussage über den Malignitätsgrad des Tumors.

G = Grad der Differenzierung

  • GX – Der Grad der Differenzierung kann nicht bestimmt werden
  • G1 – Gut differenziert
  • G2 – Mäßig differenziert
  • G3 – Schlecht differenziert
  • G4 – Undifferenziert

R = Residualtumor:

  • RX = Vorhandensein kann nicht beurteilt werden,
  • R0 = kein Residualtumor,
  • R1 = mikroskopischer Residualtumor
  • R2 = makroskopischer Residualtumor

Und falls irgendwo auch noch ein C auftauchen sollte : Wie stark die Diagnose methodisch abgesichert ist, wird hinter jedem einzelnen Merkmal mit dem Buchstaben „C“ (engl. certainty: Sicherheit) in dem Bereich 1 bis 5 (5 bedeutet „mit größter denkbarer Sicherheit“) angegeben, zum Beispiel als T2C2 N1C2 M0C1.

Es gibt dann noch eine erweiterte Tumorklassifikation, die aber selten benutzt wird:

L = Lymphgefäßinvasion

  • L0 Keine Lymphgefäßinvasion
  • Lx Lymphgefäßinvasion nicht beurteilbar
  • L1 Lymphgefäßinvasion (Lymphangiosis carcinomatosa =LC)

V = Veneninvasion

Dieser Artikel wurde am 5.6.2020 überarbeitet.
Die TNM: Klassifikation maligner Tumoren, 8. Auflage (2017) brachte einige Neuerungen.


Autor: Beate | Arbeitsgruppe: Arbeitsgruppe Differenzierter Schilddrüsenkrebs | Letzte Aktualisierung: 06.09.2021 von Harald W-Nummer: 188001

Weitere Quellen und Studien:

TNM 8th edition in thyroid cancer staging: is there an improvement in predicting recurrence?
Autor*innen: Olimpia Alice Manzardo et.al.
in Endocrine-Related Cancer, DOI: https://doi.org/10.1530/ERC-19-0412 . 2020[/glossary_exclude


Autor: Beate | Arbeitsgruppe: Arbeitsgruppe Differenzierter Schilddrüsenkrebs | Letzte Aktualisierung: 06.09.2021 von Harald W-Nummer: 188001

Einfache Erklärungen:


Autor: Beate | Arbeitsgruppe: Arbeitsgruppe Differenzierter Schilddrüsenkrebs | Letzte Aktualisierung: 06.09.2021 von Harald W-Nummer: 188001

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