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FAQ: TSH-Unterdrückung nach Schilddrüsenkrebs

FAQ: TSH-Unterdrückung nach Schilddrüsenkrebs

| Beitrags-ID: 244910

Aktualisiert am 11.3.2020:

Für wen ist dieser Beitrag von Interesse?

Einfach erklärt:

Inhalt dieses Beitrag:

Individualisierte Risikoabwägungen bei der TSH-Unterdrückung
Empfehlungen der amerikanischen Leitlinie für die Langzeitnachsorge von Patient*innen mit dem differenzierten Schilddrüsenkrebs

Ziele der Gabe von Schilddrüsenhormone

Die Gabe von Schilddrüsenhormonen beim differenzierten (papilläre, follikulär) Schilddrüsenkrebs hat zwei Ziele: Erstes Ziel ist den Verlust der Schilddrüse zu ersetzen (=Substitution) und normale Schilddrüsenwerte im Blut zu erreichen. Zweites Ziel ist ein Wachstum von verbliebenen Schilddrüsenzellen bzw. von papillären oder follikulären Schilddrüsenkrebszellen zu verhindern, welches durch das TSH (=Thyroidea stimulierendes Hormon) stimuliert wird.

    Beim medullären und anaplastischen Schilddrüsenkrebs braucht es keine TSH-Unterdrückung, da das eine von den C-Zellen ausgeht und das andere so entdifferenziert ist, dass sie durch das TSH nicht mehr stimuliert werden können.

In der Nachsorge bzw. Nachbehandlung nach Ersttherapie (Operation und Radioiodtherapie) von Patient*innen mit dem papillären oder dem follikulären Schilddrüsenkrebs und einem hohen Risiko für ein Rezidiv (z. B. Fernmetastasen) konnte schon vor Jahren gezeigt werden, dass wenn die Patient*innen mit etwas zu viel Schilddrüsenhormonen behandelt wurden, das Risiko für ein Rezidiv sinkt. Die angemessene TSH-Unterdrückung für die einzelnen Risikogruppen ist jedoch weiterhin unbekannt.

Es gibt allerdings auch einige Studien, die zeigen konnten, dass mit einem Zuviel an Schilddrüsenhormonen sowohl das Risiko für eine Osteoporose als auch für Herz-Kreislauf-Erkrankungen steigt.

Empfehlungen der Leitlinien

Die Leitlinie der amerikanischen Fachgesellschaft American Thyroid Association (ATA) aus dem Jahr 2015 versucht nun die unterschiedlichen Risiken für ein Rezidiv sowie einer TSH-Unterdrückung miteinander abzuwägen.

Risikogruppen nach erfolgter Radioiodtherapie und Nachbeobachtung von 2 Jahren:

  • Exzellentes Ansprechen der Therapie (Excellent response):
    Unauffällige Bildgebung und Tg-Wert unter TSH-Unterdrückung
  • Unbestimmbares Ansprechen (indeterminate response):
    In der Bildgebung nichts krankhaftes zu sehen bzw. schwache Radioiodspeicherung im Schilddrüsenbett. Tg-Wert unter TSH-Unterdrückung >=0,2 ng/ml und <1 ng/ml oder TAK-Werte sind stabil bzw. fallend.
  • Biochemisch unvollständiges Ansprechen (biochemical incomplete response): In der Bildgebung nichts krankhaftes zu sehen und Tg-Wert unter TSH-Unterdrückung ist >=1 ng/ml oder steigende TAK-Werte
  • Strukturell unvollständiges Ansprechen (structural incomplete response)
    In der Bildgebung gibt es strukturelle oder funktionelle Raumforderungen (Aufnahme von Jod in der RIT bzw. FDG in der PET/CT), die einem Schilddrüsenkrebs zuzuordnen sind.

Ausführlich zu diesen neuen Risikogruppen der amerikanischen Leitlinie (2015) siehe Resetbutton nach Operation und Radioiodtherapie (RIT).

Für Patient*innen, die in der Bildgebung strukturelle oder funktionelle Raumforderungen haben, gilt die Empfehlung weiterhin, dass der TSH-Wert unter 0,1 mU/L sein soll, es sei denn, es gibt spezielle Gegenindikationen.

Für Patient*innen mit geringem Ausgangsrisiko für ein Rezidiv und mit exzellentem Ansprechen solle gar gleich ein TSH-Zielwert im unteren Referenzbereich angestrebt werden.
Beides sind starke Empfehlungen, die auf mittlerem Evidenzniveau beruhen.

Differenzierter betrachtet die ATA die Situation bei Patient*innen mit biochemisch unvollständigem Therapieansprechen (**) und bei denen, die anfänglich ein hohes Rezidivrisiko, jedoch ein exzellentes Therapieansprechen hatten. Letztere sollen bis zu 5 Jahre eine milde TSH-Unterdrückung erhalten, und auch weiterhin regelmäßig bezüglich eines möglichen Rezidivs untersucht werden. Dies sind nur schwache Empfehlungen – ebenso wie für Patient*innen, die keine RIT erhielten, weil die Studienlage schwach ist.

Ausführlich die einzelnen Empfehlungen Amerikanischen Leitlinie siehe dazu: ATA (2015): C15 Bedeutung der TSH-Unterdrückung

Die Risikoabwägung kann letztlich jedoch nur von Arzt und Patient*in gemeinsam getroffen werden und muss eventuell auch durch Hilfestellungen durch eine Selbsthilfegruppe oder eines professionellen Psychotherapeut+innen begleitet werden, da das Wissen um die unterschiedlichen Risiken eine psychische Belastung des Patienten sind.

Richtige Einnahme der Schilddrüsenhormone:

Schilddrüsenhormone sollen mit etwas Wasser nüchtern mindestens eine halbe Stunde vor dem Frühstück genommen werden. Auch mit Kaffee sollte man mindesten eine halbe Stunde warten, da sonst die Schilddrüsenhormone nicht vollständig aufgenommen werden. Zu beachten ist ferner, dass andere Medikamente gleichfalls die Hormonaufnahme verhindern können. Bei Calcium wird gar ein Abstand von zwei Stunden zur Einnahme der Schilddrüsenhormone empfohlen.

Einige Patienten leiden sehr unter der TSH-Unterdrückung. Eine Linderung der Überfunktions-Beschwerden kann man durch L-Carnitin erreichen, ohne dass dadurch die TSH-Unterdrückung gefährdet ist.
Johanniskraut sollte man hingegen nicht nehmen, da es im Verdacht steht den TSH-Wert zu erhöhen.

siehe auch : FAQ: Häufige Fragen zur Substitution, Medikamenten etc. (Dieser Beitrag gibt eine kurze Übersicht, um mögliche Einnahmefehler zu finden, wenn die Schilddrüsenwerte nicht so sind, wie sie sein sollten bei einer Substitution mit Schilddrüsenhormonen. Manches kann zutreffen, muss aber nicht der Fall sein.)

Studien:

Viele Grüße
Harald


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Pilar
Nutzer*In

Antwort auf: FAQ: TSH-Unterdrückung nach Schilddrüsenkrebs

| Beitrags-ID: 317237

Hallo Harald ,
in dem Leitfaden steht das der Tsh Wert nicht unter 0,05 gehen soll . Mein aktueller Wert sagt aus das ich gerade bei 0,031 angekommen bin und mir hat man gesagt ich soll in einem halben Jahr wieder kommen. Das wäre doch aber ein zu niedriger WErt ,wenn ich das richtig verstehen . Meine Schilddrüse wurde nach einem papillaren u. follikulären Karzinom , im Novermber 2012 vollständig entfernt . Danach war ich im Januar zur Rjt . MIr geht es soweit richtig gut , aber mit den ganzen Werten komm ich noch nicht wirklich klar .
Danke , Pilar !

Antwort auf: FAQ: TSH-Unterdrückung nach Schilddrüsenkrebs

| Beitrags-ID: 317238

Hallo Pilar,

das ist ja noch alles recht frisch bei Dir.

Es geht vor allem darum, dass der TSH-WErt nicht dauerhaft (!) unter 0,05 ist.

Bei der nächsten Kontrolle solltest Du dies gegebenfalls ansprechen, ob die Dosis nicht etwas (12,5µg) reduziert werden kann.

Viele Grüße
Harald

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Pilar
Nutzer*In

Antwort auf: FAQ: TSH-Unterdrückung nach Schilddrüsenkrebs

| Beitrags-ID: 317233

Hallo Harald ,
o.k. das werd ich dann machen , wie gesagt ich muss mich da noch reinlesen , hatte noch nicht wirklich Zeit dafür ! Aber danke fürs schnelle Antworten.
Ich bin so froh das es dieses Forum gibt , das hat mir schon oft sehr geholfen !
Ich wünsche Dir noch einen schönen Tag , liebe Grüße Pilar !

Entchen
Nutzer*In
PapCa T2 2002, Eins.Stimmbandlähmung

Antwort auf: FAQ: TSH-Unterdrückung nach Schilddrüsenkrebs

| Beitrags-ID: 317236

Hallo,

ich bin nach langer Zeit mal wieder auf das Thema Suppression gestoßen und hab dazu nochmal eine Frage, weil man macht sich ja doch Gedanken über irgendwelche negativen Auswirkungen, die auf Dauer auftreten können:

Mein TSH ist seit meiner SD-Entfernung vor 11 Jahren (PapCA) immer um die 0,02, also nach den obigen Leitlinien auf Dauer zu niedrig. Meine Werte bei Ft3 und Ft4 liegen aber immer relativ in der Mitte der Normwerte, nie darüber. Also habe ich doch nach meinem Verständnis überhaupt keine Überfunktion, obwohl der TSH so weit unten ist. Oder wie muss ich das verstehen?

Entchen

Antwort auf: FAQ: TSH-Unterdrückung nach Schilddrüsenkrebs

| Beitrags-ID: 317235

Hallo,

die Refenzbereiche bei fT3 und fT4 sind meines Wissens rein Laborstatistisch bestimmt. Ich kenn jedenfalls kein Artikel, bei dem der Referenzbereich von den Ärzten hinsichtlich Hypo- und Hyperthyreose diskutiert wird, wo diese Grenze liegen soll.

Auch bei einer TSH-Unterdrückung sollen übrigens die fT3 und fT4-Werte in den Referenzbereichen liegen, nur ausnahmsweise akzeptiert man einen fT4-Wert über dem Referenzbereich.
Die meisten SD-Krebspatienten dürften daher bei einer TSH-Unterdrückung freie Schilddrüsenwerte haben, die in den Referenzbereichen liegen.

Der TSH ist ein Signalhormon, was ausgeschüttet wird, wenn zu wenig Schilddrüsenhormone im Blut, und umgekehrt wird es gar nicht mehr ausgeschüttet, wenn zu viel Schilddrüsenhormone im Blut.

Ich selbst hatte so gut wie nie Beschwerden mit der TSH-Unterdrückung, ich habe jedoch mit dem Wissen dass eine dauerhafte TSH-Unterdrückung den Körper doch sehr belastet, meine Dosis zusammen mit dem Endokrinologen ganz langsam reduziert.
Nicht mehr als 12,5 µg pro Jahr.

Viele Grüße
Harald

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Entchen
Nutzer*In
PapCa T2 2002, Eins.Stimmbandlähmung

Antwort auf: FAQ: TSH-Unterdrückung nach Schilddrüsenkrebs

| Beitrags-ID: 317234

Hallo,

danke, Harald.

Dann werde ich bei meinem nächsten jährlichen Check in der Nuklearmedizin die Sache mal ansprechen. Dort hat man mir schon beim letzten Mal gesagt, dass ich meine Dosis, wenn ich möchte, reduziern könnte. Ich habe nur irgendwie keine Lust, meine Dosis runterzufahren, denn ich habe über zwei Jahre gebraucht, um sie zu finden und ich weiß noch, dass ich damals mit nur einem bisschen weniger (es ging damals nur um 50 µg pro Woche mehr oder weniger) ziemlich schlapp war. Andererseits möchte ich natürlich auch das Risiko von Folgen klein halten.

Viele Grüße
Entchen

Entchen

SchiddruesenAUA
Nutzer*In
follikulär onkozyträres Karzinom 16 Lymphknotenmetastasen Totale Thyreoktomie 2011 , 2012 Bauchfe

Antwort auf: FAQ: TSH-Unterdrückung nach Schilddrüsenkrebs

| Beitrags-ID: 317239

Habe ein sehr interessanten Artikel gefunden

Grundlagen der lebenslangen Behandlung mit Schilddrüsenhormonen Quelle:
http://www.schilddruesenguide.de/sd_hormontherapie.html

in diesem steht dass z.B in Langzeitstudien herausgefunden wurde dass es anscheinend keinen direkten Zusammenhang zwischen Osteoporose und Herzstörungen bei dauerhaften niedrigen TSH gibt.
Und es besonders bei Patienten die in der Vorgeschichte SD Antikörper sowie anbei Karzinome hatten sogar gut wäre wenn der TSH unter der Nachweisgrenze gehalten wird.

Inhalt des Tesxtes:

Abschnitt:
Supprimiertes (erniedrigtes) TSH, normale fT3- und fT4-Werte?

[Harald : gelöscht, weil wortwörtliche Übernahme der Texte, der oben angeführten Seite.]

AlbaLeitungsteam SHG Magdeburg pap. SD-Ca., foll. Variante, pT2, 2002

Antwort auf: FAQ: TSH-Unterdrückung nach Schilddrüsenkrebs

| Beitrags-ID: 317240

Hallo,

Auch Patienten mit Schilddrüsenkrebs werden lebenslang mit TSH-unterdrückenden Levothyroxindosen behandelt.

Das stimmt nicht – im Gegenteil!
Selbst bei manchen Hochrisiko-Patienten geht man nach einigen Jahren (und versteht sich: nach erfolgreicher Ablation) dazu über, den TSH-Wert wieder ansteigen zu lassen in den niedrig normalen Bereich.

Die reale Gefahr vor allem für das Herz (Kammerflimmern) bei TSH-Suppression scheint nämlich höher zu sein als die eines Rezidives.

In Hinsicht auf SD-Krebs bot die von Schilddrüsen-AUA beworbene Seite (auf der einem als erstes die geschaltete Werbung ins Auge springt 🙄 ) noch nie solide Informationen.
Ich persönlich hätte deshalb auch bei anderen SD-Krankheiten meine Zweifel.

Grüße von Alba

P.S. Dies hier ist neuer als die alte Studie, auf die sich Schilddrüsen-AUA beruft:
Julia Kharlip, David S. Cooper
Recent developments in hyperthyroidism
The Lancet, Vol. 373, 6. Juni 2009, Seite 1930-1932
Und darin kommt man zu durchaus anderen Erkenntnissen.

Antwort auf: FAQ: TSH-Unterdrückung nach Schilddrüsenkrebs

| Beitrags-ID: 317241

Hallo,

offenbar ist man sich in der Fachwelt hinsichtlich der Langzeitrisiken der TSH-Unterdrückung nicht einig. Es herrscht m.E. auch einige Begriffsverwirrung, denn ein niedriger TSH wird in vielen Fällen auch nur als Marker für eine latente oder tatsächliche ÜF gesehen ohne unbedingt immer die anderen SD-Parameter zu betrachten.

2010 nach meiner RJD in Würzburg, die eine erfolgreiche Ablation ergab, fragte ich Prof. Reiners danach, ob ich denn danach nicht als low risk (vorher high rsik las pT3) zu gelten hätte und daher die TSH-Supression nicht ganz so stramm zu sein habe, auch im Hinblick auf die Langzeitrisiken für Knochen und Herz/Kreislauf. Er gestand mir zwar einen TSH von 0,2-0,3 zu meinte aber gleichzeitig, dass er allein wegen eines supprimierten TSh keine Langzeitrisiken sähe, auch im Hinblick auf Ergebnisse von Untersuchungen, an denen er selbst beteiligt gewesen sei (leider habe ich damals nicht nach den genauen Quellen gefragt).

Er hob vielmehr auf das fT3 ab und betonte, dass dies in jedem Falle der relevantere Parameter im Hinblik auf Langzeitrisiken sei und dieser Wert nach Möglichkeit immer gut im Referenzbereich und auf keinen Fall darüber gehalten werden solle. Solange dies gewährleistet sei, halte er auch einen langfristig unterdrückten TSH-Wert für unproblematisch.

Leider muss man das ausdrücklich unter „personal communication“ zählen, da ich die von ihm damals angesprochenen Quellen nicht erfragt und auch nicht weiter recherchiert haben.

Viele Grüße
karl

Ich muß mit der Gewohnheit brechen, ehe sie mich gebrochen hat.
G.C.Lichtenberg

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Antwort auf: FAQ: TSH-Unterdrückung nach Schilddrüsenkrebs

| Beitrags-ID: 317244

Hallo,
ich bin völlig verunsichert.
Ich habe mich bei einem Endokrinologen vorgestellt, der meine Nachsorge (pap. Schilddrüsenkarzinom, high risk) übernehmen sollte.
Bis zur Vorstellung war ich mit 175 L-Thyroxin eingestellt. Ich hatte zu Beginn starke Überfunktionssymptome, die sich etwas gemäßigt haben. Der Endo erhöhte nun meine Dosis auf 200.
In Folge dessen habe ich nun Herzrasen, Zittern, massive Schlafprobleme, Kurzatmigkeit, extrem trockene Schleimhäute, extreme Konzentrationsprobleme.
Nun habe ich mir von meinem Hausarzt den Arztbrief des Endo aushändigen lassen und finde einen TSH Wert von 0,06, der unter 175 mg zustande kam.
Gleichzeitig steht im Arztbrief, dass das Ziel TSH Liege ich nun falsch oder hat sich der Endo hier um eine Kommastelle vertan?
Kann mir jemand weiterhelfen?

Viele Grüße
Nina

Urmel
Nutzer*In

Antwort auf: FAQ: TSH-Unterdrückung nach Schilddrüsenkrebs

| Beitrags-ID: 317243

Hallo Nina,

wenn Du zu Beginn dieses Themas bei den Ausführungen von Harald nachschaust und die FAQ zur TSH Unterdrückung anschaust, wirst Du sehen, dass der TSH zwischen 0 und kleiner 0,1 liegen soll. Ich selbst musste auch sehr lange mit einem TSH von 0,01 – 0,03 ausharren, bis man mir jetzt vier Jahre nach der Diagnose eine leichte Erhöhung bis max. 0,1 gestattet. Ich gehöre auch zu den Patienten wie Du, die starke Nebenwirkungen hinsichtlich Herzrasen, Unruhe, extrem trockene Schleimhäute etc. hatten. Deshalb bekam ich dann zur Reduzierung der Nebenwirkungen einen niedrig dosierten Betablocker. Meine Schleimhäute pflege ich mit diversen Ölen, Sprays und Lutschtabletten (habe mich von einem guten HNO beraten lassen). Zunächst habe ich mich sehr gegen den Betablocker gewehrt, inzwischen muss ich jedoch sagen, dass ich damit sehr gut zurecht komme. Es hat zwar einige Zeit gedauert, aber nun hat sich alles einigermaßen eingependelt.
Übrigens nehme ich auch L-Thyroxin 200.
Wenn Du verunsichert bist, besprich das Ganze doch noch mal mit Deinem Endokrinologen, insbesondere auch die Möglichkeiten etwas gegen die Nebenwirkungen zu tun. Ich selbst habe meinen für die Nachsorge zuständigen Arzt immer gelöchert, um möglichst viele Infos zu bekommen.

Gruß
Urmel

Antwort auf: FAQ: TSH-Unterdrückung nach Schilddrüsenkrebs

| Beitrags-ID: 317242

Hallo,

0 muss der TSH-Wert nicht sein.

Auch aus dem Beitrag ganz oben:

Unstrittig ist unter den Ärzten, dass eine TSH-Unterdrückung unter einen Wert von ≤0,05 mU/l oder niedriger, keinen weiteren Vorteil bei der Verhinderung eines Wiederauftretens des Schilddrüsenkrebses (=Rezidiv) hat.

Es reicht also kleiner 0,1 mU/L, es muss nicht 0 sein.

Die neue : ATA-Leitlinie differenzierter Schilddrüsenkrebs 2015 ist hier zum Teil noch differenzierter in ihren Aussagen.

Lediglich bei high-risk Patienten wird zu Beginn eine Unterdrückung des TSH auf unter 0,1mU/l gefordert (R59).

In der Lanzeit -Nachsorge gibt es sogar wesentliche Änderungen (R70).

Hier wird nur für Patienten, die noch Metastasen haben, oder die eine „biochemische unvollständige Ablation“ nach RJT hatten ein TSH-Wert unter 0,1 mU/l gefordert (R70 A).

Wobei für die „biochemischer unvollständiger Ablation“ (also Tg oder TAK nachweisbwar) auch je nach erst Risiko-Einschätzung und Verlauf des Tg unter TSH-Unterdrückung auch einen TSH-Wert von 0,1-0,5 mU/l haben können (R70B).

Das so im groben, bitte genauer im englischen Orrginal nachlesen.
Für die vollständige Übertragung ins deutsche fehlt mir im Moment die Zeit.

Viele Grüße
Harald

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Antwort auf: FAQ: TSH-Unterdrückung nach Schilddrüsenkrebs

| Beitrags-ID: 317245

Hallo,

habe oben im ersten https://www.sd-krebs.de/phpBB2/viewtopic.php?p=71823#71823 das Update 7.4.2016 eingfügt:

    In den amerikanischen Leitlinien der American Thyroid Association (ATA) aus dem Jahr 2015 wird in der langzeit Nachsorge die TSH-Unterdrückung ensprechend dem Therapie-Erfolg und unter Abwägung der Risiken einer TSH-Unterdrückung Patienten, fast nur Patienten mit fortbestehendem Tumor und nur wenn kein Vorhofflimmern vorliegt eine TSH-Unterdrückung von <0,1 mU/l angestrebt, bei den anderen wird entweder eine milde TSH-Unterdrückung zwischen 0,1 und 0,3 bzw. 0,5 (Abhängig vom Unterenreferenzwert des TSH-Assays) oder zwischen 0,3 (bzw.0,5) und 2,0 mU/l.
    Ausführlich siehe dazu: ATA (2015): C15 Bedeutung der TSH-Unterdrückung.

Viele Grüße
Harald

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schlittenhund
Nutzer*In
papill-Sd-Karz.pT3, N1b,MO

Antwort auf: FAQ: TSH-Unterdrückung nach Schilddrüsenkrebs

| Beitrags-ID: 317246

Hallo,

mich würde interessieren, was konkrekt mit „Herz-Kreislauf-Risiko“ gemeint ist:

Besteht die Gefahr eines Herzinfarktes? Oder eine generelle Erhöhung des Blutdrucks?

Danke für die Auskunft,
Schlittenhund

Antwort auf: FAQ: TSH-Unterdrückung nach Schilddrüsenkrebs

| Beitrags-ID: 317247

Hallo Harald,
nachdem es mir jahrelang richtig gut ging, war ich lange nicht mehr auf dieser Seite unterwegs und ich bin beeindruckt, wie sie sich fortentwickelt hat. Kompliment!
Meine OP war vor 25 Jahren, ein pT4 mit High-Risk-Profil und ich begann die Substiturion mit 200 µf L-Thyroxin. Sie wurde im Laufe der Jahre sehr behutsam zurückgefahren und ich bin seit Frühling dieses Jahres bei 125 und 100 im täglischen Wechsel gelandet. Mein TSH war da immer noch 0,02 µU/ml. 8 Wochen später wurde mir nach Blut-Nachkontrolle telefonisch ein weiterer Rückgang auf 100 µg Thyroxin empfohlen. Ich begann Anfang Juni und nahm in 6 Wochen plötzlich 5 kg an Gewicht zu. Ich fühlte mich schlapp, müde, antriebslos und war fix und fertig. Am 13.6. war fT 3 2.21 pg/ml, fT4 1.55 ng/dl und TSH Grüße Ute

Antwort auf: FAQ: TSH-Unterdrückung nach Schilddrüsenkrebs

| Beitrags-ID: 317248

Hallo,

habe den ersten https://www.sd-krebs.de/phpBB2/viewtopic.php?p=71823#71823 aktualisiert.

Viele Grüße,

Harald

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RJG
Nutzer*In
pap. SD-Ca. foll. Variante bei M. Basedow, ED 11/2017

Antwort auf: FAQ: TSH-Unterdrückung nach Schilddrüsenkrebs

| Beitrags-ID: 317249

…mich würde interessieren, was konkrekt mit „Herz-Kreislauf-Risiko“ gemeint ist:

Besteht die Gefahr eines Herzinfarktes? Oder eine generelle Erhöhung des Blutdrucks?…

In der Medizin versteht man unter Herz-Kreislauf-Risiko die Wahrscheinlichkeit, innerhalb der nächsten 10 Jahre einen Herzinfarkt oder einen Schlaganfall zu bekommen. Das Risiko kann dementsprechend niedrig bis hoch sein. In die Berechnung des Risikos fließen sehr viele Faktoren ein. Die meisten Ärzte schätzen das Risiko anhand der Kernkriterien: vorhandener Bluthochdruck? Übergewicht? Raucher? Diabetiker? manifeste Fettstoffwechselerkrankung im Labor? Herzinfarkte oder Schlaganfälle in der unmittelbaren Familie? Fortgeschrittenes Lebensalter?

Ein Patient, der die Mehrheit oder sogar alle dieser Fragen positiv beantwortet sollte nicht TSH-unterdrückt werden.

schlittenhund
Nutzer*In
papill-Sd-Karz.pT3, N1b,MO

Antwort auf: FAQ: TSH-Unterdrückung nach Schilddrüsenkrebs

| Beitrags-ID: 317250

Hallo RJG,

ich bedanke mich bei dir, dass ich eine halbes Jahr (!) nach meiner Anfrage endlich (zu dieser an sich wichtigen Frage) von jemandem eine Antwort erhalte.

Jetzt wird mir auch klar, warum mein Hausarzt darauf besteht, dass ich permanent einen Blutverdünner zusätzlich einnehme. Ursprünglich wurde mir das Medikament „Thrombo ASS 100“ wegen einer unerklärlichen, plötzlich einsetzenden 15-minütigen Drehschwindelattacke verschrieben. Nach einigen Monaten bekam ich jedoch Magenprobleme. Trotzdem bestand mein Hausarzt weiterhin auf die Einnahme eines ähnlichen Präparates, das angeblich magenfreundlich sein soll. Es heißt „Clopidogrel“. Das habe ich einige Wochen auch eingenommen, da mir aber auffiel, dass ich danach permanent in der Früh mit leichten Kopfschmerzen aufgewacht bin, habe ich auch dieses Medi selbständig wieder abgesetzt, was man natürlich ohne Arztabsprache nicht tun soll. Ich muss nun dringend mal wieder zum HA, um die weitere Vorgangsweise abzusprechen. Danke für deinen wertvollen Hinweis.

Viele Grüße,
Schlittenhund

RJG
Nutzer*In
pap. SD-Ca. foll. Variante bei M. Basedow, ED 11/2017

Antwort auf: FAQ: TSH-Unterdrückung nach Schilddrüsenkrebs

| Beitrags-ID: 317251

Hey Schlittenhund,

die meisten Menschen vertragen ein ASS 100 Präparat sehr gut. Vielleicht lässt Deine Konstellation ja zu, dass man es einfach mit einem anderen Hersteller versucht. Wirkstoffe brauchen eine Basis, die häufig ein Zucker wie z.B. Lactose ist und auf das Verdauungssystem schlagen kann. Dann bietet es sich an, einen anderen Hersteller mit einer anderen Medikamentenbasis auszuprobieren. Hierzu kannst Du auch einen Apotheker befragen.

Bezüglich Clopidogrel ist Kopfschmerz eine beschriebene, gelegentliche unerwünschte Nebenwirkung. Die Kopfschmerzen können aber auch andere Gründe haben. Kopfschmerzen sind der häufige Beratungsanlass überhaupt bei Ärzten. Also vielleicht in Rücksprache mit Deinem Arzt auch hier nochmal probieren.

Aber in jedem Fall solltest Du mit Deinem Hausarzt über die Nebenwirkungen sprechen und die Unzufriedenheit mit den jeweiligen Präparaten. Wenn er eine Blutverdünnung verordnet, hat er dafür sicherlich einen Grund.

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