Radiojodtherapie(RJT, RIT)(Synonym: Radioiodtherapie)
ist eine Behandlungsmethode sowohl für gutartige als auch für bösartige Schilddrüsenerkrankungen.
Schilddrüsenzellen speichern radioaktives Jod 131 (I-131) ebenso wie normales Jod und werden durch die davon ausgehende β-Strahlung (Reichweite wenige Millimeter) gezielt zerstört.
mehr Infos unter:
- Wiki: Radiojodtherapie (Einfach erklärt; bei gut und bösartigen Erkrankungen)
β-Strahlen(Synonym: Beta-Strahlen)
siehe Wiki: Strahlenschutz – während und nach einer Radiojodtherapie bzw. einer Radiojoddiagnostik (Auf der deutschen Tastatur bekommt man das β-Zeichen mit den Tasten S + ALtGR oder man nimmt das deutsche SZ-Zeichen ß; oder man benutzt den Code β)
γ-Strahlen(Synonym: Gamma-Strahlen)
siehe Wiki: Strahlenschutz – während und nach einer Radiojodtherapie bzw. einer Radiojoddiagnostik - γ-Strahlung (auf der deutschen Tastatur bekommt man den griechischen Buchstaben γ, in dem man zur Not das y-Zeichen benutzt, oder den Code & #947; (ohne Leerzeichen nach dem &)
Ablation
= vollständige Entfernung eines Organs, hier der Schilddrüse, oder eines Tumors durch Operation, Strahlung, Radiojodtherapie (RJT oder RIT) sowie Thermoablation;
siehe auch:
Becquerel(Bq)
ist die Einheit der Aktivität eines radioaktiven Stoffes; Früher wurde die Aktivität in Curie angegeben. Heute wird dies normalerweise mit [glossary_exclued]Becquerel (Bq) angegeben.
1 Ci = 1000 mCi (Milli-Curie) = 37 GBq (Giga-Becquerel);[/glossary_exclude]
Unit Converter (Umrechner von Einheiten mCi zu MBq etc.)
Es gibt kein einheitliches Vorgehen, was für eine Aktivität man bei einer RJT verabreicht; mehr siehe unter Radiojodtherapie
Diagnosis Related Groups(DRG)
sind Fallpauschalen für die Abrechnung von stationären Leistungen der Kliniken. Das System wurde 2005 eingeführt auf der Basis der DRGs von Australien. Die deutschen DRGs (G-DRGs) werden durch die InEK gGmbH berechnet. Die Radiojodtherapie (sowohl für gut wie bösartige Schilddrüsenerkrankungen) hat die DRG-Nummer: K15Z (ohne Metastasen) bzw. K64D/C (bei vorliegen von Metastasen). Die Radiojoddiagnostik hat die DRG Z64Z.
Dosimetrie
= Messung der Strahlendosis bzw. Abschätzung der Tumor-Dosis und Strahlenexposition des mit Metastasen betroffenen Organs vor einer Radiojodtherapie; hierfür gibt es verschiedenen Methoden zur Messung/Abschätzung, siehe Uptake mit einer Testkapsel (I-123 oder I-131; siehe dazu Stunning) oder mit Hilfe von I-124-PET/CT;
siehe auch
Ganzkörperszintigraphie(GKS)(Synonyme: Ganzkörperszintigramm, ¹³¹I-Ganzkörper-Szintigraphie)
nach Radiojodtherapie (RJT) / Radiojoddiagnostik (RJD) (englisch: whole body scan).
Mit einer Gamma-Kamera werden die γ (= Gamma)-Strahlen von I-131 (bzw. I-123), welches die Patient*innen bei einer RJT /RJD zuvor geschluckt haben, und in Schilddrüsenzellen oder Schilddrüsenkrebszellen aufgenommen wurde, aufgefangen. Die RJD wird daher auch nur als ¹³¹I-Ganzkörper-Szintigraphie bezeichnet.
siehe auch: FAQ: Was für Strahlen gehen vom radioaktivem Jod aus?.
Halbwertszeit
Mit der Halbwertszeit wird allgemein der Zeitraum erfasst, in dem sich etwas um die Hälfte reduziert.
- Bei den Schilddrüsenhormonen beträgt z.B. die Halbwertszeit von T4 ca. 8 Tage, von T3 hingegen nur 20 Stunden.
- Bei der Strahlenexposition der Radiojodtherapie ist die effektive Halbwertszeit, die über eine Formel aus biologischer Halbwertszeit und physikalischer Halbwertszeit berechnet wird; siehe biologische Halbwertszeit und physikalische Halbwertszeit sowie FAQ: Was für Strahlen gehen vom radioaktivem Jod aus?.
- Die Halbwertszeit von Thyreoglobulin (Tg) ist nach chirurgischer Entfernung des Schilddrüsenkarzinoms bei 2-4 Tagen, während bei einer RiT es 3 Monate sind, so dass es bis zu einem Jahr dauern kann bis der Tg verschwindet; siehe auch: FAQ: Thyreoglobulin und Nachsorge des Schilddrüsenkarzinoms.
I-131(Synonyme: Iod-131, Jod-131, ¹³¹I)
steht für das Isotop Iod-131 (auch Jod-131, ¹³¹I) geschrieben.
I-131 ist ein β- (Beta-) und γ-(Gamma-)Strahler. Die zerstörerische Wirkung auf die Schilddrüsenzellen und differenzierten Schilddrüsenkrebszellen geht dabei vor allem von den β-Strahlen aus, die nur wenige Millimeter weit reichen, darum werden nur diese Zellen zerstört und die anderen umliegenden Zellen nicht.
Die γ-Strahlen reichen hingegen weiter, wobei je weiter man weg ist, die Strahlenbelastung für andere sich drastisch reduziert.
Dass γ-Strahlen eine größere Reichweite haben, macht man sich im Ganzkörperszintigramm zu nutze, dadurch kann man sehen, wo das radioaktive Jod im Körper eingelagert wurde und eventuelle Metastasen sind;
siehe dazu auch:
Iod
auch umgangssprachlich Jod geschrieben;
das nicht radioaktive Iod hat die Massenzahl 127.
Bei der Radiojodtherapie (RJT oder RIT) wird das radioaktive I-131 eingesetzt.
Iod ist ein Spurenelement, das die Schilddrüse zur Produktion von Schilddrüsenhormonen (T3 und T4) braucht.
siehe auch:
ionisierende Strahlung
erzeugt aufgrund ihrer Energie in der Materie Ionen. Ionisierende Strahlung können elektromagnetische Wellen sein, mit einer Energie oberhalb der von UV-Licht, bis hin zu Alpha-und Beta-Strahlen etc. Ionisierende Strahlung gilt vor allem im Kindesalter, als Risikofaktor für Schilddrüsenkrebs.
siehe auch: Wiki: Strahlenschutz – während und nach einer Radiojodtherapie bzw. einer Radiojoddiagnostik
K15Z
ist die DRG-Nummer für die Radiojodtherapie (sowohl für gut- wie bösartige Schilddrüsenerkrankungen ohne Metastasen); bei Metastasen ist es K64D/C. Die Radiojoddiagnostik hat die DRG Z64Z.
K64D/C
ist die DRG-Nummer für die Radiojodtherapie bei Vorliegen von Metastasen.
Lungenfibrose
= Umbau des Lungengewebes in Bindegewebe mit anschließender Vernarbung. Es steht dann zu wenig funktionstüchtiges Lungengewebe für die Sauerstoffaufnahme zur Verfügung, was zu Atemstörungen, Atemnot, Husten, Fieber und Blaufärbung (Zyanose) v.a. der Schleimhäute und der Haut führen kann.
Kann bei jod-speichernden Metastasen in der Lunge als Spätfolge einer Radiojodtherapie auftreten. Eine Lungenfibrose tritt je nach eingesetzter Gesamtaktivität bei ca. 1 % der Patienten auf.
M0
= Kein Anhalt für Fernmetastasen nach einer Schilddrüsenoperation bzw. nach einem Ganzkörperszintigramm nach einer Radiojodtherapie;
siehe TNM-Klassifikation der Schilddrüsenkarzinome
Merkblatt
- Merkblatt: Arzt-Patienten-Gespräch
- Hypoparathyreoidismus (Nebenschilddrüsenunterfunktion; Was man darüber vor einer Schilddrüsenoperation wissen sollte.)
- Jodarme Ernährung = Vermeidung jodreicher Ernährung vor einer Radioiodtherapie
- Strahlenschutz – während und nach einer Radiojodtherapie bzw. einer Radiojoddiagnostik
- Kariesschutz -Schutz der Mund- und Ohrspeicheldrüsen nach einer Radioiodtherapie (RIT)
Intern:
miniwithdrawal
Miniwithdrawal wird die kurze (mini), nur wenige Tage dauernde Absetzung der Schilddrüsenhormone (L-T4) vor einer Radiojodtherapie (RJT) bzw. Radiojoddiagnostik (RJD) bezeichnet, wenn diese mit Thyrogen® (recombinat human TSH = rhTSH) geschieht;
siehe FAQ: Miniwithdrawal - Ja oder Nein?
Mundtrockenheit(Synonym: Xerostomie)
Bei einer Radiojodtherapie kommt es in ca. 10-20% als Spätfolge zu einer Xerostomie, auch in Zusammenhang stehen damit Geschmacksveränderungen und Geschmacksverlust. Sind auch die Tränendrüsen gestört, spricht man von einem Sicca-Syndrom;
siehe auch Forums-Gruppe: Speicheldrüsenentzündung/-verstopfung – Mundtrockenheit
N0(pN0)
= Kein Anhalt für regionäre Lymphknotenmetastasen nach einer Schilddrüsenoperation bzw. nach einem Ganzkörperszintigramm nach einer Radiojodtherapie;
siehe TNM-Klassifikation der Schilddrüsenkarzinome
pN0 bezieht sich nur auf den Status nach einer Schilddrüsenoperation. Hier ist es wichtig, zu wissen wieviel Lymphknoten entnommen und untersucht wurden. Unterschieden wird noch mit cN0, wenn lediglich bekannt ist, dass es vor einer Operation keine auffälligen Lymphknoten gab, und auch keine Lymphknoten in der Operation entnommen wurde.
Nuklearmedizin(Synonyme: Nuklearmediziner, Nukleramedizinerin)
ist das medizinische Fachgebiet, das mit Hilfe radioaktiver Stoffe diagnostische Untersuchungen und Therapien durchführt.
In den deutschsprachigen Ländern sind traditionell überwiegend Nuklearmediziner*innen für die Diagnose, Radiojodtherapie (RJT oder RIT) und Nachsorge des differenzierter Schilddrüsenkrebs (DTC) erste Ansprechpartner*innen für die Patient*innen, in anderen Ländern sind es überwiegend die Endokrinolog*innen; Karten:
radioactive iodine remnant ablation(RRA)(Synonym: remnant radioiodine ablation)
ist eine Radiojodtherapie, die nur durchgeführt wird, um restliches gesundes Schilddrüsengewebe zu entfernen = Ablation (remnant = Rest)
Radiogene Thyreoiditis
ist eine kurzfristige Nebenwirkung der Radiojodtherapie (RJT), bei der es durch das radioaktive Jod im Schilddrüsenrestgewebe zu einer Enzündung kommt. Die Behandlung besteht durch Eiskrawatten oder entzündungshemmende Medikamente; siehe auch: Forenthema: FAQ-Hilfe: Nebenwirkungen bei Therapie des Schilddrüsenkrebs
Radiojoddiagnostik(RJD, RID)(Synonym: Radioioddiagnostik)
andere Schreibweise Radioioddiagnostik (RID).
Verfahren in der Nachsorge des differenzierten Schilddrüsenkrebs (DTC).
Ähnlich wie eine Radiojodtherapie jedoch mit einer geringen Aktivität: 100 bis 400 MBq I-131 (siehe dazu Stunning) oder 40 bis 200 MBq I-123.
Indikation zur RJD wird in den Leitlinien zum Teil unterschiedlich beantwortet:
Radionuklidtherapie
ist eine Therapie in der Radionuklide eingesetzt werden.
Die bekannteste und häufigste Radionuklidtherapie ist die Radiojodtherapie (RJT oder RIT)
Weitere sind z.B.
- 177Lu-DOTA-TATE bei Neuroendokrine Tumoren (NET)
- Lutetium-PSMA bei Prostatkrebs
Residenzzeit
ist vereinfacht gesagt, die effektive Zeit, in der das radioaktive Jod in der Rest-Schilddrüse wirkt. Sie wird bestimmt dadurch, wie viel Jod bei der Radiojodtherapie aufgenommen wird und wie lange es dort in der Schilddrüse verbleibt. Je höher die Residenzzeit um so besser.
rxGKS
steht im englischen für eine Ganzkörperszintigraphie (GKS) nach einer Radiojodtherapie (RJT)
Schilddrüsenunterfunktion(Synonym: Hypothyreose)
Bei der Schilddrüsenunterfunktion ist der TSH-Wert über dem Referenzwert;
siehe auch FAQ: Symptome / Beschwerden einer Schilddrüsen-Unterfunktion;
siehe auch: . Das Gegenteil: Hyperthyreose; Eine normal funktionierende Schilddrüse ist eine Euthyreose.
Beschwerden einer Schilddüsenunterfunktion siehe unsere Broschüre Mit Schilddrüsenhormonen leben:
Eine Radiojodtherapie (RJT) beim differenzierter Schilddrüsenkrebs kann mit rhTSH (= Thyrogen) oder durch weglassen der Schilddrüsenhormone (= iatrogene Schilddrüsenunterfunktion; engl.: thyroid hormone withdrawal =THW) durchgeführt werden. Siehe dazu auch: Wiki: Radiojodtherapie beim differenzierten Schilddrüsenkrebs
Sialadenitis
= Entzündung einer Speicheldrüse
Bei einer Radiojodtherapie kommt es in ca. 30% als Nebenwirkung zu einer Sialadenitis.
Sicca-Syndrom
sicca (lat.) = trocken
= Beeinträchtigung von Speicheldrüsen und Tränendrüsen
Bei einer Radiojodtherapie kommt es in ca. 10-20% als Langzeit-Nebenwirkung zu einem Sicca-Syndrom.
siehe Forums-Gruppe Gruppe: Speicheldrüsenentzündung/-verstopfung - Mundtrockenheit.
Strahlung(Synonyme: Strahlenbelastung, Strahlenschutz)
siehe Wiki: Strahlenschutz – während und nach einer Radiojodtherapie bzw. einer Radiojoddiagnostik
siehe FAQ: Strahlenbelastung von Diagnoseverfahren der Schilddrüse
Tätowierung(Synonym: Tattoo)
nach Schilddrüsenoperation oder Radiojodtherapie?
Thrombozyten
=Blutplättchen (engl. platelets,thrombocytes).
Ein vorübergehende Abnormalität der Blutplättchen kommt bei ca.10.4% der Patient*innen nach einer Radiojodtherapie (RIT) vor.
siehe Forums-Gruppe: Fatigue - Chronische Müdigkeit.
Thyreoidea stimulierendes Hormon(TSH)(Synonym: Thyreotropin)
Die Hypophyse (Hirnanhangdrüse) schüttet das Hormon TSH (=Thyreoidea stimulierendes Hormon = Schilddrüse stimulierendes Hormon) aus, welches die Schilddrüse anregt, die Schilddrüsenhormone Thyroxin (T4) und Trijodthyronin (T3) zu produzieren. Die Hypophyse selbst wird durch das Hormon TRH des Hypothalamus angeregt, TSH auszuschütten. Die Referenzwerte liegen ungefähr zwischen 0,2 und 4,0 (Abhängig vom Labor, der Altersgruppe, Schwangerschaft).
Durch die Einnahme von Schilddrüsenhormonen wird ein Mangel von Schilddrüsenhormonen in der Schilddrüsenunterfunktion ausgeglichen. Durch die Gabe von etwas zu viel an Schilddrüsenhormonen wird zu Beginn bei Betroffenen mit dem differenzierten Schilddrüsenkrebs der TSH unterdrückt.
siehe auch:
- Regelkreis einfach erklärt: Wiki: Funktion der Schilddrüse in unserer Broschüre Knoten der Schilddrüse und ihre Behandlung (Inhaltsverzeichnis)
- TSH und Schilddrüsenwerte im Blut von gesunden Menschen
- Wiki: Schilddrüsenhormoneinstellung: Altersspezifische Referenzwerte und Zielbereiche
- Wiki: Individualisierte TSH-Unterdrückung beim differenzierten Schilddrüsenkrebs
- Höhe des TSH bei Radiojodtherapie beim differenzierten Schilddrüsenkrebs
- Link: Studie: TSH und Schilddrüsenkrebs-Risiko (Kristien Boelaert 2009)
Uptake
= Aufnahme, Aufnahme des radioaktiven Jods durch die Schilddrüse
Bei der Radiojodtherapie wird z.B. 48 Stunden nach Aufnahme der radioaktiven Kapsel die ausgehende Strahlung am Schilddrüsenrest gemessen ( = 48 h - Uptake)
Whole Body Scan / Scintigraphy(WBS, RxWBS, PTWBS, TBS)(Synonyme: post-therapy whole body scan, Total Body Scan)
englisch für die Ganzkörperszintigraphie nach einer
- Radiojodtherapie (RJT) (RxWBS) (= post-therapy whole body scan =PTWBS)
bzw. - bei einer Radiojoddiagnostik (RJD) = diagnostic whole body scan (DxWBS)
(weniger gebräuchlich Total Body Scan (TBS))
Gesamtaktivität(Synonym: kumulative Aktivität)
Die Gesamtaktivität ist die Summe der eingesetzten Aktivitäten aller Radiojodtherapien und Radiojoddiagnostiken bei der Behandlung des Schilddrüsenkrebs.
low risk(Synonym: low-risk)
Mit low risk werden in Leitlinien Schilddrüsenkrebspatienten bezeichnet, wenn sie ein geringes Risiko für eine Rezidiv (Wiederauftreten) der Krankheit haben; siehe auch: