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Radiojodtherapie

Die Radiojodtherapie ist eine Behandlungsmethode sowohl für gutartige als auch für bösartige Schilddrüsenerkrankungen.

Schilddrüsenzellen speichern radioaktives Jod ebenso wie normales Jod und werden durch die davon ausgehende β-Strahlung (Reichweite wenige Millimeter) gezielt zerstört.

Zur Durchführung einer Radiojodtherapie ist es notwendig, sich in eine Klinik mit nuklearmedizinischer Station zu begeben, die nach Einnahme des radioaktiven Jods einige Tage nicht verlassen werden darf.

Nahaufnahme der offenen Blei-Box von Iod 131(I-131)Radioaktive Isotope zur Behandlung von einer Hyperthyreose oder eines differenzierten Schilddrüsenkarzinoms
Nahaufnahme der offenen Blei-Box von Iod 131(I-131)Radioaktive Isotope zur Behandlung von einer Hyperthyreose oder eines differenzierten Schilddrüsenkarzinoms

Eine Schwangerschaft sollte in den ersten Monaten nach der Radiojodtherapie vermieden werden.

Bei der Radiojodtherapie von gutartigen Schilddrüsenerkrankungen geht es meist um die Zerstörung von Schild­drüsenzellen, die zu viele Schilddrüsenhormone produ­zieren. Bei der Therapie von Schilddrüsenkrebs geht es darum, nach einer Schilddrüsenoperation noch vorhandenes Schilddrüsenrestgewebe und eventuell vorhandene Metastasen zu zerstören.

Die beiden Radiojodtherapien unterscheiden sich in der eingesetzten Strahlenaktivität und in ihrer Durchführung zum Teil erheblich:

  1. RJT bei gutartigen Erkrankungen
  2. RJT bei bösartigen Erkrankungen

siehe auch unsere Merkblätter

1. RJT bei gutartigen Erkrankungen

Heiße Knoten, autonome Bereiche in der Schilddrüse, vergrößerte Schilddrüsen, die z.B. nicht operiert werden können, oder Morbus Basedow können in vielen Fällen mit einer Radiojodtherapie behandelt werden.
Eine Radiojodtherapie ist Erfolg versprechend, wenn die Knoten nicht zu groß sind, kein Verdacht auf Bösartigkeit besteht und die vergrößerte Schilddrüse kleiner als 60 ml ist und die Luftröhre nicht einengt. Diese Form der Therapie hat gegenüber der Operation den Vorteil, dass die bei Schilddrüsenoperationen möglichen Nebenwirkungen nicht auftreten können. Da jedoch eine radioaktive Substanz verabreicht wird, darf zum Zeitpunkt der Behandlung keinesfalls eine Schwangerschaft vorliegen.

Kalte Knoten lassen sich durch eine Radiojodtherapie dagegen nicht behandeln, da sie kein oder nur wenig Jod aufnehmen. Zudem können sie in manchen Fällen bösartig sein und müssen deshalb nach Entfernung pathologisch untersucht werden. Je größer die Schilddrüse ist und je schlechter die Jodaufnahme, desto eher ist eine Operation anzuraten. Auch das Ausmaß einer etwaigen Schilddrüsenüberfunktion und die Frage, wie schnell der Therapieerfolg eintreten soll, spielen bei der Entscheidung eine Rolle.

Falls ein niedriger TSH nicht bereits vorliegt werden vor der Radiojodtherapie die gesunden Schilddrüsenzellen durch Herbeiführung eines niedrigen TSH-Wertes „stillgelegt“ (ggf. durch Einnahme von Schild­drüsenhormonen). Die autonomen Schilddrüsenzellen dagegen nehmen das radioaktive Jod auf und werden davon zerstört. Das gesunde Gewebe wird gleichzeitig weitestgehend geschont.

Der Erfolg der Radiojodtherapie zeigt sich nach etwa drei Monaten.

Nebenwirkungen

  • Schilddrüsenunterfunktion (siehe Kap. 7. Nach OP und/oder RJT)
  • Strahlenthyreoiditis (selten): Vorübergehende Schwellung der Schilddrüse und Druckschmerzen
  • Chronische Entzündung der Speicheldrüsen (selten bei RIT gutartiger Schilddrüsenerkrankungen)
  • Entwicklung einer autoimmunen Entzündung der Schilddrüse
  • Erstmanifestation oder Zunahme der endokrinen Orbitopathie bei Morbus Basedow

Weiterführende Links:

2. RJT bei bösartigen Erkrankungen

Wenn bei einer Operation ein papilläres oder folli­kuläres Karzinom gefunden wurde, wird danach üblicherweise eine Radiojodtherapie durchgeführt. Sie dient dazu, vereinzelte noch vorhandene Schilddrüsenzellen (Ablation) sowie etwaige Metastasen zu zerstören.

Schilddrüsenkrebs ist in der Regel mit der Radiojodtherapie gut zu behandeln.

Damit das radioaktive Jod möglichst gut von den Schilddrüsen– bzw. Schilddrüsenkrebszellen aufgenommen wird, darf in den letzten 3 Monaten vor einer RJT keine Computertomographie (CT) mit jodhaltigem Kontrastmittel erfolgt sein. Auch dürfen 4-6 Wochen vor einer RJT keine jodhaltigen Medikamente, Nahrungsergänzungsmittel und Desinfektionsmittel verwendet werden, und in den letzten 1-2 Wochen vor der RJT ist auf eine jodarme Ernährung zu achten.

Zur Vorbereitung der Radiojodtherapie muss ein TSH-Wert von mindestens 30 mU/l vorliegen. Dies kann auf zwei Wegen erreicht werden: Entweder wird eine Schilddrüsenunterfunktion herbeigeführt, indem nach der Operation keine Schilddrüsenhormone eingenommen werden dürfen, oder der notwendig hohe TSH-Spiegel wird durch Spritzen von gentechnisch hergestelltem TSH erzeugt.

Bei Vorliegen eines papillären Mikrokarzinoms (Durchmesser kleiner als 1 cm) oder eines minimal-invasiven follikulären Schilddrüsenkarzinoms kann unter bestimmten Voraussetzungen auf eine Komplettierungsoperation und Radiojodtherapie verzichtet werden (siehe Kapitel 3.2 Schilddrüsenkrebs)

Mehr Infos zur Radiojodtherapie bei Schilddrüsenkrebs im durch die Deutsche Krebshilfe herausgegebenen blauen Ratgeber (Nr.9): Krebs der Schilddrüse sowie unsere Merkblätter zum Strahlenschutz und der jodarmen Ernährung (siehe Infomaterial).

nächstes Kapitel: 7. Nach OP und/oder RJT
siehe auch:


Autor: Harald | Letzte Aktualisierung: 10.07.2021 von Harald W-Nummer: 380

Die Radiojodtherapie (RJT) wird mit unterschiedlichen Aktivitäten durchgeführt. Es gibt keine feste Einteilung für eine niedrige bzw. hohe Aktivität ( im englischen low bzw. high activites). In der Regel versteht man unter:

  • niedrig = 1110 MBq = 30 mCi
  • hoch = 3700 MBq = 100 mCi

Bei Metastasen werden höhere Standardaktivität bzw. höhere Aktivitäten mit Hilfe einer Dosimetrie eingesetzt:

siehe auch:

Für die Strahlenbelastung des Patienten bzw. der Patientin ist jedoch die Äquivalentdosis im Blut/Körper von Bedeutung; die Maßeinheit ist Sv (Sievert) (siehe Diagnostische Referenzwerte im Strahlenschutz)


Autor: Harald | Letzte Aktualisierung: 10.07.2021 von Harald W-Nummer: 380

Meine RJT im Rechts der Isar Klinikum / München (Nov 2012) von Glückskinder

Hallo zusammen!

Ich möchte euch auch von meine RJT berichten, zumal ich es für mich immer sehr wichtig fand, DIE Erfahrungsberichte zu lesen, von der Klinik, wo man hingeht. Daher habe ich mich auch dafür entschieden. Aber Achtung: lang Wink

Meine Diagnose: nach SD Operation: pap. SD Mikrokarzinom links.

Montag – Donnerstag (November 2012) RJT / Rechts der Isar in München

Am Sonntag und Montag habe ich je eine Thyrogenspritze erhalten. Am Samstag musste ich nur kurz wegen der Spritze ins KH, dann konnte ich wieder heim. Am Montag vormittag bin ich dann stationär aufgenommen worden und bekam gleich zu Beginn meine 2. Spritze.

Nach der 2. Spritze habe ich ca. nach 1-2 Stunde eine sog. Mini-Kapsel erhalten, nur ganz wenig Jod, wichtig für die 1. Ganzkörperszintigrafie, um messen zu können, wieviel Restgewebe noch vorhanden ist.
Von der Mini Kapsel habe ich aber gar nichts gemerkt und ich konnte noch den Rest des Tages auf der Station rumlaufen bzw. hätte ich das KH auch noch verlassen können mit Unterschrift. Das war der Montag.

Dienstag früh dann die GKS und noch ein paar weitere Untersuchungen wie Blutabnahme etc. Dienstag nachmittag 14.30 Uhr Visite, dann umziehen in das schöne Krankenhaushemd (aber nur wegen dem vielen ausspucken der Zitronen… mehr dazu später) und um 15.30 Uhr kam DIE Pille. Alles sehr unheimlich und beängstigend, aber da muss man wohl durch. Pille wird auf einem Wagen angeschoben, man darf nichts berühren, muss die Pille über ein Reagenzglas gleich in den Mund fallen lassen, ja nicht anfassen die Pille! „Meine“ Pille: 3700 MBq.

Kurz nach Einnahme der Pille habe ich leider schon relativ heftige Kopfschmerzen bekommen, aber ich habe mich ins Bett gelegt und Musik gehört – Zeit hat man ja nun genug. Ab dato hatte ich Ruhe und keiner kam mehr. 1/2 nach Pilleneinnahme musste ich mich den Zitronen anfangen (diese muss man auslutschen und gleich wieder ausspucken, um die Speicheldrüsen anzuregen, da sich im Kiefer und Co. auch das radioaktive Zeug lagert und damit das schnell wieder ausgespült wird.)

Wichtig: selber mitnehmen!!! Zitronenbonbons o.ä (alles,was sauer ist) oder das kauen anregt wie Kaugummis etc.

Die Kopfschmerzen haben die ganze Nacht angedauert. Nachts kam auch 2-3x eine Schwester und hat mich geweckt wegen der Zitronen. Zudem muss man mit Eismanchetten die ganze Zeit den Hals kühlen.

Am Mittwoch früh dann erste Messung. Wert ist schon deutlich runter. Zitronen auslutschen geht weiter und es stellte sich heraus, das Krankenhaushemd macht Sinn, denn es kleckert schon überall, da man das Zeug ja gleich wieder inkl. Spucke ausspucken muss. Mittwoch nachmittag dann Visite, aber nichts neues dazu. Leider hatte ich morgens an dem Mittwoch schon recht Halsschmerzen und meine Speicheldrüsen haben sich entzündet – was angeblich lt. Ärzte nur selten vorkommt. Ich bekam Schmerztabletten und langsam geht das wieder.
Was ich schlimmer fand: mein Zahnschmelz war so in Mitleidenschaft geraten von den Zitronen,dass mir alle Zähne weh taten – das ist/war furchtbar. Das war der Mittwoch.

Donnerstag früh dann Messung und Wert lag im grünen Bereich. Ich darf entlassen werden. Es wurde dann vormittags nochmals ein PET-CT gemacht um zu schauen, ob irgendwo Metastasen sind bzw. zu schauen, wie die SD auf das Jod reagiert hat. Bei mir aber alles im grünen Bereich. Dann nochmals Blutabnahme und noch eine zweite Untersuchung in einer anderen Röhre – dann konnte ich ca. um 13h nach Hause gehen.

Die RJT hat quasi für mich ca. 4 Tage gedauert.

Jetzt zum KH ansich. Ich war eigentlich sehr skeptisch, da ich in der Schilddrüsenambulanz schlechte Erfahrungen mit einem bestimmten Arzt gemacht habe und mein Vertrauen schon dahin war. Aber meine NUK meinte, dass ich dort in den richtigen Händen bin und ich habe ihr vertraut … und habe es nicht bereut. Ganz besonderen Dank an Dr. S., der wirklich sehr nett war und alle Pfleger/Schwestern.

Man hat alles erklärt bekommen, bis ins kleinste Detail, man kam sich nicht doof vor, man hatte das Gefühl, man wird ernst genommen.

Okay, die Räumlichkeiten könnten deutlich schöner sein. Aufgrund meiner Hochtherapie wg. Krebs war ich nochmals abgeschirmter von den anderen Patienten mit RJT. Meine Zimmertür war ungefähr 35 cm breit und ließ sich nur elektronisch öffnen. Es war ein 2-Bett-Zimmer, man wird aber alleine reingelegt und bekommt das Bett zum Fenster. Gut so und für das KH mit Sinn dahinter, man ist so weiter von der Türe weg. Man hat ein kleines WC mit Waschbecken im Zimmer, Dusche auf dem Flur, man darf aber nur alle 2 Tage duschen. Dafür bekommt man 1-2 Münzen, zusammen kann man damit 6 Minuten duschen,das hat aber vollkommen gereicht. Große, gepflegte Dusche mit reichlich Platz. Ansonsten Fernseher und DVD Player auf dem Zimmer, man kann selber seine DVD´s mitbringen oder sich über das KH welche ausleihen. Essen war meiner Meinung nach lecker, hab schon schlechter in KH gegessen. Das Fenster konnte man auch kippen, was wohl auf anderen Isolierstationen auch nicht geht. Modern ist was anderes, aber es war okay für die Zeit dort.

Es gibt einen kleinen Aufenthaltsbereich, wo man sich Getränke holen kann, frisches Obst, wo mal jemand vielleicht sitzt und Mittwoch abends spielt da für 1/2 ein Klavierspieler.

Alles in allem habe ich von den anderen Mitpatienten aber gar nichts mitbekommen, jeder macht dort „sein“ Ding.

Die RJT war für mich nicht wirklich toll. Ich habe es mir ehrlich gesagt leichter vorgestellt. Ich bin leider nicht der Typ Mensch, der lange alleine sein kann bzw. diese Ruhe hat mich wahnsinnig gemacht. Auch,dass man doch nur selten jemanden zu Gesicht bekommt. Ich bin froh, dass ich es erstmal rum habe.

In 4-6 Monaten muss man meist nochmals hin zur RJD (Diagnostik), aber nur für 2 Tage, um zu schauen, was sich getan hat. Die Pille hat dann auch nur noch 10% der Erstmenge.

Ach ja, nehmt nicht zu viel mit. Handtücher bekommt man vom Krankenhaus, damit alles gleich richtig gewaschen werden kann. Es heißt, man kann alles mit nach Hause nehmen, aber komisch ist das schon. Ich habe erstmal alles gewaschen und was nicht zu waschen geht, in einen Sack verstaut und in die Garage gelegt, da liegts jetzt erstmal – bis ich es irgendwann wieder hervor hole Wink

Viel Glück bei eurer Therapie und alles Gute!

Valentina


Autor: Harald | Letzte Aktualisierung: 10.07.2021 von Harald W-Nummer: 380

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