Achtung

Ratschläge auf der Website können keinen Arztbesuch ersetzen
Okay

FAQ: Was sind Tyrosinkinase-Inhibitoren (TKI)?

FAQ: Was sind Tyrosinkinase-Inhibitoren (TKI)?

| Beitrags-ID: 240354

FAQ: Was sind Tyrosinkinase-Inhibitoren? – Überblick
Update: 30.07.2020

Dies ist ein Überblicks-Beitrag,
in dem erklärt wird, was Tyrosinkinase-Inhibitoren (TKI) sind.

Aufgrund der Entwicklung der schnell fortschreitenden Studienlage und ständig neuer Erkenntnisse aus Studien, ist es jedoch schwer diesen Artikel immer vollständig auf den neusten Stand zu halten.
Dieser Artikel erhebt also nicht den Anspruch sämtliche Entwicklungen erfasst zu haben.

Bericht im Offline Nr. 24, vom August 2020:

Für wen ist dieser Beitrag von Interesse?

    Betroffen mit einem fortgeschrittenen Schilddrüsenkrebs, deren Krebszellen kein bzw. nicht mehr Jod speichern und deren Metastasen nicht lokal, z.B. durch eine Operation, behandelbar sind:

Einfach erklärt:

    siehe folgendes Kapitel in unserer Broschüre:
    Knoten der Schilddrüse und ihre Behandlung
    Beobachten oder behandeln/operieren?

Mehr im Detail und mit weiterführenden Links:

Inhalt-Übersicht:


Worin unterscheiden sich Krebszellen von gesunden Zellen?
Hintergrund:

Bei Krebs unterscheidet sich die Neubildung von Zellen quantitativ zu der Neubildung von gesunden Zellen.
Das bedeutet, dass Krebs wesentlich schneller Zellen bildet als gesunde Zellen.
Die klassische Chemotherapie setzt hier mit Giften an, die vor allem sich schnell teilenden Zelle Probleme bereiten.
Der wenig-differenzierte und medulläre Schilddrüsenkrebs wächst jedoch sehr lange relativ langsam, was einer der Gründe sein dürfte, dass die klassischen Chemotherapien hier nicht wirken.

Es gibt jedoch auch qualitative Unterschiede zwischen dem Zellwachstum von Krebszelle und gesunden Zellen.

Unterschiede hat man gefunden beim

  • Invasionsverhalten, Krebszellen dringen in das Nachbargewebe ein. Gutartige Tumore (z.B. Warzen) respektieren die Grenzen und verdrängen lediglich das Nachbargewebe
  • Apoptose = „natürlicher Zelltod“, findet täglich milliardenfach im Körper statt. Bei der Zellteilung finden natürliche Kontrollmechanismen statt. Wird eine Zelle als Fehlerhaft entdeckt, läuft ein „Selbstmordprogramm“ an. Bei Krebs wird dieser Mechanismus ausgesetzt.
  • Gefäßversorgung = Angiogenese – hier setzt die Anti-Angiogenese an;
    Die Tyrosinkinasen VEGFR unterstützen das Gefäßwachstum. Durch eine Blokade dieser Tyrosinkinasen (Inhibiert) wird der Tumor von der Blutversorgung abgeschnitten, ein weiteres Wachstum soll so nicht möglich sein.VEGFR gibt es allerdings auch in den Hautzellen. Eine typische, sehr unangenehme Nebenwirkung ist daher das Hand-Fuß-Haut-Syndrom. Beim Hand-Fuß-Haut-Syndrom wird die Haut an Händen und Füßen rötlich und schmerz empfindlich bei Kontakten.
    (siehe auch FAQ-Hilfe: FAQ: Angiogenesehemmer – Therapiehoffnung bei med. SD-Krebs.
  • rezeptorvermittelte Unterschiede der Signalübertragung – Tyrosinkinasen
    Es werden Mutationen (Veränderungen) der so genannten Tyrosinkinasen vermutet, die zu einem ungebremsten Zellwachstum führen.

    Auf diese rezeptorvermittelten Unterschiede in der Signaltransduktion (= Signalübertragung) setzen nun Therapien mit Tyrosinkinase-Inhibitoren an. Diese sollen so den Stoffwechsel der Krebszellen lahmlegen. Da es eine Vielzahl von solchen Rezeptoren gibt, gibt es inzwischen eine ganze Reihe von Tyrosinkinase-Inhibitoren, welche auch beim Schilddrüsenkrebs nun auf ihre Wirksamkeit in Studien überprüft werden. Obgleich Throsinkinase-Inhibitoren vielfach als zielgerichtete Therapie angepriesen werden, blockieren sie meist mehrere Tyrosinkinasen, z.T. unterschiedlich gut, und entsprechend gibt es auch nicht unbeträchtliche Nebenwirkungen (s.u.).

    In einem Artikel der „Essener Unikate“ 25/2005 werden von Dr. Martina Bröcker-Preuß und Prof. Klaus Mann diese Grundlage für neue Therapieoptionen auch sehr gut erklärt:
    Molekulare Signalübertragung beim Schilddrüsenkarzinom
    „https://www.uni-due.de/unikate/ressourcen/grafiken/PDF’s/EU_25/25_Br%F6_Mann.pdf“ (PDF)

    Sehr zu empfehlen zum Verständnis, was aus einer gesunden Zelle eine Krebszelle macht, und wie die neuen Therapien wirken ist das Buch: Transformation eine Zelle wird zu Krebs (Klußmeier 2016)

Inhalt-Übersicht

Tyrosinkinasen und Mutationen beim Schilddrüsenkrebs
Beim Schilddrüsenkrebs wurden bislang folgende Tyrosinkinasen und Mutationen gefunden:

  • RET-Mutation – kommt nur bei medullären Schilddrüsenkarzinomen vor (sporadisch > 60 %; erblich > 90 %)
    siehe dazu auch: FAQ: Tyrosinkinaseinhibitoren (TKI) beim fortgeschrittenen medullären Schilddrüsenkrebs (C-Zell-Karzinom)

  • RET-Rearrangement bzw. RET-Genfusion, bei ca. 10-20 % der papillären Schilddrüsenkarzinome, dieser Papillary Thyroid Carcinoma wird daher auch mit RET/PTC abgekürzt. RET-Genfusionen kommen auch bei anderen Organtumoren vor, z. B. nicht-kleinzellige Lungenkarzinomen.
  • NTRK-Genfusionen (NTRK1-3), kommen bei ca. 1-5 % (NTRK1) der papillären Schilddrüsenkarzinomen vor. Die NTRK-Genfusionen werden bei mehr als 30 verschiedenen Krebsarten beobachtet, sind jedoch dennoch sehr selten.
  • BRAF-Mutation – liegt eine BRAF-Mutation vor, so handelt es sich immer um ein papilläres Schilddrüsenkarzinom. Allerdings nicht in allen papillären Schilddrüsenkarzinomen liegt auch eine BRAF-Mutation vor. BRAF-Mutattion hat keine prognostische Bedeutung, auch wenn beim fortgeschrittenen Schilddrüsenkarzinom BRAF-Mutationen häufiger vorleigen.

Ausführlich zu den Mutationen FAQ: Molekulare Mutationen beim Schilddrüsenkrebs.
sowie: Neue Therapieoptionen für fortgeschrittene (SD-)Karzinome (Offline Nr.24; August 2020)

Inhalt-Übersicht

Inhalt-Übersicht

Zugelassene Tyrosinkinase-Inhibitoren

Dabrafenib in Kombination mit Trametinib
In den USA ist Dabrafenib (= Tafinlar ® )in Kombination mit Trametinib (= Mekinist ®) zur Therapie des BRAF-positiven anaplastischen Schilddrüsenkarzinom seit 2018 durch die FDA zugelassen.
siehe Dabrafenib (Handelsname: Tafinlar®) – Übersichtsartikel

Cabozantinib – lange zeit auch unter=XL184 bekannt – wurde 2013 bzw. 2014 unter dem Namen Cometriq ® von der FDA bzw. der EMA für die Behandlung des medullären Schilddrüsenkrebs zugelassen.
siehe Cabozantinib (=Handelsname: Cometriq®) – Übersichtsartikel

Entrectinib
Am 28. Mai 2020 hat die EMA ein bedingte Zulassung für Entrectinib (Handelsname: Rozlytrek ®) erteilt, für alle Tumore die eine Neurotrophic Tyrosine Receptor Kinase (NTRK) Gen-Fusion haben, und nicht operabel oder andere bessere Therapieoptionen haben.

Larotrectinib
= Handelsname Vitrakvi ® (weitere Namen: LOXO-101) Larotrectinib, ist ein selektiver Tropomyosin Rezeptor Kinase (TRK)-Inhibitor. Vitrakvi® hat am 23.09.2019 in Europa die Zulassung erhalten.
siehe: Larotrectinib (Handelsname: Vitrakvi®) – Übersichtsartikel

Lenvatinib – 2015 unter dem Namen Lenvima ® von der FDA bzw. der EMA für die Behandlung des gering-differenzierten, nicht-mehr jod-speichernden Schilddrüsenkrebs zugelassen.
siehe auch:

Selpercatinib – 2020 in den USA unter dem Namen Retevmo ® von der FDA für die Behandlung des gering-differenzierten, nicht-mehr jod-speichernden Schilddrüsenkrebs mit einer RET-Fusion und für das medulläre mit einer RET-Mutation zugelassen.
siehe: Selpercatinib (Handelsname: Retevmo®) – Übersichtsartikel

Sorafenib – 2013 bzw. 2014 unter dem Namen Nexavar ® von der FDA bzw. der EMA für die Behandlung des gering-differenzierten, nicht-mehr jod-speichernden Schilddrüsenkrebs zugelassen.
siehe: Sorafenib (Handelsname: Nexavar®) – Übersichtsartikel.

(siehe auch NCCN-Leitlinie (V 1.2015): Lenvatinib vor Sorafenib)

Vandetanib – lange zeit auch unter=ZD6474=Zactima ® bekannt – wurde 1.8.2011 unter dem Namen Caprelsa ® von der FDA für die Behandlung des medullären Schilddrüsenkrebs zugelassen. Der Name Zactima wurde von der FDA nicht akzeptiert, da eine Ähnlichkeit mit einem anderen Produktnamen bestünde. Die Zulassung durch die EMA erfolgte im Frühjahr 2013.
siehe: Vandetanib (=Handelsname: Caprelsa®) – Übersichtsartikel

Ferner sind folgende Tyrosinkinase-Inhibitoren bei anderen Krebserkrankungen zur Behandlung zuglassen und können im Off-Label-Use eingesetzt werden (siehe FAQ: Was ist Off-Label-Use?): Bevacizumab (Avastin ®), Pazopanib (Votrient ®), Sorafenib (Nexavar ®),Sunitinib (Sutent ®), Vermurafenib, Dabrafenib, Trametinib, …

Inhalt-Übersicht

Vorbereitungen un wichtige Nebenwirkungen

FAQ: Was vor dem Beginn einer TKI-Behandlung zu beachten ist

Praktische Hilfen

Für den Erfahrungsaustausch gibt es die Mitglieder-Gruppe : Tyrosinkinase-Inhibitoren

IQWiG (2012): Axitinib bei den Nebenwirkungen besser wie Sorafenib bei der Therapie des Nierenzellkarzinom.

Wichtige Forums-Diskussionen:

Nicht alle der folgenden Nebenwirkungen treten immer auf. Zur Häufigkeit der Nebenwirkungen, siehe auch Beiträge beim jeweiligen Medikament (siehe Tyrosinkinase-Inhibitoren – neue Medikamente beim Schilddrüsenkrebs).

Inhalt-Übersicht

Wechselwirkungen:

Inhalt-Übersicht

Quellen und Literatur

Inhalt-Übersicht

Hintergrund- und weitere Informationen zum Nutzen von Medikamenten:

Inhalt-Übersicht

Politik und Patientenrechte

Viele Grüße
Harald


zurück zu:
.

Es ist vollbracht!

Unsere neue Website ist Online. Mach mit unsere Website für alle informativer zu machen!
Was ist Neu auf der neuen Website?

Manne8
Nutzer*In
Gering differenziertes Schilddrüsenkarzinom

Antwort auf: FAQ: Was sind Tyrosinkinase-Inhibitoren (TKI)?

| Beitrags-ID: 295590

Hallo Harald,
übernehmen Krankenkassen die Kosten einer TKI Therapie?
Was kostet eigentlich eine solche Therapie?

Grüße

Manne

Antwort auf: FAQ: Was sind Tyrosinkinase-Inhibitoren (TKI)?

| Beitrags-ID: 295591

Hallo,

Medikamente die für den Schilddrüsenkrebs bzw. einen bestimmte Mutation/Fusion Zugelassen sind werden durch die Krankenkassen erstattet.

Kosten tun die Medikamente:

Der Hersteller von Lenvatinib konnte dem G-BA keine geeigneten Studien vorlegen, die einen Zusatznutzen gegenüber Sorafenib belegten. Der G-BA bzw. die Krankenkassen dürften so den Peis vermutlich auf den von Sorafenib gedrückt haben.

Auch wenn die Erfahrung hier im Forum ist, dass Lenvatinib den Tumor wesentlich länger als Sorafenib am Wachstum hindert, so ist dies kein Beleg für einen Zusatznutzen.
Auf der anderen Seite, wenn Betroffene das Medikament länger nehmen können, verdient der Hersteller ja auch mehr, da muss ja nicht auch noch die Packung teurer sein.

Viele Betroffene nehmen zudem im Laufe der Zeit beide Medikamente.
Es gibt bislang keine Studie die einen Hinweis gibt, ob es besser ist erst das einen und dann das andere Medikament zu nehmen.
Außerdem muss man die etwas unterschiedlichen Nebenwirkungen beachten.

Viele Grüße
Harald

Es ist vollbracht!

Unsere neue Website ist Online. Mach mit unsere Website für alle informativer zu machen!
Was ist Neu auf der neuen Website?

1 Nutzer*in hat sich für diesen Beitrag bedankt.
Anonym
Gast

Gäste dürfen nur Anfragen stellen. Ratschläge, Erfahrungsberichte etc. von Gästen werden von den Moderatoren ohne Vorwarnung gelöscht.
Das Gast-Schreiberecht ist nur für Nutzer*innen gedacht, die sich nicht gleich registrieren möchten bzw. Probleme bei der Registrierung haben: Jetzt kostenlos registrieren als Forums-Nutzer*in

Deine Information:

Bist du ein Mensch? Dann klicke bitte auf Plus.

Geburtstage

Heute haben keine Nutzer*innen Geburtstag.

In den nächsten Tagen haben keine Nutzer*innen Geburtstag.

Zur Zeit aktiv

Forum-Statistik

130.073 veröffentlichte Beiträge
27.263 veröffentlichte Themen
7.999 registrierte Nutzer*innen

Sie möchten uns finanziell unterstützen?
Bundesverband Schilddrüsenkrebs – Ohne Schilddrüse leben e.V.
GLS Gemeinschaftsbank eG|IBAN: DE52 4306 0967 4007 2148 00|BIC: GENODEM1GLS

Spenden mit einem Klick